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Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine, die an NS-Opfer erinnern - hier allerdings in Karben. (Archivbild)

NS-Zeit in Eschborn

Stolpersteine für NS-Opfer verlegt

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Der Künstler Gunter Demnig verlegt in Eschborn vier Stolpersteine für NS-Opfer. Angehörige hatten dies bisher abgelehnt.

Vier Stolpersteine für Opfer des Nazi-Regimes hat der Künstler Gunter Demnig gestern in Eschborn und Niederhöchstadt verlegt. Bislang hätten die Töchter von Hermann Kaufmann, der als Jude ins KZ Auschwitz deportiert und 1943 ermordet wurde, die Verlegung eines Messingsteines vor seinem letzten Wohnort in der Pfingstbrunnenstraße abgelehnt, sagte Stadtarchivar Gerhard Raiss der FR. Deshalb sei das Projekt nicht in Angriff genommen worden. Nun hätten die Enkel von Kaufmann anders entschieden.

Auf Antrag der SPD-Fraktion wurde nicht nur der Stolperstein für Kaufmann verlegt. Messingtafeln erinnern in der Oberortstraße, der Unterortstraße und der Hauptstraße auch an die beiden Euthanasieopfer Karlheinz Epp und Heini Schulz sowie an Konrad Broßwitz.

Broßwitz war bis 1930 für die SPD Mitglied im Deutschen Reichstag und aktiver Gewerkschafter. Nachdem er in Frankfurt ausgebombt worden war, kam er als Evakuierter nach Niederhöchstadt, wurde ins KZ Dachau deportiert und starb dort kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner.

Der psychisch kranke Heini Schulz war in Eschborn ein bekannter junger Mann. Er öffnete und schloss die Bahnschranken und suchte am Sonntag im Gottesdienst die Nummern der Lieder heraus. Die Nazis brachten ihn in die „Heilanstalt“ nach Hadamar, wo er 1943 ermordet wurde. Ein ähnliches Schicksal erlitt der erst 13 Jahre alte Karlheinz Epp. Der Junge, der verhaltensauffällig war, wurde als „erbkrank“ ebenfalls nach Hadamar gebracht, wo er 1943 umgebracht wurde. 

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