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Stechend vor der Alten Mühle: Pächter Robert Walch, Architektin Kerstin Werner, Bürgermeister Adnan Shaikh, Erste Stadträtin Bärbel Grade und Stadtverordnetenvorsteher Markus von Sternheim (v. l.). reuss
Stechend vor der Alten Mühle: Pächter Robert Walch, Architektin Kerstin Werner, Bürgermeister Adnan Shaikh, Erste Stadträtin Bärbel Grade und Stadtverordnetenvorsteher Markus von Sternheim (v. l.). reuss © Maik Reuß

Sanierung und Erweiterung der Alten Mühle hat begonnen

Eschborn - Mit dem ersten Spatenstich hat gestern die Sanierung und Erweiterung der Alten Mühle offiziell begonnen. Die Bausubstanz hat, das konnten alle Gäste erkennen, das Zeug zum Kleinod. In rund zwei Jahren wird sich zeigen, ob die Chance genutzt wurde. Die Beteiligten gehen natürlich fest davon aus.

Vorgesehen ist, dass die Alte Mühle unter anderem ein Anlaufpunkt für die Freunde der traditionellen hessischen Küche wird. Die soll nämlich ein Schwerpunkt sein in der Gaststätte, die in dem alten Mühlengebäude entsteht. Gastronomisch genutzt werden soll, wenn es das Wetter zulässt, auch der Innenhof. Der Pächter ist Robert Walch aus Niederhöchstadt, der in dem Anwesen verschiedene Angebote miteinander kombinieren möchte. Dazu gehören zum Beispiel Eis und Kuchen am Nachmittag. 40 Sitzplätze werde es draußen geben, kündigte Bürgermeister Adnan Shaikh an. 20 Parkplätze sind geplant, aber auch Ladesäulen für Autos und Ladepunkte für Elektrofahrräder.

Außerdem sollen Räume geschaffen werden, die den Vereinen zur Verfügung stehen oder für Lesungen, Seminare und Ausstellungen genutzt werden können. Im Obergeschoss des Torhauses entsteht ein größerer repräsentativer Saal. Die Rede ist davon, dass er auch gut als Trauzimmer geeignet sei. „Das wird super“, ist Architektin Kerstin Werner überzeugt.

Die Bausubstanz jedenfalls bietet beste Voraussetzungen. Das Hauptgebäude ist gut erhalten und kann, wenn es saniert ist, den typischen Charme solcher Fachwerkbauten versprühen. Auch das alte Torhaus wird saniert, außerdem entstehen zwei Neubauten, um die historische Situation des Vierseithofes wieder herzustellen. „Im Sommer wird das hier ein Traum“, freut sich Werner schon auf die Atmosphäre im Innenhof.

Bis dahin ist freilich noch ein wenig zu tun. Von zwei Jahren Bauzeit ist die Rede, 6,1 Millionen Euro soll alles kosten. Ob diese Zahl einzuhalten sein wird, ist die Frage - sie wird schon seit dem vergangenen Jahr genannt, und seitdem hat es erhebliche Preissteigerungen am Bau gegeben. Außerdem ist bei alten Häusern immer mit kostspieligen Überraschungen zu rechnen.

Eines der anstehenden Themen ist der am Gebäude entlang fließende Westerbach. Maßnahmen zum Hochwasserschutz müssen sein, aber der Denkmalschutz setzt gewisse Grenzen. Alte Gewölbekeller seien ohnehin feucht, macht Architektin Werner klar, dass es für einen perfekten Schutz nicht reichen wird.

Historisch habe es eher das Problem gegeben, dass es zu wenig und nicht zu viel Wasser in dem Bach gab, weiß Bürgermeister Shaikh. Da die Mühle im Sommer daher nicht arbeiten konnte, habe sich der Müller einst eine Konzession zum Brennen von Schnaps besorgt. Was dazu führte, dass die Männer aus dem Ort sich sonntags in der Alten Mühle trafen und oft zu spät und reichlich beschwipst zum Mittagessen nach Hause kamen.

Das wollten die Eschborner Frauen nicht hinnehmen und wandten sich an den Pfarrer. Der wieder schaltete die zuständigen Behörden mit dem Ziel ein, dass dem Müller die Konzession wieder entzogen werden sollte. Ob mit Erfolg und wie die Eschborner Männer reagierten, das ist leider nicht bekannt.

Fest steht dagegen, dass die alte Mühle im Jahre 1405 erstmals urkundlich erwähnt wurde. So alt sind die heute bestehenden Gebäude allerdings nicht. Dem MTK-Denkmalbuch zufolge wurde das Haupthaus im Jahre 1692 gebaut, das Torhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Stadt hat das Anwesen nach dem Tod der letzten Bewohnerin im Jahre 2007 gekauft. 14 Jahre habe man in der Politik darüber diskutiert, so Bürgermeister Shaikh. Nicht immer habe man sich mit ausreichender Dynamik um das Projekt gekümmert.

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