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Stadtmitte steht zum Verkauf

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Von: Andrea Rost

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Mediterranes Flair in Eschborns Stadtmitte.
Mediterranes Flair in Eschborns Stadtmitte. © Michael Schick

Der Frankfurter Investor und Immobilientycoon Henry Faktor will die vom ihm für 20 Millionen Euro gebaute Eschborner Stadtmitte wieder verkaufen. Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) dementiert Meldungen, wonach die Stadt erwäge, die Stadtmitte für 15 Millionen Euro zu erlösen.

Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) kann die ganze Aufregung nicht verstehen, vermutet hinter dem Aufruhr rund um die Eschborner Stadtmitte „ein politisches Spiel“. Tatsache ist, dass Henry Faktor, Frankfurter Investor und Immobilientycoon, die von ihm für 20 Millionen Euro gebaute Eschborner Stadtmitte wieder verkaufen will. Für 15 Millionen Euro bietet Faktors Firma, die Weststadt OC Projekte GmbH, das Gebäudeensemble mit Einzelhandelsläden, Wohnungen und Büros angeblich auf dem Immobilienmarkt an. Die Eschborner Zeitung hatte dies in der vergangenen Woche exklusiv berichtet und überdies gemeldet, dass die Stadt Eschborn erwäge, die Stadtmitte zu kaufen.

„Davon sind wir noch weit entfernt“, sagte Wilhelm Speckhardt gestern der Frankfurter Rundschau. Zunächst habe er eine Schätzung in Auftrag gegeben, was die Wohn- und Geschäftshäuser gegenüber dem Rathaus und der Stadthalle überhaupt wert sind. „Dann wird man sehen, ob das für uns passt oder nicht.“ Gebaut sind die Gebäude auf einem städtischen Grundstück. Und das soll auch so bleiben. „Verkaufen werden wir das Gelände nicht“, machte Speckhardt deutlich. Dass Henry Faktor vorhabe, für die Stadtmitte 15 Millionen Euro zu erlösen, wollte der Bürgermeister nicht bestätigen. „Ich weiß nicht woher diese Summe stammt“, sagte er der FR.

Die Freien Wähler Eschborn (FWE) spekulieren indes als Oppositionspartei im Stadtparlament über das unternehmerische Risiko, das die Stadt durch den Kauf der Stadtmitte eingehen würde. Immerhin habe die Stadt bereits 2,8 Millionen Euro an Zuschuss für die Herstellung von 155 Tiefgaragenplätzen auf dem Gelände bezahlt sowie 300.000 Euro für den Abbruch der Aufbauten auf dem Grundstück. 57.000 Euro an jährlicher Erbpacht seien mit dem Investor ausgehandelt, der sich im übrigen verpflichtet habe, die Stadtmitte 20 Jahre lang nicht zu veräußern. FWE-Sprecher Bernd Kuhn berichtet in seiner Pressemitteilung von Leerständen, Fluktuation der Mieter, einem erheblichen Verlustrisiko für die Stadt und der Gefahr, der Gebäudekomplex könne „verslumen“.

Traudl Ziegler, einst Projektentwicklerin der Eschborner Stadtmitte im Auftrag von Henry Faktor, kann das nicht bestätigen. Sie wohne und arbeite in dem Gebäudekomplex, sagte Ziegler der FR. Alle Läden seien langfristig vermietet, auch Wohnungen, die frei würden, stünden nicht lange leer. „Man kann sich hier richtig wohlfühlen.“

Henry Faktor wollte sich gestern zu den Verkaufsabsichten nicht äußern. Spekulationen über finanzielle Probleme des Investors hatte es bereits während der mehr als zweijährigen Bauzeit der Stadtmitte gegeben. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Mitte 2009 musste Faktor in einem Gespräch mit der FR einräumen, dass „die Kosten in Eschborn aus dem Ruder gelaufen sind.“ Statt 14 Millionen wurden am Ende 20 Millionen Euro fällig. Faktor tauschte einen Teil seines Management-Teams aus, verhandelte mit der Taunussparkasse über zusätzliche Geldmittel und eröffnete die Stadtmitte schließlich im Herbst 2009, ein halbes Jahr später als geplant.

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