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Plastik-Eisbahn kommt ohne Prüfung

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Antrag der Linken zur alternativen Schlittschuhfläche abgelehnt

Eschborn - Eisbahnen sind nicht angesagt in diesem Jahr, weil sie viel Energie verbrauchen und deshalb teuer werden. Hofheim zum Beispiel setzt deswegen etwa auf eine Rollschuhbahn. In Eschborn wird dagegen im Winter über eine Kunststoffbahn geschlittert. Zu dieser hatte die Linke einen Dringlichkeitsantrag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Ein Ingenieurbüro solle prüfen, ob Aufbau und Betrieb einer solchen Bahn „auch vor dem Hintergrund der drohenden Energiekrise“ zu rechtfertigen sei. Darüber hinaus solle eine Beurteilung möglicher Umweltschäden eingeholt werden.

Jedoch gab es für den Antrag keine Mehrheit - nur die Linke selbst stimmte dafür, die FDP enthielt sich. In der Debatte spielte weitgehend nur die Frage der Energie eine Rolle. Die Eisbahn aus dem vergangenen Jahr sei sehr gut angenommen worden, viele andere Veranstaltungen fänden trotz Energieknappheit statt, argumentierte Ute Ebert (Grüne). Die Bahn werde ja nicht nur für den Einsatz in Eschborn hergestellt, kommentierte sie den Aspekt, dass diese Einrichtungen praktisch komplett aus Kunststoff bestehen.

Mikroplastik kein Thema

„Wir können nicht wegen der Energieknappheit alles bleiben lassen“, äußerte sich Lilli Becking (FWG). Eva Sauter (SPD) begründete die Ablehnung des Antrages damit, dass aus der alternativen Eisbahn nichts mehr werde, wenn erst solche Untersuchungen abgewartet werden sollen.

Sollte man sich aber dauerhaft für diese Variante entscheiden, müssten diese Dinge schon überlegt werden, so die Sozialdemokratin. Schaut man sich die Erfahrungen aus anderen Kommunen an, so ist man unter den Hobby-Eisläufern mit dem Alternativangebot weithin zufrieden, auch wenn beim Laufen mehr Kraft aufgewendet werden muss. Der Unterschied scheint aber gering zu sein.

Das Energie-Thema ist schwieriger zu beurteilen. Die Herstellung der Kunststoffplatten, die etwa zehn Jahre halten, verbraucht Energie, Entsorgung oder Recycling ebenfalls. Der Energieverbrauch einer echten Eisbahn, die als Vergleich dienen muss, hängt zudem stark von den jeweiligen Außentemperaturen ab. Ohne die Expertise eines Fachbüros dürfte dieser Vergleich kaum zu ziehen sein.

Das Thema Mikroplastik spielen die Hersteller tendenziell herunter - das Material, das von den Schlittschuhen gelöst werde, könne aufgesaugt werden. Umweltorganisationen wie der WWF halten von dieser Argumentation nichts - der Abrieb hafte an der Kleidung der Eisläufer und werde gerade bei einer Anlage im Freien auch vom Wind in die Umwelt getragen. Dort zersetze er sich zu gefährlichem Mikroplastik. bt

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