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Der scheidende Mathias Geiger (links) begrüßt seinen Amtsnachfolger Adnan Shaikh (reshts).

Eschborn

Mathias Geiger verabschiedet sich als Bürgermeister von Eschborn

Mehr als 800 Besucher sind am Freitagabend zum Neujahrsempfang ins Eschborner Rathaus gekommen. Am Eingang bildete sich eine lange Schlange. Viele wollten Bürgemermeister Geiger noch einmal die Hand schütteln.

Schon eine Stunde vor Beginn des Neujahrsempfanges hat sich am Freitagabend im Foyer des Eschborner Rathaus eine lange Menschenschlange gebildet. Hunderte Eschborner wollen dem Bürgermeister persönlich die Hand schütteln. Mathias Geiger wirkt enspannt. Der Schock des Wahlabends Ende Oktober, an dem der 62-Jährige als Rathauschef abgewählt wurde, ist verflogen. Geiger kann beim Neujahrsempfang noch einmal der Bürgermeister sein, der er, wie er später sagen wird, sechs Jahre lang gerne gewesen ist. Mit der Amtskette um den Hals steht er am Eingang zum großen Saal, wechselt mit vielen Besuchern ein paar Worte, wird immer wieder umarmt. Jovial begrüßt er den Landrat des Main-Taunus-Kreises Michael Cyriax (CDU), lächelt mit seinem Nachfolger, Adnan Shaikh, in die Kameras der Fotografen.

Es ist das letzte Mal, dass der FDP-Politiker die Kette als Bürgermeister öffentlich trägt. In vier Wochen ist Amtswechsel im Eschborner Rathaus. Adnan Shaikh, der Christdemokrat, den auch SPD und Grüne bei der Bürgermeisterwahl unterstützt haben, wird dann neuer Rathauschef. Geigers Amtszeit endet am 15. Februar.

Eschborn könne auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, sagt Mathias Geiger in seiner Neujahrsrede. „Es hat sich viel bewegt in unserer Stadt, wir sind große Schritte vorangekommen.“ Für den Bau des Notfallzentrums für Feuerwehr und Rettungsdienste, für die Zweifeldhalle mit Jugendhaus an der Heinrich-von-Kleist-Schule und die Seniorenimmobilie am Rapp-Kreisel seien 2019 viele Millionen Euro ausgegeben worden. Den Architektenwettbewerb für den Neubau der Stadthalle und die Sanierung des Rathauses habe die Verwaltung vorbereitet.

Nicht ganz so zügig vorangekommen sei man beim Bau der zweiten Schwimmhalle am Wiesenbad und bei der Sanierung von Eschborns ältestem Gebäude, der Alten Mühle, bedauert Geiger. Beide Vorhaben seien „Opfer von politischer Blockade und wahltaktischen Scharmützeln“ geworden. „Das ist schade – nicht für mich, aber für unsere Stadt und ihre Bürger.“

Dass er einen Teil seiner sechsjährigen Amtszeit ohne politische Mehrheit im Rücken Bürgermeister war, lässt der FDP-Politiker an diesem Abend unerwähnt; ebenso die politischen Intrigen und Affären rund um seine Person und die Versuche von CDU, Grünen und SPD, einen Abwahlantrag gegen ihn zu starten.

Und er verliert auch kein Wort über die Verurteilung wegen Geheimnisverrats, weil er in seiner Zeit als Erster Stadtrat vertrauliche Akten aus der Stadtverwaltung fotografiert, auf CD gebrannt und an einen befreundeten Anwalt gegeben hat, der sie an die Presse weiterreichte. Mauscheleien in der Amtszeit seines Vorgängers, Wilhelm Speckhardt (CDU) habe er aufdecken wollen, hatte Geiger stets zur Rechtfertigung angeführt. Das Urteil des Frankfurter Landgerichtes ist nicht rechtskräftig. Geigers Anwalt hat Revision eingelegt.

Er habe sich 2013 zur Wahl gestellt, weil er in seiner Heimatstadt etwas bewegen, auf künftige Entwicklungen noch stärker Einfluss habe nehmen wollen als ihm dies als Erster Stadtrat oder als Angestellter in der Verwaltung möglich gewesen sei, sagt Mathias Geiger und zieht für sich das Fazit: „Ich bin froh, wichtige Impulse gegeben zu haben, ich konnte als Bürgermeister wegweisende Projekte realisieren.“ Vom Publikum bekommt er dafür lang anhaltenden Applaus. Summa summarum blicke er zurück auf 45 Jahre im Dienste Eschborns, sagt Geiger. „Ein nicht alltäglicher Lebensweg, auf den ich stolz bin.“

Am Ende gibt Mathias Geiger noch einen Ausblick auf die Projekte, die sein Nachfolger Adnan Shaikh als Bürgermeister anpacken wird müssen: Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur Eschborns, das als Pendlerstadt mit zehntausenden Arbeitsplätze tagtäglich im Verkehr erstickt, gehört dazu. Die Modernisierung der maroden Bahnhöfe sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Neue Perspektiven wird womöglich auch der Masterplan Eschborn 2030 eröffnen, den die Stadt zusammen mit Bürgern und der lokalen Wirtschaft erarbeitet hat. Demnächst soll er fertig sein.

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