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Mittagspause an den Fressmeile in Eschborn Süd.

Eschborn

Imbissbuden statt Bürotürme in Eschborn

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Die Entwicklung des Businessquartiers „Börsenplatz“ im Gewerbegebiet Süd in Eschborn stockt. Eine „Fressmeile“ hat sich stattdessen auf dem Areal etabliert. Gastronomen fürchten um ihre Existenz.

Eigentlich sollten auf dem Gelände an der Mergenthalerallee in Eschborn Süd längst die Bagger rollen. Für 2018 hatte Gertler Estates den Bau eines neuen Businessquartiers mit dem klingenden Namen „Börsenplatz Eschborn“ angekündigt. 100 Millionen Euro wollte der Frankfurter Projektentwickler in siebengeschossige Bürogebäude mit Läden und Gastronomie, ein 130-Betten-Hotel und einen 60 Meter hohen Turm als „weithin sichtbare Landmarke“ investieren.

Doch auf dem Gelände gegenüber der Deutschen Börse tut sich nichts. „Wir haben Mieter, aber es sind nicht genug, um mit dem Bau eines Bürogebäudes zu beginnen“, sagte Bernd Reinheimer der FR. Er ist bei Gertler Estates für Marketing und Finanzen zuständig. Man habe lange mit der Deutschen Börse verhandelt, die seit 2010 ihren Sitz in Eschborn Süd hat, berichtete Reinheimer. Ohne Erfolg. Die Verantwortlichen entschieden, den Mietvertrag im Gebäude „The Cube“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Mergenthaler Allee bis 2038 zu verlängern.

Weil Gertler das für den „Börsenplatz Eschborn“ vorgesehene Areal, das seit 50 Jahren im Firmenbesitz ist, nicht mit Gewalt entwickeln wolle, habe man die 22 000 Quadratmeter große Fläche zwischenzeitlich an einen Parkplatzbetreiber vermietet, sagt Reinheimer. „Wir wollten außerdem auch Geld damit verdienen, solange es noch brach liegt.“ Der Parkplatzbetreiber seinerseits vermietet seit rund zweieinhalb Jahren einen Teil der geschotterten Fläche an Imbissbudenbetreiber und Foodtrucks weiter.

Drei Dutzend Imbisse hat Paolo Kaufmann vor Kurzem gezählt. „Es sind immer mehr geworden“, klagt der Gastronom, der in einem Bürogebäude vis à vis ein italienisches Pasta-Restaurant betreibt. Gewaltige Umsatzeinbußen habe er schon hinnehmen und Mitarbeitern kündigen müssen, sagt Kaufmann. „Ich fürchte um meine berufliche Existenz.“

Der 65-Jährige erzählt von einem Restaurant an der Mergenthalerallee, das bereits schließen musste, und er hat Hüseyin Uzun zum Gespräch mit der FR dazugebeten, der einen Sandwich- und Döner-Laden an der Mergenthalerallee betreibt und ebenfalls viel weniger Umsatz macht, seitdem die Imbissbuden ein paar Meter entfernt jeden Tag um die Mittagszeit Hunderte Essen verkaufen.

Indische, persische, koreanische und vietnamesische Gerichte gibt es an der „Fressmeile von Eschborn Süd“, mehrere Thai-Imbisse stehen auf dem geschotterten Parkplatz, ein Latino-Grill und ein persischer Foodtruck. Auch Steaks, Eintöpfe, Salate und Suppen, Kaffee und Kuchen sind zu haben.

Kritik an mangelnder Kontrolle

Gegen 12 Uhr kommen die ersten Banker, Börsianer und Büroangestellten, die Damen in Businesskostüm und Pumps, die Männer mit Anzug und Krawatte. Sie stehen an Imbisswagen Schlange und setzen sich zum Essen an Biertischgarnituren und auf billige Plastikgartenmöbel. Manche Imbissbuden bestehen lediglich aus zusammengezimmerten Holzbrettern, anderswo schützt ein in die Jahre gekommener Pavillon die Gäste vor Sonne oder Regen. Auch fest installierte Buden gibt es, mit Plexiglaswänden und einer breiten Terrasse.

Paolo Kaufmann und Hüseyin Uzun können kaum glauben, dass das alles so rechtens ist; dass ohne Registrierkassen gearbeitet werden könne an der Imbissmeile und Abwässer aus den Buden und Foodtrucks direkt im Schotterboden versickern dürften, wie sie es beobachtet haben. „Jeder normale Gastronom wird tausendfach kontrolliert. Und hier passiert überhaupt nichts.“ Bei der Stadt Eschborn ist Kaufmann schon mehrfach deswegen vorstellig geworden und auch beim Main-Taunus-Kreis. Erreicht habe er nichts, klagt er. „Niemand fühlt sich zuständig.“

Die Imbissbetreiber besäßen alle eine sogenannte Reisegewerbekarte, die deutschlandweit gültig sei. Damit bestehe für sie keine Meldepflicht nach der Gewerbeordnung bei der Stadt Eschborn, erläuterte Rathaussprecher Christian Scherer gegenüber der FR. „Und sie stehen auf Privatgelände, nutzen die Versorgungsleitungen von Gertler Estates. Da hat die Stadt keine Handhabe.“ Eine spezielle Gestaltungssatzung, die regulierend eingreifen könne, gebe es nicht in Eschborn, sagt Scherer.

Von der Lebensmittelüberwachung würden die Imbisse in Eschborn Süd laufend kontrolliert, dabei seien auch Verstöße festgestellt worden, sagte Kreissprecher Johannes Latsch auf FR-Anfrage. Mal sei es um die Hygiene von Flächen gegangen, mal um Schmutz an Kochutensilien. Außerdem seien Lebensmittel in den Foodtrucks falsch gelagert gewesen. „All das kommt auch in festen Restaurants und anderen Gastronomiebetrieben vor.“ Seien Imbisse fest installiert, müsse diese Information an die Bauaufsicht des Kreises weitergegeben werden, teilte Latsch mit. „Die Stadt hat die Prüfungen unserer Kenntnis nach aber noch nicht abgeschlossen.“

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