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Gemeinsam Lebensmittel retten

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Restaurantleiter Hessel Rocco (rechts) übergibt Tüten an Daniel Balzer (links) und Hausleiter Artur Tsovanyan. kreuzer
Restaurantleiter Hessel Rocco (rechts) übergibt Tüten an Daniel Balzer (links) und Hausleiter Artur Tsovanyan. kreuzer © Stephanie Kreuzer

Dank Kooperation wird übriggebliebenes Essen im Möbelhaus günstig verkauft

Eschborn - Die braunen Papiertüten haben es wahrlich in sich, nämlich leckeres Essen, noch dazu extrem günstig. Doch auch für die Anbieter und die Umwelt haben sie nur Vorteile. Denn allein in Deutschland werden pro Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmitteln weggeworfen; weltweit ist es mehr als ein Drittel, so eine WWF-Studie. Viele Initiativen wollen diese Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren, so auch die App „Too Good To Go“. Die Idee: Restaurants, Cafés oder Supermärkte bieten online - zumeist für abends - übriggebliebene Lebensmittel zu vergünstigen Preisen an. Wer eine solche Box oder Tüte bucht, bezahlt per App und holt sich die reservierte Ware kurz vor Ladenschluss direkt bei dem Betrieb ab.

Zu den mehr als 16 000 gastronomischen Partnerbetrieben gehören seit Ende September die 49 Restaurants in den XXX Lutz Möbelhäusern, wie es auch in Eschborn eines gibt. Hier schreibt man sich einen verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln schon lange auf die Fahnen, wie Andreas Haderer, Geschäftsführer der XXX Lutz-Gastronomie, bestätigt: „Wir hatten nie einen besonders großen Lebensmittelverlust in unseren Restaurants, denn wir kochen immer ,à la minute’ und kalkulieren gut. Uns ist es am Ende auch lieber, dass ein Gericht mal ausverkauft ist, ehe etwas übrigbleibt. Wenn doch, hatten wir es ganz pragmatisch unseren Kunden und Mitarbeitern günstig angeboten.“

Dank der Kooperation mit der App könnte dieser Lebensmittelüberschuss nun sogar gegen Null gehen. Nach einer Testphase im Frühjahr in ausgewählten Filialen war die Resonanz von Kunden und Mitarbeitern durchweg positiv, so dass schnell klar war, das flächendeckend anzubieten. „Schon der Anstoß dazu kam aus der Belegschaft, und das Konzept von ,Too Good To Go’ hat mich überzeugt. Das Thema ist spannend und zeitgemäß, daher bin ich selbst User geworden und habe das für uns umgesetzt.“ Geld wird laut seiner Aussage keins verdient, denn gemäß des unternehmensinternen Nachhaltigkeitsprogramms war das einzige Ziel, möglichst keine Lebensmittel mehr wegwerfen zu müssen. Der Aufwand lohne sich dennoch, „und wir sind wirklich stolz, denn die Rückmeldungen unserer Kunden sind absolut positiv. Das ist Antrieb, so weiterzumachen und unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

Das Restaurant der Eschborner Filiale lädt jeden Tag bis 11 Uhr das entsprechende Angebot in der App hoch, wie Daniel Balzer, Regionalbetreuer Gastronomie, erklärt. „Wir sind mit zwei Tüten täglich gestartet, weil wir erst mal schauen mussten, wie das Konzept funktioniert und ankommt, aber nun erhöhen wir auf fünf.“ Was diese beinhalten, hängt immer davon ab, was am Ende des Tages übrigbleibt.

„Wenn wir zum Beispiel viele Frühstücksgäste haben, dann gibt es erfahrungsgemäß zahlreiche Umbestellungen bei den Brötchen, so dass mit ziemlicher Sicherheit einige davon übrigbleiben, denn wir müssen die ja vorproduzieren. Das Schöne an der App ist ja, dass wir flexibel reagieren können, also falls wir mitten im Tagesgeschäft sehen, dass wir überproduziert haben, erhöhen wir in der App einfach die Zahl der angebotenen Tüten.“

Umgekehrt kann XXX Lutz auch schon bestellte Tüten bis zwei Stunden vor der Abholung stornieren, wenn doch nicht so viel übriggeblieben ist. Die Kunden bekommen das Geld dann zurück überwiesen. Die Gebäcktüten haben einen Verkaufswert von neun Euro, aber kosten nur 2,99 Euro, während die Überraschungstüten im Wert von zwölf Euro für 3,99 Euro über die Theke gehen. Die Kunden bezahlen also für die geretteten Lebensmittel nur ein Drittel des ursprünglichen Preises. „Bisher kommt das Konzept wirklich fantastisch an“, so Balzer, „auch ich habe mich davon anstecken lassen und nutze die App nun.“

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