1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Eschborn

Eschborn: Opposition will Kauf des Yaskawa-Geländes verhindern

Erstellt:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Das Eschborner Rathaus wird saniert, die Stadthalle abgerissen und neu gebaut. Dafür braucht es ein Ausweichquartier.
Das Eschborner Rathaus wird saniert, die Stadthalle abgerissen und neu gebaut. Dafür braucht es ein Ausweichquartier. © Renate Hoyer

Das Areal, auf dem die Firmenzentrale des Robotikherstellers Yaskawa steht, soll für einige Jahre Sitz des Eschborner Rathauses und danach Wohngebiet werden. 20 Millionen Euro will die Stadt für das Grundstück ausgeben. Die Opposition spricht von „Spekulation mit Steuergeldern“.

Das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen Eschborn (GWE), eine 100-prozentige Tochter der Stadt, soll das Grundstück an der Hauptstraße zwischen Eschborn und Niederhöchstadt kaufen, auf dem die Firma Yaskawa ihren Sitz hat. Das Robotikunternehmen zieht Ende des Jahres nach Hattersheim. Dann stehen die Büros und Hallen leer.

Das Stadtparlament hat der GWE dafür 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Doch die Entscheidung ist umstritten. Während Bürgermeister Adnan Shaik (CDU) und die Regierungsparteien CDU, Grüne und Freie Wähler von einer „Investition in die Zukunft“ sprechen, befürchten SPD, FDP und Linke ein „Millionengrab“ für die Stadt.

Die Pläne sehen vor, das in die Jahre gekommene Bürogebäude nach dem Auszug von Yaskawa für rund eine Million Euro herzurichten und in den kommenden Jahren als Sitz der Eschborner Stadtverwaltung zu nutzen. So soll die Zeit überbrückt werden, in der das Rathaus in der Unterortstraße saniert wird. Laut Bürgermeister Adnan Shaikh könnte das Yaskawa-Gelände außerdem als Interimsstandort für die Eschborner Stadthalle dienen, die abgerissen und neu gebaut wird.

Nach Abschluss der Arbeiten in der Stadtmitte soll auf dem Yaskawa-Areal und auf einem angrenzenden städtischen Grundstück ein neues Quartier für rund 1000 Menschen entstehen – mit Wohnungen und Häusern für alle Gehaltsklassen und sozialer Durchmischung. „Es ist eine einmalige Chance, um Eschborn als attraktiven Wohnort auszubauen“, ist Shaikh überzeugt

Die Koalitionsparteien stimmten dem 20-Millionen-Euro-Deal zu, die Opposition lehnte die Übertragung der Summe an die GWE geschlossen ab. In einer Pressekonferenz sprachen die Fraktionschefs von SPD, FDP und Linken gestern von „hochgradiger Spekulation“, die an alte Zeiten erinnere, „als in Eschborn im Größenwahn Geld ausgegeben wurde, weil wir es ja haben“.

Die SPD sei nicht dagegen, über einen Kauf des Geländes nachzudenken, sagte Bernhard Veeck. „Aber nicht um jeden Preis.“ In einem Gutachten sei das Areal lediglich mit zwölf Millionen Euro bewertet worden. Unklar sei zudem, wie viel tatsächlich investiert werden müsse, um das Bürogebäude für die Stadtverwaltung nutzen zu können. Auch die Überlegung, mehrere Hunderttausend Euro für eine Interimsstadthalle und Sitzungsräume auszugeben, wo doch das Bürgerzentrum Niederhöchstadt für Veranstaltungen zur Verfügung stehe, sei fragwürdig.

Einen Änderungsantrag, in dem die Oppositionsfraktionen detaillierte Informationen forderten, lehnte die Parlamentsmehrheit ab. Als unproblematisch werteten die Koalitionäre auch den Umstand, dass erst der Flächennutzungsplan geändert werden muss, ehe auf dem Yaskawa-Gelände Wohnungen gebaut werden können, weil es sich um eine reine Gewerbefläche handelt. Auf dem Nachbargrundstück habe die Stadt in neun Jahren eine solche Umwandlung nicht hinbekommen, erinnerte Bernhard Veeck.

Was SPD, FDP und Linke besonders umtreibt, ist der Umstand, dass Bürgermeister und Magistrat den Kauf beschlossen haben, noch ehe das Projekt den Stadtverordneten im Detail vorgestellt wurde. „Da kann von Transparenz keine Rede sein“, kritisierte FDP-Fraktionschef Christoph Ackermann. Unverständlich sei auch, warum der Tagesordnungspunkt im Stadtparlament unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt wurde. Er halte das für nicht rechtskonform, sagte Ackermann. Die FDP habe einen Anwalt beauftragt, Klage wegen Nichtöffentlichkeit zu erheben. „Aus unserer Sicht ist der Beschluss nicht rechtsgültig zustande gekommen.“

Auch interessant

Kommentare