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Eschborn: Kirchturm in neues Licht getaucht

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Von: Jürgen Streicher

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Schülerinnen und Schüler der Heinrich-von-Kleist-Schule haben die Lichtinstallation geschaffen.
Schülerinnen und Schüler der Heinrich-von-Kleist-Schule haben die Lichtinstallation geschaffen. © Peter Jülich

Eschborn und Niederhöchstadt feiern den „Freiwilligen Zusammenschluss“ vor 50 Jahren mit einer Illumination.

Ein Raunen geht durch die Menge, als beim ersten Bild der Kirchturm brennt. Flammen züngeln im oberen Bereich der schlichten Fassade, schlagen in Richtung stumpfer Turmspitze. Junge Menschen haben den Turm von Sankt Nikolaus künstlerisch in Brand gesetzt, Mädchen und Jungs der Heinrich-von-Kleist-Schule, aus Leistungskursen Kunst der Oberstufe. Sie wollten den Turm und die Kirche in ein neues Licht tauchen, mit Fantasie und ihrer Gestaltungskraft. Es ist ihre Art von Geburtstagsgeschenk in Erinnerung an einen trockenen behördlichen Akt, der 50 Jahre zurückliegt. Das, was sie heute „Freiwilligen Zusammenschluss“ nennen, die Vereinigung des Städtchens Eschborn mit dem damals noch dörflichen Nachbarn Niederhöchstadt.

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Im Jubiläumsprogramm sind vor allem Projekte mit Kindern und Jugendlichen vorgesehen. Auf die Lichtinstallation folgt ein Workshop „Urban Sketching“, entwickelt werden etwa neue Perspektiven auf alte Orte.

Im Sommer ist ein „Instawalk“ vorgesehen. Auch dabei geht es um neue Perspektiven, später hochgeladen auf persönlichen Instagram-Accounts. Ein Chorpicknick im Skulpturenpark für alle Altersgruppen schließt das Jahresprogramm ab. Alle Termine: www.eschborn.de jüs

Der Kirchturm in Flammen, später kriecht ein Drache die Seitenwand hinauf, ein kantiger Flamingo ist zu sehen, Schmetterlinge im Aufwind. Bunte Bilder, inspiriert von jugendlichem Künstlergeist, den Kunstlehrerin Carmen Dietrich und ihr Kollege Paul Lins entfacht haben, vor allem aber Lichtkünstler Pascal Kulcsar, der bereits mit einer Lichtinstallation im Ort auf sich aufmerksam gemacht hatte. Damals an der Evangelischen Kirche in Eschborn, zusammen mit seiner Frau Daniela und mit einem bunten Zeitstrahl, der 1250 Jahre Stadtgeschichte farbenfroh referierte. Am Tag nach der russischen Invasion in der Ukraine soll die Aktion Lichtinstallation für das Gegenteil von Aggression stehen. Bürgermeister Adnan Shaikh zitiert nach Schweigemoment sogar den historisch inspirierten Satz „es wächst zusammen, was zusammengehört“.

Auf dem Platz vor Sankt Nikolaus tummelten sich am Freitagabend trotz nasskalter atmosphärischer Verhältnisse in der Luft viele Menschen. Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern, auffallend viele ältere Menschen, die als Zeitzeugen dabei waren, damals, als die beiden Orte, verbunden durch die lange Hauptstraße, bei der so genannten Gebietsreform zusammengeführt wurden. In Grüppchen stehen sie zusammen, die in Abständen aufgestellten Klappstühle werden kaum genutzt. Sie stehen mit Glühwein, Kinderpunsch und heißer Erbsensuppe in der Kälte, viele haben viele Geschichten zu erzählen zu dieser Vereinigung damals zum Jahreswechsel 1971/72, die nicht unbedingt jeder wollte. Geschichten, Begegnungen, so war es gedacht, nebenbei wird mehrfach angemerkt, dass das eine oder andere Bild, vor allem die geometrischen Formen in Braun, Gelb und Beige, der nüchternen Fassade des Sakralbaus auch auf Dauer gut zu Gesicht stehen würden. „Was macht unsere Stadt und das Leben hier aus“, diese Fragestellung soll das Jubiläum über das gesamte Jahr begleiten, wenn mit vielfältigen Projekten an „dieses identitätsstiftende Ereignis“ erinnert wird.

Die jungen Leute haben zwei Wochen mit Daniel Kulcsar in einem Workshop gearbeitet, um jede Illumination passgenau auf die Wände zu werfen. Sie haben weniger an Identitätsstiftung gedacht, für sie ist der Zustand der Verbindung normal. Sie haben ihre künstlerischen Ideen in das „Gemeinwesen“ eingebracht. Mit einem Werkzeug, das 1972 gerade Einzug in die Schulen hielt: Die Arbeit wurde mit Overhead-Projektor präsentiert, wo alle eine digitale Projektion erwartet hatten. Kleine Überraschungen durch vom Wind verwehte und regenbetropfte Folien waren bei der Präsentation kein Makel.

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