Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

PfarrerGoSpecialFR-1_261120_1
+
Karsten Böhm ist Pfarrer der evangelischen Andreasgemeinde in Niederhöchstadt.

Eschborn

Go-Special-Gottesdienste laufen nur online

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
    schließen

Ins Internet verlegt hat die Eschborner Andreasgemeinde ihre erfolgreiche Go-Special-Reihe. Dreharbeiten dafür fanden auch in Frankfurt statt.

Hunderte Menschen drängen sich üblicherweise im Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum, um einmal im Monat am „Go Special“-Gottesdienst der Eschborner Andreasgemeinde teilzunehmen. Für die ungewöhnliche Form der sonntäglichen Andacht, die speziell für ein „kirchendistanziertes Publikum des 21. Jahrhunderts“ entwickelt wurde, begeistern sich Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Rhein-Main-Region. Bands machen live Musik, und Pfarrer Karsten Böhm unterhält sich mit Gästen über unterschiedliche Themen. Anschließend können die Besucher:innen Fragen stellen.

In Zeiten von Corona ist auch für die Macher:innen der „Go Special“-Reihe vieles anders geworden. Seit dem ersten Lockdown im März habe es keine Liveveranstaltungen mit Publikum im Kinopolis mehr gegeben, sagt Böhm. Das besondere Gottesdienstformat ist komplett ins Internet gewandert. Die einzelnen Sequenzen werden vorab an unterschiedlichen Orten gedreht und am „Go Special“-Sonntag um 11 Uhr hochgeladen. Danach können sie über den Youtube-Kanal der Andreasgemeinde abgerufen werden.

Die Gemeinde

Die evangelische Andreasgemeinde im Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt wurde 1970 gegründet. Sie hat rund 2200 Mitglieder. 250 von ihnen sind ehrenamtlich engagiert.

Pfarrer der Andreasgemeinde ist seit 2011 Karsten Böhm.

Bekannt geworden ist die Gemeinde durch ihre Arbeit mit kirchendistanzierten Menschen, vor allem durch die „Go-Special“-Gottesdienste.

Weitere Schwerpunkte sind ein Demenzzentrum, das Familienzentrum „Treffpunkt Mensch“, die Theatergruppe „Andydrama“ und die Buchhandlung 7. Himmel. www.andreasgemeinde.de

„Wir kündigen die Themen und die Gäste immer vorher an, so dass Interessierte Fragen dazu schicken können“, sagt Karsten Böhm. In den Frankfurter Einkaufsstraßen war er im Juni mit einem Kamerateam unterwegs, hat Passant:innen interviewt und danach ein Gespräch mit Kapuzinermönch Bruder Paulus vom Liebfrauenkloster zur Frage „Bleibt alles beim Alten?“ geführt. Fast 2000-mal wurde dieser „Go Special“ bereits angeklickt. Das Interesse an dem Format sei weiterhin groß, sagt Böhm. „Viele Menschen rufen an, bedanken sich oder schreiben mir, wie inspirierend die Beiträge für sie besonders in Zeiten von Corona sind.“

Einen ganz unmittelbaren Bezug zur Pandemie hat auch der „Go Special“ mit dem Titel „Hinter Gittern! – Über Parallelen von Knast und Quarantäne“ mit Gefängnisseelsorgerin Lotte Jung. Er wurde vor den grauen Mauern der Preungesheimer Justizvollzugsanstalt aufgezeichnet und ist seit dem 9. November online zu sehen.

Der Aufwand für die Dreharbeiten sei groß, räumt Böhm ein. Er könne jedoch auf ein eingespieltes Team aus Ehrenamtlichen zurückgreifen. Mehr als 40 Frauen und Männer seien üblicherweise bei den „Go Specials“ auf und hinter der Bühne aktiv, kümmerten sich um Auf- und Abbau, Technik, Musik, Moderation und Catering. Auch in der Vergangenheit seien die „Go Specials“ bereits immer im Internet verfügbar gewesen. „Deshalb haben wir uns auch leichter getan, innerhalb weniger Wochen komplett auf ein Onlineformat umzusteigen“, sagt Böhm. „Für andere Kirchengemeinden ist das sicher komplizierter.“

Premiere für die „Go Special“-Gottesdienste war im Dezember 1995. Der damalige Pfarrer der Andreasgemeinde, Klaus Douglas, hatte die Idee und begeisterte schnell ein großes Publikum. Nachdem der Platz in der Kirche im Langen Weg in Niederhöchstadt nicht mehr ausreichte, lud die Gemeinde vom Jahr 2000 an einmal im Monat zum Gottesdienst in den Saal 1 des Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum ein. Als Karsten Böhm 2011 Pfarrer in Niederhöchstadt wurde, übernahm er nicht nur eine sehr engagierte Kirchengemeinde von seinem Vorgänger, sondern auch das erfolgreiche Gottesdienstformat.

Am Konzept habe sich nicht viel verändert, sagt der 44-Jährige. Auch weiterhin wolle man vor allem Menschen ansprechen, die wenig Kontakt zu Kirche, Gott oder Gemeinde hätten. Dass das funktioniere, zeigten die Feedbackbögen, die Besucher:innen ausfüllten. „Immer noch geben rund ein Drittel der Befragten an, dass sie länger als ein Jahr in keinem traditionellen Gottesdienst mehr waren“, berichtet Karsten Böhm.

Weil mittlerweile Menschen aus ganz Deutschland den Online-„Go Special“ anklicken, kann Böhm sich vorstellen, für die Zukunft ein Hybridformat zu entwickeln – mit Publikum vor Ort und live im Internet zugeschaltet. Für den diesjährigen Weihnachts„Go Special“ hofft er auf die Möglichkeit, den Gottesdienst im Freien im Niederhöchstädter Skulpturenpark zu feiern. „Wie viele Menschen dann vor Ort dabei sein können, müssen wir abwarten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare