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Fadel Farzat an seinem Stand auf dem Wochenmarkt in Eschborn. 

Zuwanderung

Geflüchteter verkauft auf Wochenmarkt in Eschborn Süßes aus Syrien

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Fadel Farzat ist aus Syrien geflüchtet. Der gelernte Konditor verkauft Selbstgebackenes in Eschborn. Ihm gelingt damit eine Premiere für die Stadt. 

Eschborn – Fadel Farzat ist glücklich. Zum ersten Mal hat er mit seinem Verkaufswagen auf dem Eschborner Wochenmarkt gestanden. „Das Geschäft ist gut gelaufen“, sagt der 42-Jährige. Die Süßigkeiten aus seiner syrischen Heimat, die der gelernte Konditor selbst hergestellt hat, seien am Abend fast alle weggewesen. „Die Deutschen lieben syrische Leckereien.“

Mit seiner Frau und drei Kindern ist Fadel Farzat Mitte November 2015 auf dem Frankfurter Hauptbahnhof angekommen. Die syrische Familie war aus dem Libanon, wo sie zuletzt gelebt hatte, über die Türkei und Griechenland geflohen. Bei der Bootsfahrt übers Mittelmeer wären sie fast gestorben, erzählt Fadel Farzat. Über die Gründe seiner Flucht möchte er nicht sprechen. „Das ist eine schlechte Geschichte, ich habe alles verloren“, sagt der Familienvater. Alpträume quälen ihn bis heute. Heilfroh sei er gewesen, als er mit seiner Familie in Deutschland ankam. Dass sie schließlich in Eschborn gelandet seien, „ist ein großes Geschenk. Ich fühle mich wie im siebten Himmel.“

Premiere in Eschborn: Geflüchteter meldet Gewerbe an 

Als junger Mann hat Fadel Farzat in Syrien nicht nur Elektrotechnik studiert und als Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie gearbeitet, sondern auch eine Ausbildung zum Konditor absolviert. Vor vier Monaten hat er sich in Deutschland selbstständig gemacht. Sein Zertifikat als Konditormeister anerkennen zu lassen, um einen Laden eröffnen zu können, sei ihm nicht gelungen, sagt er. Er hat deshalb ein Reisegewerbe angemeldet, das ihm erlaubt, mit dem Verkaufswagen auf Märkten zu stehen. „Mariam Syrische Spezialitäten“ heißt die Firma.

Der Flüchtlingskoordinator der Stadt Eschborn, Dieter Storck, sowie ehrenamtliche Helfer haben Fadel Farzat auf seinem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Wesentlich zum Gelingen beigetragen habe aber das „intensive Selbstmanagement“ des 42-Jährigen, sagt Storck. „Fadel Farzat hat den ganzen Weg von der Idee bis zur Gewerbeanmeldung weitestgehend selbst zurückgelegt. Er ist der erste Flüchtling in Eschborn, dem das gelungen ist.“

Eschborn: Fadel Farzat darf als als Geflüchteter mindestens bis 2021 bleiben

Farzat spricht fließend Deutsch; die fremde Sprache hat er sich im Selbststudium beigebracht. Begeistert erzählt er von den vielen verschiedenen Sorten von Süßigkeiten, die es in Syrien gibt – von Baklava, das weniger süß ist als in der Türkei, von den kleinen Küchlein „Goraibah“, die aus einem Teig aus Mehl, Ghee und Puderzucker hergestellt werden und eine Pistazie als Schmuck tragen, und von der „Krone des Sultans“, einem Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit Nüssen und grünen Pistazien. Backen könne er in der Küche des städtischen Nachbarschaftstreffs, berichtet er.

Mittlerweile haben Fadel Farzat und seine Frau sechs Kinder. Die älteren sprechen perfekt Deutsch, die Familie lebt in einer Wohnung, die die Stadt Eschborn zur Verfügung gestellt hat. Als Geflüchtete haben sie subsidiären Schutz und eine Aufenthaltserlaubnis bis Mai 2021. „Danach müssen wir sehen, wie es weitergeht“, sagt Farzat. „Ich hoffe sehr, dass wir in Deutschland bleiben können.“

Mittwochs steht Fadel Farzat mit seinem Wagen von 8 bis 18 Uhr auf dem Wochenmarkt am Eschborner Rathaus. Eine Kontaktaufnahme ist auch per Mail möglich unter: fm.farzat.shy@gmail.com.

Geldsorgen hat Eschborn keine. Doch die Infrastruktur der Kleinstadt mit den großen Gewerbegebieten lässt zu wünschen übrig.

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