Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch das Thema Fremdarbeit wird in der Ausstellung beleuchtet.
+
Auch das Thema Fremdarbeit wird in der Ausstellung beleuchtet.

Stadtgeschichte

Eschborn: Eine Mark je Filmrolle

  • VonJürgen Streicher
    schließen

In einer Ausstellung im Stadtmuseum erleben die Besucherinnen und Besucher die 1250 Jahre Stadtgeschichte fast im Zeitraffer.

Am Anfang der dokumentierten Geschichte stehen eine Hufe Land, ein Weinberg und 43 Leibeigene. Und die Brüder Risolf und Hadalmar, die das Kloster Lorsch mit diesen üppigen Gaben beschenkten, auf das die Mönche fleißig für ihr Seelenheil und das ihrer Nachkommen beteten. Damals hieß der kleine Ort vor den Taunusbergen, in dem die Brüder lebten, noch „Aschenbrunne“; so ist er im „Lorscher Codex“ im Jahr 770 erstmals erwähnt. Was daraus in 1250 Jahren geworden ist, vor allem die Finanz- und Wirtschaftswelt weiß es. Von den Autobahnen im westlichen Frankfurt kann es jeder sehen, wenn die Sonne sich in den Fenstern glitzernder Hochhausfassaden spiegelt.

Richtig feiern konnten die Eschborner ihr Stadtjubiläum ja nicht. Nicht mal die Ausstellung zur Stadtgeschichte wurde eröffnet. Aber was ist schon ein Jahr, wenn man nun sogar auf 1251 bewegte Jahre zurückblicken kann. Stadtarchivar und Museumsleiter Gerhard Raiss hat die konservative Schau mit ausschließlich „Flachware“ zum Leben im Dorf und ab 1970 in der Stadt Eschborn zusammengestellt und daraus eine Geschichte im Zeitraffer komponiert, die Besucher vielleicht mit Fragen zurücklässt, aber auch viele Antworten und frische Erkenntnisse bietet.

Die Ausstellung

Die Jubiläumsschau ist bis 3. Oktober im Stadtmuseum am Eschenplatz 1 zu sehen. Maximal zehn Gäste dürfen gleichzeitig kommen.

Geöffnet ist mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Anmeldung unter 06196/490 232. Unter dieser Nummer können auch Führungen mit Gerhard Raiss verabredet werden. jüs

Der Historiker Raiss, obwohl Eingeplackter aus Groß-Gerau und erst seit 42 Jahren ansässig im „Dorf mit Eigenleben“, ist genau der Mann für das erfrischende Beiwerk, das es braucht, um Geschichte spannend zu transportieren. Angereichert mit Anekdoten, schönen und deftig harten Momentaufnahmen aus dem reißenden Fluss der Zeit zwischen Risolf und Hadalmar und den Glaspalästen von heute, zwischen denen das alte Dorf rund um den Eschenplatz immer noch das Dorf geblieben ist. Gerhard Raiss liebt solche Geschichten und erzählt sie gerne bei kostenlosen Führungen durch die Ausstellung.

Für 1251 Jahre Geschichte in aller Ausführlichkeit würde der Raum im Museum nicht reichen. Raiss hat sich nach dem Zeitsprung von der Ersterwähnung Aschenbrunnes über den Anschluss an die Eisenbahnwelt 1874 bis ins 20. Jahrhundert auf die Neuzeit beschränkt, von der es genug zu erzählen ergibt. Vom Dorf in den großen Kriegen und Besatzungszeiten, von den Hochzeiten des Milchhandels und dem Aufbau von Ziegeleien bis hin zum ersten Großunternehmen Schiele, das Ventilatoren und Gebläse zur Be- und Entlüftung von Bergwerken produzierte. In einer Zeit, als „die Bach“, also der Westerbach, noch ohne Geländer am Eschenplatz vorbeifloss und immer wieder Ortsfremde mit ihren Autos hineinfuhren und gerettet werden mussten. Schöne Bilder gibt es davon.

Wer weiß schon, dass das ZDF seine Geburtsstätte in Eschborn hat. Im April 1963 wurden erste Sendungen aus umgebauten Holzbaracken einer alten Ziegelei in deutsche Wohnstuben geschickt, ziemlich genau ein Jahr lang, ehe der Umzug auf den Mainzer Lerchesberg anstand. Aktuelle Filme von Sportereignissen wurden aus Flugzeugen über dem Gelände abgeworfen, kleine Jungs sammelten sie ein und brachten sie in die „Studios“.

Eine Mark gab es für jede Filmdose, hat Gerhard Raiss von Zeitzeugen erfahren. Und auch, wie General Eisenhower auf dem kurzfristigen „Weltflughafen“ Eschborn landete. Und Eleanor Roosevelt, Frau des 1945 verstorbenen US-Präsidenten, soll hier mehrfach gesehen worden sein. Heute zeugt noch der letzte Hangar auf dem Gelände des Arboretums von der Flughafen-Vergangenheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare