Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Die Wäschefrauen“ gehen im Skulpturenpark Niederhöchstadt ihrer Arbeit nach.
+
„Die Wäschefrauen“ gehen im Skulpturenpark Niederhöchstadt ihrer Arbeit nach.

Eschborn

Eschborn: „Alltagsmenschen“ zu Gast in der Stadt

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
    schließen

Eine Freiluftausstellung in Eschborn zeigt 50 lebensgroße Betonskulpturen aus dem Atelier der Künstlerin Christel Lechner.

Die vier Herren im dunklen Anzug vor dem Eschborner Rathaus blicken unverwandt in die Ferne – einer hat die Arme vor der Brust verschränkt, ein anderer die Hände im Hosenbund stecken. Selbstgefällig und ein bisschen gelangweilt sehen die Betonfiguren aus, die die Wittener Künstlerin Christel Lechner zusammen mit ihrer Tochter Laura geschaffen hat. Auf dem Kopf tragen die Herren bunte Fastnachtshütchen. Ob das eine Anspielung auf die Eschborner Kommunalpolitik ist, wo in der Vergangenheit nicht immer alles rundlief? Der Mittvierziger, der auf den Stufen vor dem Verwaltungsgebäude sitzt und Mittagspause macht, zuckt mit den Schultern. „Wer weiß das schon? Sind halt Pappnasen, aber mich stören sie nicht.“

„Alltagsmenschen“ nennt Christel Lechner die lebensgroßen Betonfiguren, die in diesem Sommer das Eschborner Stadtgebiet bevölkern. Mehr als 50 sind es insgesamt. Am Rathaus, in der Unterortstraße und am Eschenplatz stehen sie und im Niederhöchstädter Skulpturenpark.

Manche wirken ein wenig statisch, wie „Herr Oben“, der Mann, der vom Ufer des Westerbachs melancholisch ins Wasser blickt. Oder die behäbigen Putzfrauen am Brunnen hinter der Kirche. Andere könnte man aus der Ferne fast für lebendige Menschen halten. Etwa die 18 Figuren, die auf der Wiese des Skulpturenparks eine Polonaise tanzen. Oder das „Berliner Paar“, das interessiert in die Frühlingslandschaft blickt, beschützt von einem riesigen Sonnenschirm, den der Mann über seine Begleiterin hält.

Zur Person

Seit 1996 erschaffen Christel Lechner und ihre Tochter Laura in ihrem Wittener Atelier lebensgroße Skulpturen aus Beton.

„Alltagsmenschen“ heißen die Inszenierungen, die sie in ganz Deutschland zeigen. Die Ausstellung in Eschborn läuft bis zum 24. Oktober 2021.

Bei einer Fotoaktion können Bilder auf Instagram und Facebook mit dem Hashtag #eschborneralltagsmenschen gepostet werden. Die besten Fotos veröffentlicht die Stadt auf ihren Seiten.

www.eschborn.de/alltagsmenschen

Rita Großmann und ihr Mann Reinhold sind extra aus Frankfurt angereist und „hellauf begeistert“ von der „Alltagsmenschen“-Ausstellung. Besonders angetan haben es ihnen die beiden Wäschefrauen, hinter denen auf einer Leine Hemden und Hosen im Wind flattern. „Die Figuren zu betrachten fesselt mich ungemein“, sagt Rita Großmann. Dass es solch eine Schau nicht längst in Frankfurt gegeben hat, bedauert sie. „Kaum zu glauben, dass man dafür nach Eschborn fahren muss.“

Als „künstlerische Inszenierung des Alltäglichen“ bezeichnet Christel Lechner ihre lebensgroßen Betonskulpturen, als „berührende Momentaufnahmen“, die zeigten, was gemeinhin übersehen werde: das gelebte Leben in seiner reinsten Form, ungeschönt und dennoch fern von Banalität. Dort, wo Menschen einander begegneten, belebten die Figuren den öffentlichen Raum, könnten umrundet, berührt oder einfach in Ruhe betrachtet werden, erläutert die Künstlerin.

Auch die Interaktion mit dem Kunstwerk ist möglich. Beispielsweise bei der Inszenierung „Die Reise nach Jerusalem“, die auf der Wiese des Skulpturenparks das bekannte Kinderspiel nachstellt – mit Menschen, die auf Stühlen sitzen, gerade am Aufstehen sind oder herumlaufen. Freie Plätze gibt es auch für das interessierte Publikum.

75 000 Euro lässt sich die Stadt Eschborn die Sommerausstellung kosten. Der Kulturfonds Rhein-Main sponsert das Projekt.

Die Figuren der Alltagsmenschen wurden nicht eigens für Eschborn angefertigt, sie waren bereits andernorts zu sehen. Die Polonaisetanzenden etwa standen 2019 auf der Schweizerischen Triennale der Skulpturen. Der Badende am Westerbach in seinem geringelten Schwimmanzug war bereits im Schlosspark Lichtenwalde bei Chemnitz ausgestellt. Und die Anzugträger mit den Narrenhüten hatten 2018 einen Auftritt im Freizeitpark Maximilian in Hamm. Eine Gruppe schwedischer Geschäftsleute hatte Christel Lechner einst bei einer Silvesterfeier zu der Inszenierung mit dem Titel „Ernst des Lebens“ inspiriert.

Die Installation „Polonaise“ ist ein beliebtes Fotomotiv. Wer möchte, kann sich einreihen.
Anzugträger mit Narrenhütchen vor dem Eschborner Rathaus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Christel Lechner (r.) und Tochter Laura im Lechnerhof.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare