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Die Fassade des Rathaues wird saniert. Danach soll wieder Klinker draufkommen.

Stadtentwicklung

Kein neues Rathaus in Eschborn

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Das Parlament beschließt einen Architektenwettbewerb für Sanierung und Erweiterungsbau.

Soll das Eschborner Rathaus, das in Teilen aus den 1960er Jahren stammt, abgerissen und neugebaut werden? Oder kann man das Gebäude mit der markanten Klinkerfassade sanieren? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Stadtverordneten schon seit über zehn Jahren. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Auch in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments entbrannte dazu eine heftige Debatte.

Ex-Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) hatte einst einen Neubau des gesamten Komplexes Rathaus/Stadthalle präferiert. Bis zu 90 Millionen Euro sollte das Großprojekt kosten. Bei einem Bürgerentscheid im Jahr 2012 stimmte jedoch die Mehrheit der Wähler dafür, dass das Rathausgebäude stehen bleiben soll. Daran wolle er sich halten, sagte Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) im Parlament.

Nach Angaben aus dem Bauamt ist das Verwaltungsgebäude mittlerweile brandschutztechnisch so weit aufgerüstet, dass es uneingeschränkt genutzt werden kann. Vorgesehen ist jetzt eine technische und energetische Sanierung. Das Rathaus soll eine neue Fassade, neue Fenster und neue Dachflächen bekommen. Auch die Heizungsanlage, die Wasser- und Abwasserleitungen sowie Belüftung und Beleuchtung werden erneuert. Geplant ist außerdem ein Erweiterungsbau mit Platz für ein neues, barrierefreies Foyer, eine größere Stadtbücherei und ein neues Bürgerbüro. 7,5 Millionen Euro sind für die Rathauserweiterung veranschlagt.

Stadthalle wird abgerissen

SPD, Freie Wähler, FDP und Linke stimmten in der jüngsten Parlamentssitzung dafür, dass Architekten im Zuge eines Wettbewerbes Vorschläge für die Rathaussanierung und den Erweiterungsbau machen. CDU und Grüne waren dagegen.

Das Hauptargument beim Bürgerentscheid vor sechs Jahren sei der Erhalt der Klinkerfassade am Rathaus gewesen, sagte Frederic Schneider (CDU). Genau diese solle nun im Zuge der Sanierung abgenommen werden. „Das Rathaus wird also in Zukunft ohnehin nicht mehr so aussehen wie bisher. Da kann man es gleich neu bauen.“

Er vermisse ein vernünftiges Raumkonzept, sagte CDU-Fraktionschef Markus Depping. Moderne Verwaltungsbüros sollten über die bestmögliche Ausstattung verfügen. „Die gibt es im Rathaus auch in Zukunft nicht.“ Christdemokraten und Grüne befürchten zudem, dass die Sanierung des Rathauses, die aktuell mit rund elf Millionen Euro veranschlagt ist, am Ende deutlich teurer kommt. Ein Gutachten aus dem Jahr 2016 zeige klare Risiken auf, sagte Frederic Schneider.

Für sie handle es sich um eine „Kernsanierung“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Bärbel Grade. Das Rathaus werde am Ende nicht wiederzuerkennen sein. Das befürchtet auch der Vertreter der Bürgerlichen, Dietmar Jerger. Er warnte zudem vor einer Kostenexplosion und stimmte ebenfalls gegen die Rathaussanierung.

Unstrittig unter den Abgeordneten ist, dass die Eschborner Stadthalle abgerissen und neu gebaut werden soll. Ein Sonderbauausschuss, der in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 14 Mal getagt hat, hat dazu Vorgaben für die Architekten erarbeitet: Sie sollen eine Halle mit insgesamt 600 Sitzplätzen planen, mit Rängen mit versenkbarem Boden. Der Orchestergraben soll ebenfalls abgesenkt werden können. Und die neue Stadthalle soll eine bewegliche Leinwand mit Rückprojektionsmöglichkeit bekommen.

Zehn Millionen Euro wird der Neubau nach ersten Kalkulationen des Bauamts kosten, dazu kommen die Abbrucharbeiten für eine Million Euro sowie ein neues Parkdeck oder eine Tiefgarage für knapp vier Millionen Euro.

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