Nationalsozialismus

700 ermordete Kinder

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Kalmenhof in Idstein war Ort der Euthanasie. Das zeigt eine Studie. Nun können Bürger Mitreden.

In den Jahren 1941 bis 1945 war das Kalmenhaus-Krankenhaus ein Ort des Grauens. Die Nationalsozialisten hatten die in den 1920er Jahren als Isolierstation für das Behindertenheim Kalmenhof gebaute Einrichtung zur Euthanasie-Anstalt umfunktioniert. Rund 700 Jungen und Mädchen starben in der sogenannten Kinderfachabteilung, weil sie nicht in die menschenverachtende Ideologie der Nazis passten.

Der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) als heutiger Träger des Kalmenhofs „bedauert die Gräueltaten der Vorgängerinstitution“. Man werde „weiterhin alles unternehmen, um die Geschichte der nationalsozialistischen Morde weiter aufzuklären und sich für ein ehrenvolles und würdiges Gedenken der Opfer einsetzen“, heißt es in einem nun gefassten Beschluss des Verbandes.

Der LWV hatte den Kalmenhof 1953 übernommen. Im Jahr 2007 hatte er das Gebäude der ehemaligen „Kinderfachabteilung“ dem heutigen Vitos Rheingau übertragen, einer Tochter des Landeswohlfahrtsverbands. Es steht seit einiger Zeit leer.

Anlass des Beschlusses ist eine Studie, die die Geschichte des Kalmenhofs und der Gräberfelder um das ehemalige Krankenhaus beleuchtet hat. Sie hatte gezeigt, dass das Krankenhaus als Ganzes den Nationalsozialisten als Euthanasie-Einrichtung gedient hatte.

Angeregt hatte die Studie ein regionales Gremium von Experten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Der LWV unterstützt den Vorschlag dieses Gremiums, die Lage der Gräber der getöteten behinderten oder psychisch kranken Kinder genauer zu erkunden.

Am 1. April bieten Vitos Rheingau und die Stadt Idstein Interessierten die Möglichkeit, sich über den Kalmenhof zu informieren. Um 19 Uhr stellen dort die Autoren den Forschungsbericht vor, und es soll über Konsequenzen daraus beraten werden. Den Bericht gibt es im Internet unter vitos-rheingau.de.

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