1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Eppstein

Zweiter Versuch am Rotheberg

Erstellt:

Kommentare

Neuer Standort für umstrittenes Regenrückhaltebecken

Eppstein - Als vor Jahren über ein Regenrückhaltebecken oberhalb von Ehlhalten gestritten wurde, war dies mit dem Problem verbunden, dass die Bewohner am Ortsrand dies nicht so dicht an ihren Häusern sehen wollten. Weiter oben im Tal aber liegt ein FFH-Gebiet, eine Art Naturschutzgebiet, in dem ein solcher Damm nicht gebaut werden konnte. Also passierte nichts.

Jetzt steht das Thema des Hochwasserschutzes im gesamten Gewässersystem des Schwarzbaches wieder auf der Tagesordnung. Dazu wird ein Becken gehören, das oberhalb von Ehlhalten den Starkregen zurückhalten soll. Nach Auskunft des federführenden Abwasserverbandes liegt es weit genug weg vom Ortsrand, dass es die Anlieger nicht stört, aber noch nicht im Schutzgebiet. Warum ist man auf diesen Standort nicht schon vor Jahren gekommen?

Die Antwort auf diese Frage ist freilich nur noch für Historiker interessant. Eppstein wird sich, was das Thema Hochwasserschutz betrifft, vermutlich eher auf die Zukunft konzentrieren. Denn es stehen gleich mehrere Projekte dieser Art auf Eppsteiner Stadtgebiet oder in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Tagesordnung. Und es soll eben nicht wieder nur geplant und diskutiert werden. „Jetzt wollen wir mit der Umsetzung beginnen“, sagt Kriftels Bürgermeister Christian Seitz, der Vorsteher des zuständigen Abwasserverbandes Main-Taunus ist.

Becken fasst 220 000 Kubikmeter

„Jetzt“, das heißt nicht, dass in wenigen Wochen die Bagger rollen. Wenn die Verbandsversammlung den Vorschlägen des Vorstandes folgt, werden Aufträge vergeben, die notwendigen naturschutzrechtlichen Untersuchungen anzustellen und genehmigungsreife Planungen auszuarbeiten. Die Untersuchungen müssen alle Vegetationsperioden umfassen, also ein Jahr. Frühestens im Jahre 2024 könnten erste Bauarbeiten stattfinden.

Im Einzugsbereich des Schwarzbaches sollen zuerst zwei Becken realisiert werden, dann die anderen. Gleich zu Anfang geht es um ein Hochwasserschutzbecken im Gebiet Rotheberg, zwischen Ehlhalten und Schloßborn. Es handele sich um ein Wiesengelände, nicht um Wald, erläutert gegenüber dieser Zeitung Frank Göbel, technischer Geschäftsführer des Abwasserverbandes. Gleicht man dies mit der Landkarte ab, liegt das Becken bereits auf Schloßborner Gebiet.

Den Nutzen wird vor allem Ehlhalten haben. Das Becken kann 220 000 Kubikmeter Wasser fassen und ist damit das größte aller geplanten Becken. Notwendig wird der Bau eines 13 Meter hohen Dammes. Das klingt heftig, aber Göbel warnt vor falschen Vorstellungen. Man werde keine Betonmauer zu sehen bekommen, sondern einen begrünten Damm, der ähnlich aussieht wie ein Deich.

Erreicht werden soll mit dem Gesamtprogramm übrigens ein Schutz vor Hochwasserereignissen, die statistisch einmal in 20 Jahren vorkommen. Das ist erheblich ambitionierter als das frühere Programm, das lediglich vor dem sogenannten hundertjährigen Hochwasser schützen soll. Unter anderem die Hochwasserkatastrophe an der Ahr hat die Prioritäten neu gesetzt.

Die anderen Becken in Eppstein fallen kleiner aus. Der Damm in Ehlhalten wird etwas höher als fünf Meter, er soll 21 700 Kubikmeter Wasser zurückhalten können. Ein weiteres Becken soll im Tal zwischen Eppstein und Bremthal entstehen, mit einem Fassungsvermögen von 91 000 Kubikmetern und einem sieben Meter hohen Damm. Hier gibt es für die Planer die besondere Herausforderung, die Straße und die Bahnlinie berücksichtigen zu müssen - und auch einen Radweg, der derzeit geplant wird.

Die Kosten für diese drei Vorhaben werden auf zusammen 10,1 Millionen geschätzt.

Auch interessant

Kommentare