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So sieht die beleuchtete Burg Eppstein aus, und zwar jede Nacht.

Eppstein

Täglich neu im Vollmondglanz

  • vonJürgen Streicher
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Die Burg, das Wahrzeichen der Stadt Eppstein, wird jetzt von LED-Leuchten angestrahlt. Das kostet rund 140.000 Euro.

Wenn der Vollmond wie in diesen Nächten über Eppstein leuchtet, ist der Zauber der alten Burg mitten in der kleinen Stadt am größten. Wenn sein Glanz das alte Gemäuer umspielt und Träume vom Leben dort in alten Zeiten befördert. Wie ins Licht des Vollmondes getaucht, strahlt die Burg nun in jede Winternacht, sanft beleuchtet und doch klar definiert bis fast in die letzte Scharte. Mit weißem statt wie bisher mit gelben Licht. Die mittelalterlichen Mauerstrukturen treten im hellen Glanz deutlich hervor, jeder Stein scheint sichtbar. LED-Strahler komponieren die Beleuchtung des fast 1000 Jahre alten Gemäuers.

Machtsymbol

Um die Gründung der Burg rankt sich die Sage von Ritter Eppo, der hier Berta von Bremthal aus dem heutigen Nachbarort aus der Gefangenschaft eines Riesen befreit haben soll.

Die Burg könnte auch auf den Konradiner Graf Eberhard im 10. Jahrhundert zurückgehen. In Kurzform hat man ihn Eppo oder Ebbo genannt. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg 1122 als „Ebbensten“, also Ebbos Stein.

Eindrucksvoll allemal präsentiert sich der einstige Adelssitz als Machtsymbol der Herren von Eppstein, die im 13. Jahrhundert als Mainzer Erzbischöfe die Reichspolitik mitbestimmten. Viele der heutigen Befestigungsanlagen stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. jüs

Ob sie begeistert wären, die früheren Herren von Eppstein? Darüber, wie die heutigen Bewohner der kleinen Taunusstadt ihr Erbe in den Abend- und Nachtstunden in Szene setzen? Die Eppsteiner lieben ihre Burg und sie lassen sich den Erhalt des Erbes viel kosten. Und sind stets bemüht, das Wahrzeichen der Stadt mit Leben zu füllen. Mit Burgmuseum und Burgtheater, mit Ritterspielen und Open-Air-Kino im Sommer; spannend soll es sein dort oben über der Altstadt, für alle Altersgruppen. Und heimelig bis hin zu hellerleuchteten Adventsfenstern in der Vorweihnachtszeit hoch oben an der mächtigen Nordmauer .

Auch sie erstrahlt jetzt in neuem Licht. Ein Epigone der Herren von Eppstein, „Burgenpapst“ Joachim Zeune, wie sie ihn hier nennen, war anlässlich einer ersten Probebeleuchtung begeistert, heißt es beim wichtigen Burgverein Eppstein, der in die neue LED-Beleuchtung 140 000 Euro investiert hat. Zeunes Wort gilt, der Burgenforscher kennt hier jeden Stein und jeden Riss im Gemäuer. Viele Sanierungen hat er begleitet, zuletzt die Schäden im Westzwinger. Ein Seuchenjahr hätten es die früheren Herren von Eppstein genannt. Zuerst Corona, das fast alle Veranstaltungen gekippt hat, und dann noch der nagende Zahn der Zeit.

„Immer tiefer“ seien die Risse an der Zwingermauer geworden, berichtet Monika Rohde-Reith, Stadtarchivarin, Museumsleiterin auf der Burg, Stadtführerin mit Herzblut und engem Bezug zur Stadtgeschichte. „Richtig aufgeklafft“ waren die, aus Sicherungsgründen musste sogar eine Stützkonstruktion aus Holz angelegt werden. Und dann der Bergfried, gebröckelt hat’s da in der Mauer, kleine Steine sind runtergefallen, Zementmörtel aus den 70er-Jahren, heute würde man das anders machen. Um die 150 000 Euro hat die Stadt als Eigentümerin der Burg inklusive Hangsicherung in diesem Jahr an der Backe. „Die Stadt muss viel in ihre Burg stecken“, sagt Monika Rohde-Reith seufzend.

Da ist es für alle Akteure tatsächlich ein leuchtendes Projekt, was jetzt annähernd vollendet ist. „Eine tolle Sache, wenigstens das hingekriegt zu haben“, sagt Peter Arnold. Der frühere Vorsitzende des Burgvereins fungiert als Projektleiter Licht, das ist „mein Kind“, sagt er. Ein „Riesenprojekt des Burgvereins“, das so keiner erwartet hat, als die Idee geboren wurde. Alle Kabel mussten neu verlegt werden, mehrere Kilometer waren das am Ende und die Arbeit sehr aufwendig. Bei jeder Grabung waren Archäologen involviert und der Denkmalschutz hat mitgeredet. Die Beleuchtung in Vollmond-Qualität ist jetzt fast komplett, die Wege sind sicherer geworden, im Innenhof werden jetzt noch einige Nischen erhellt. Mit eingeschlossen ins Lichtkonzept ist die Talkirche unterhalb der Burg, auch sie wird jetzt von neuen LED-Leuchten ins rechte Licht gerückt. Schöner Nebeneffekt für die Stadt: Die Stromkosten können um 90 Prozent gesenkt werden. Und der Vollmondglanz ist ohnehin gratis.

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