Glasfaser

Nicht alle wollen superschnelles Internet

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In Niederjosbach, Vockenhausen und Ehlhalten startet die Deutsche Glasfaser jetzt den Ausbau des Glasfasernetzes. In der Eppsteiner   Kernstadt war das Interesse an Surfen mit Lichtgeschwindigkeit zu gering.  

Der Werbeaufwand, den die Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser seit Ende letzten Jahres betrieben hatte, war gewaltig. Auf Plakaten in ganz Eppstein kündigte das Unternehmen zunächst „etwas Großes“ an. Später wurde der Glasfasernetz-Anbieter konkreter und stellte in Aussicht, Eppstein könnte eine der ersten Gigabit-Städte in Hessen werden. Für alle Privathaushalte sollte der Anschluss an superschnelles Internet mit Übertragungsraten von bis zu 1000 Megabit möglich werden. Damit würde die 14 000-Einwohner-Kommune jede Millionenstadt überholen, hieß es.

Wieviel Geld die Deutsche Glasfaser in die Kampagne gesteckt hat, wollte Projektleiter Mirko Tanjsek im Gespräch mit der FR nicht verraten. Er räumte allerdings ein, dass es nicht ganz so einfach war wie erhofft, die Eppsteiner davon zu überzeugen, bei dem Projekt mitzumachen.

Bis Ende März 2019 war zunächst die Phase der „Nachfragebündelung“ geplant. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten sich mindestens 40 Prozent der Haushalte für einen Glasfaser-Anschluss entscheiden und Zwei-Jahres-Verträge mit der Deutschen Glasfaser abschließen – zu marktüblichen Konditionen und ohne Kosten für die Netzinfrastruktur, für die üblicherweise mehr als 700 Euro fällig werden.

Deutsche Glasfaser Die Unternehmensgruppeplant, baut und betreibt Glasfaser-Direktanschlüsse für Privathaushalte und Unternehmen und engagiert sich speziell in ländlichen Regionen. Hauptsitz ist in Borken (Nordrhein-Westfalen).

Seit 2018ist die Deutsche Glasfaser nach eigenen Angaben bundesweit Marktführer mit den meisten Vertragskunden. 1,5 Milliarden Euro stehen für den Ausbau von einer Million Anschlüssen als Kapital bereit. aro

Einzig im Stadtteil Niederjosbach klappte das auf Anhieb problemlos. In Ehlhalten und Vockenhausen wurde nach einer Fristverlängerung schließlich auch die 40-Prozent-Hürde überschritten. In der Kernstadt allerdings wollten nicht mal 30 Prozent der Bürger mit Lichtgeschwindigkeit surfen, wie die Deutsche Glasfaser in ihrer Kampagne versprochen hatte.

Das Glasfasernetz werde deshalb in den Straßen rund um die historische Burg nicht ausgebaut, kündigte das Unternehmen an. Der Stadtteil Bremthal ist zweigeteilt. Im Norden, wo sich auch die großen Gewerbegebiete befinden, gibt es künftig superschnelles Internet. Im Süden sei das Interesse der Privathaushalte zu gering gewesen“, sagt Mirko Tanjsek. „Dort bauen wird erst mal nicht aus.“

Warum nicht mehr Eppsteiner auf den Gigabit-Zug aufspringen wollten, darüber kann auch der Projektleiter nur spekulieren. Generell seien vor allem Familien mit Kindern und Menschen mittleren Alters an besonders schnellen Internetverbindung im eigenen Heim interessiert, berichtete er. Deshalb habe es mit der Nachfragebündelung in Niederjosbach, wo mit dem Hollergewann erst kürzlich ein großes Neubaugebiet besiedelt wurde, problemlos geklappt. In der Eppsteiner Kernstadt hingegen seien mehr ältere Menschen zu Hause. „Die sind da eher zögerlich.“

Laut Projektleiter Mirko Tanjsek beginnt jetzt die Planungsphase für den Glasfaser-Ausbau in Niederjosbach, Ehlhalten und Vockenhausen sowie im Norden Bremthals. Pro Stadtteil wird eine Technikstation als zentraler Knotenpunkt gebaut, von dem aus die Glasfaserstränge in die einzelnen Straßenzüge geführt werden. Verteilerstationen werden unterirdisch verlegt. Ehe die Tiefbauarbeiten beginnen, werden die Bürger informiert. Bis Herbst 2020 soll das Highspeed-Internet in Eppstein laufen.

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