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Justiz

Gericht sieht Schüsse nicht als Tierquälerei

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Katze Kitty Fussel wird von Luftgewehrkugeln getroffen. Wegen Sachbeschädigung hat das Landgericht Frankfurt den Nachbarn aus Eppstein jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.

Es war der Nachbar Peter R., heute 52 Jahre alt und damals Lufthansapilot. Der hatte sich schon kurz nach seinem Einzug Ende 2012 in das Nachbarhaus von Alexandra B. in Eppstein über deren altersschwachen und inkontinenten Hund Minou geärgert, der in B.s Garten seine vollendeten Geschäfte rituell mit einem lauten „Wuff“ abschloss. R.s Vorschlag an B., sie solle doch bitte ihrer Töle „beim Scheißen das Maul zuhalten“, beendete die anfangs gutnachbarschaftliche Atmosphäre.

Kurz darauf fand ein Tierarzt im Körper von Minou ein Luftgewehrprojektil der Marke Diablo. Schnell fiel der Verdacht auf R., hatte doch eine Nachbarin beobachtet, wie von R.s Balkon aus mit einem Laserpointer auf Minou gezielt worden war – und R. besaß ein Luftgewehr mit Laser. Auch die drei Kugeln, die später im Fleisch von Katze Yentl gefunden wurden, wurden R. zugerechnet. Doch den Beweis lieferte erst eine Kugel, die vorsichtig aus Katze Kitty Fussel herausoperiert wurde. Ein Spezialist des Landeskriminalamts – derselbe, der auch im Mordfall Lübcke als Gutachter auftritt – stellte eindeutig fest, dass das Projektil aus R.s konfisziertem Luftgewehr abgefeuert worden war.

Gegen einen Strafbefehl von 50 Tagessätzen à 200 Euro hatte R. Einspruch eingelegt. Das Amtsgericht Königstein hatte ihn daraufhin im Februar 2020 wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu 70 Tagessätzen à 230 Euro verurteilt. R. ging in Berufung.

Verteidiger sieht noch nicht einmal Sachbeschädigung

Vor dem Frankfurter Landgericht löst sich der Vorwurf der Tierquälerei in Rauch auf. Laut einem Gutachten stünde nicht fest, dass die beiden Kugeln Kitty Fussel die für den Straftatbestand unabdingbaren „erheblichen Schmerzen“ bereitet hätte. R.s Verteidiger sieht noch nicht einmal eine Sachbeschädigung – strafrechtlich gelten Tiere nach wie vor als Sachen. Für eine Sachbeschädigung aber gelte, so der Jurist, dass „die Brauchbarkeit eines Gegenstands durch die Beschädigung verringert oder zerstört“ wird. „Die Brauchbarkeit eines Tieres ist dann zerstört, wenn es tot ist“, so die These des Anwalts. Kitty Fussel aber habe überlebt und daher nichts von ihrer Brauchbarkeit eingebüßt.

Mit einem Luftgewehr auf Katzen zu schießen, schlussfolgert der Advokat, könne daher niemals Tierquälerei sein. Als glücklicher Besitzer eines Jagdscheines schieße er selbst seit 40 Jahren auf Tiere und wisse, dass man mit Luftgewehrkugeln „nicht mal eine Elster vom Baum holen kann“. Das ist der Kammer dann doch zu doof, sie verurteilt R., der wie schon am Amtsgericht Königstein wegen einer nicht attestierten Erkrankung fehlt, in Abwesenheit wenigstens wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 65 Euro.

Dass die Tagessatzhöhe niedriger ausfällt, kann man auch als Nebenwirkung einer höheren Gerechtigkeit sehen. Durch die ganze Prozesshuberei, verrät der Anwalt, sei sein Mandant, der wohl „ein wenig zartbesaitet“ sei, so traumatisiert, dass er sich habe flugunfähig schreiben lassen. Nach einem halben Jahr habe die Lufthansa die Faxen dicke gehabt und ihn rausgeschmissen. Jetzt lebe R. von einer kargen Berufsunfähigkeitsrente von knapp 3000 Euro im Monat, „seine Existenz ist ruiniert“.

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