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Kastanie ohne Vorwarnung gefällt

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Die mächtige Kastanie war prägend am Eppsteiner Bahnhofsgebäude. Privat
Die mächtige Kastanie war prägend am Eppsteiner Bahnhofsgebäude. Privat © Orth

Bahnhofs-Wirt in Eppstein ist sauer. Bahn sieht Sicherheit gefährdet, Kreis stimmt zu.

Nirgendwo sitzen Besucher im Hochsommer lieber als unter einem großen, schattigen Baum. In Eppstein gibt es nun allerdings eine Gelegenheit weniger dafür. Die Bahn nämlich hat die große Kastanie gefällt, die am Bahnhof auf der Außenfläche der Gaststätte „Wunderbar Weite Welt“ stand. Mit Einverständnis der Unteren Naturschutzbehörde, und sehr zum Ärger von Gaststätten-Wirt Ralf Otto.

„Ich traute meinen Augen nicht, als ich aus der Altstadt kommend zum Bahnhof blickte und die alte Kastanie vor dem Gebäude weg war“, schildert Otto seine erste Reaktion. Und er sei da nicht der einzige gewesen. „Hier sind alle fassungslos“, sagt der Gastronom. „Jeder hat den Baum geliebt.“ Und: Seit 2004 gebe es eine gute Zusammenarbeit mit Stadt und Bahn im Zusammenhang mit dem Bahnhof. Jetzt aber wurde der Baum gefällt, ohne dass jemand im Rathaus oder auch in seinem Lokal informiert worden sei.

Die Bahn verteidigt die Aktion. Am Bahnhof seien Mitarbeiter unterwegs gewesen, um die Vegetation zu kontrollieren, und - wo notwendig - zurückzuschneiden, berichtet eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Einer der Mitarbeiter habe dann „flächendeckende und fortgeschrittene Fäulnis“ entdeckt. Da mögliche Astabbrüche zu Personenschäden hätten führen können, „haben wir den kranken Baum auf unserem Gelände zeitnah gefällt“, heißt es weiter aus der Pressestelle des Konzerns. Mit anderen Worten: Nach Einschätzung der Bahn stellte der Baum ein Sicherheitsrisiko dar.

„Flächendeckende Fäulnis“ der Grund

Zuständig ist das Verkehrsunternehmen, weil das Bahnhofsgebäude einst zwar an die Stadt verkauft wurde, das Außengelände aber im Besitz der Bahn geblieben ist. Das Unternehmen weist auch Ottos Verdacht zurück, ein nicht qualifizierter Bahn-Mitarbeiter habe über den Baum entschieden. Der Betreffende sei als Kontrolleur von der Forschungsgesellschaft Landschaftsbau zertifiziert, sagt die Sprecherin.

Auch der Main-Taunus-Kreis hat sich auf dessen Expertise offenbar verlassen. Die Untere Naturschutzbehörde habe keine Einwände gehabt, weil die Sicherheit des Verkehrs und von Menschen gefährdet gewesen sei, so Johannes Latsch, Kreis-Pressesprecher. Die Standsicherheit des Baumes sei nicht mehr gewährleistet gewesen. In solchen Fällen müsse von der Naturschutzbehörde keine Genehmigung mehr eingeholt werden.

Otto traut dem Ganzen nicht so recht. Die faulen Stellen seien schon vor einigen Jahren sichtbar gewesen, sagt er und fragt sich, warum dann der Baum nicht schon früher fallen musste. Er hätte gerne ein Fachgutachten über den Zustand der Kastanie gehabt. In schriftlicher Form scheint es ein solches aber nicht zu geben. Offensichtlich sei der Hergang eher so gewesen, dass die Männer mit den Kettensägen sehr schnell angerückt sind, nachdem die Faulstellen gefunden wurden.

Wirt sucht Gespräch mit Bahn und Politik

Wie Otto weiter berichtet, soll es demnächst ein Treffen mit der Bahn geben, auch um über eine Nachpflanzung zu sprechen. Er will die Eppsteiner Politik kontaktieren. Die hat es nach seiner Einschätzung nämlich versäumt, eine Baumschutzsatzung zu erlassen. Eine solche hätte womöglich verhindert, dass so schnell kurzer Prozess gemacht wurde.

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