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Burgenforscher Joachim Zeune hat den Riss in der Eppsteiner Zwingermauer vermessen. 

Eppstein

Eppstein: Tiefer Riss in der Burgmauer

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Forscher haben gravierende Bauschäden am Westzwinger der Eppsteiner Burg entdeckt. Weil Einsturzbefahr besteht, bleibt das beliebte Ausflugziel im Taunus erst mal geschlossen.

Auch wenn die Vorschriften im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mittlerweile gelockert wurden – die Eppsteiner Burg bleibt weiterhin geschlossen. Das hat nicht nur mit dem Sicherheitskonzept für das Ausflugziel im Taunus zu tun, an dem die Stadt noch feilt, sondern vor allem mit einem Riss in der Mauer des Westzwingers, den Experten entdeckt haben. Das instabil gewordene Mauerwerk könnte einstürzen und Fußgänger, die den Westaufstieg zur Burg nutzen, verletzen, sagte Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon (CDU) im Gespräch mit der FR.

„Wir müssen Vorkehrungen treffen, um die Zwingermauer zu stützen – etwa durch ein Gerüst oder durch Einhausung des Weges. Erst danach können wir die Burg wieder öffnen.“

Erste Rissbildungen an der Zwingermauer hatten Mitarbeiter des Büros für Burgenforschung bereits 2018 entdeckt. Mit Hilfe von Gipsplomben wollten die Forscher feststellen, ob sich die Risse weiter öffnen. Das taten sie, nach einem Jahr waren alle Plomben abgeplatzt. Man habe daraufhin beschlossen, die Risse durch eine archäologische Grabung bis auf den gewachsenen Fels zu verfolgen, berichtete Simon.

Im April wurden die Arbeiten durchgeführt, die Innenseite der Zwingermauer wurde über vier Meter tief freigelegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Bauschäden wesentlich gravierender und komplexer sind als zunächst angenommen. Die Mauer am Westzwinger habe sich nicht nur um 70 Zentimeter nach außen geneigt, sondern dabei in einer Drehbewegung auch noch einen Pfeiler auseinandergerissen, so dass in diesem jetzt ein tiefer, breiter Riss klaffe, heißt es im Bericht von Joachim Zeune. Der Burgenforscher stellt fest: „Für einen keilförmigen Abschnitt der Mauer besteht noch immer akute Einsturzgefahr.“

Verursacht wurde der Bauschaden vermutlich durch Schutt, den der erste Burgarchitekt, Franz Burkhard, in den frühen 1920er Jahren aus dem Terrassengarten über die Nordmauer in den Zwinger hatte kippen lassen. Dass sich das Mauerwerk 100 Jahre später neigte und Risse bekam, könnte mit dem schlecht auf dem Fels gegründeten Fundament zu tun haben, vermuten die Forscher.

Mittlerweile wurde ein dreidimensionales Aufmaß des beschädigten Mauerabschnittes angefertigt. Gemeinsam mit einen Statiker soll ein Sicherungskonzept entwickelt werden. Die Kosten für die Sanierung könne die Stadt nicht alleine tragen, sagte Bürgermeister Simon der FR. „Da hoffe ich auf Förderungen von Bund und Land.“

Ein Gutes haben die aufwendigen Grabungsarbeiten an der Zwingermauer am Ende auch gehabt: Am Fuße der Mauer fanden die Archäologen eine später vermauerte Türnische mitsamt Treppe und einen Pfeiler, der zu einer überwölbten Rampe gehörte, die von der Hauptburg in den Zwinger führte. Die Rampe dürfte um 1400 errichtet worden sein. Sie diente unter anderem zum Transport von Geschützen und Hakenbüchsen in den tiefer gelegenen Teil der Burg.

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