Die Postkartenansicht vom Eppsteiner Kaisertempel soll erhalten bleiben.
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Die Postkartenansicht vom Eppsteiner Kaisertempel soll erhalten bleiben.

Eppstein

Eppstein: Protest gegen Windräder

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die Parlamentarier in Eppstein sehen die historischen Blickachsen in Gefahr, wenn im Wald bei Bremthal Rotoren gebaut werden. Sie fordern deshalb die Streichung der Teilfläche.

Vor zwei Jahren standen Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon (CDU) und die Vorsitzenden von Verschönerungs- und Burgverein fotowirksam auf der Aussichtsplattform am Kaisertempel. Der Rathauschef hielt damals einen selbstgezimmerten Bilderrahmen vor das imposante Panorama mit mittelalterlicher Burgruine, Bergpark Villa und Fachwerkaltstadt. Simon wollte damit demonstrieren, welchen Schaden bis zu 300 Meter hohe Windräder im Wald bei Bremthal anrichten würden. Dem Einspruch der Stadt wurde daraufhin stattgegeben, im Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalen Flächennutzungsplans ist ein Teil des ursprünglich als Vorrangfläche für Windenergie gekennzeichneten Areals 3003 weggefallen.

Zwei weitere Teilgebiete auf Hofheimer Gemarkung sind im ersten Änderungsverfahren zum Teilplan allerdings weiterhin enthalten. „Wir sehen das kritisch“, sagt Bürgermeister Simon. Beim Ausblick vom Kaisertempel handele es sich um einen Rundum- und Panoramablick – nicht nur nach Westen und Nordwesten über Burg und Stadtanlage, sondern auch ins Lorsbachtal und über den Judenkopf hinweg Richtung Langenhain und Wiesbaden. Diese in die Breite gefächerten historische Sichtachsen seien der Grund gewesen, warum der Kaisertempel 1894 an dieser Stelle errichtet wurde. „Durch die jetzt geplanten Windräder auf Hofheimer Gemarkung wäre der kilometerweite Panoramablick weiterhin stark eingeschränkt“, befürchtet Simon.

Stellungnahme ist bereits vorbereitet

Die Stadtverordneten sollen deshalb auch die Streichung der nördlichen Teilfläche im Vorranggebiet 3003 fordern. Eine entsprechende Stellungnahme ist bereits vorbereitet. Die Errichtung von Windenergieanlagen auf besagter Fläche verletze die natürliche Eigenart der Landschaft gravierend und sei für den Kaisertempel, die Burg und die mittelalterliche Eppsteiner Altstadt „grob unangemessen“, heißt es darin.

Die Rotoren würden von Kulturdenkmälern aus direkt gesehen beziehungsweise würden die Sicht darauf verstellen. Dass es sich beim Blick auf den Taunushauptkamm und nach Wiesbaden sowie auf die Eppsteiner Altstadt mit Burganlage um historische Sichtachsen und wertvolle Postkartenansichten handele, belegten alte Stiche, Gemälde und Zeichnungen.

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte bereits 2017 auf die „Raumwirksamkeit der Burg Eppstein“ hingewiesen. Die Anlage aus dem elften Jahrhundert mit dominierendem Bergfried sei überregional bedeutsam, stellten die Experten fest. Windkraftanlagen in einem Kilometer Entfernung führten zu einer Reduzierung des Denkmalwerts.

Gegen die beiden Windvorrangflächen bei Bremthal hat sich auch das Hofheimer Parlament ausgesprochen. Die Religionsfreiheit im Bahai-Tempel in Langenhain werde durch die Rotoren eingeschränkt, argumentierten die Lokalpolitiker der Kreisstadt.

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