In der Eppsteiner Altstadt ist beim Weihnachtsmarkt rund um die Burg viel los. 
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In der Eppsteiner Altstadt ist beim Weihnachtsmarkt rund um die Burg viel los. 

Eppstein

Eppstein: Frau Pfarrerin wirbt im Teigkleid

  • vonJürgen Streicher
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Weihnachtsmarkt in der kuscheligen Altstadt im Schatten der Burg lockt Tausende.

Am Weihnachtsmarkt, da ist die Talkirche“. Maja ist vier Jahre alt, ihre Antwort auf die Frage des Ortsfremden nach Weihnachtsmarkt und Talkirche ist klar. Das weiß in Eppstein jedes Kind, denn zur Eröffnung am späten Nachmittag sind alle auf dem Weg dorthin. Lichtbögen über der kopfsteingepflasterten Gasse aus Richtung Bahnhof, der schon jetzt keine Parkplätze mehr anbieten kann, weisen in die Altstadtmitte. An den zentralen Eingängen stehen statt Betonpollern und Sandsäcken Kleinlaster einer Gartenbaufirma quer auf der Straße.

Unterhalb der Burg ist der zentrale Platz des vorweihnachtlichen Leuchtens, hier tummeln sich Buden und Stände, mittendrin das Kinderkarussell, das ohne Musiklärm auskommt. Die kleine Kirche platzt aus allen Nähten, helle Kinderstimmen und Blockflötenklänge dringen über Lautsprecher nach draußen. Im Vorraum und in den hinteren Reihen auf der Empore erfreut die Live-Übertragung der Ereignisse am Altar auf den hochgehaltenen Handys der Vorderleute die Zuspätgekommenen.

Bengalische Beleuchtung

Wer gegen 18 Uhr kommt, ist schon fast spät, das Gedränge um die erleuchteten Buden wird von Minute zu Minute dichter. Für eine Brat- oder Rindswurst vom Galloway aus dem Vorort Niederjosbach muss man schon fünfzehn Meter anstehen. „So lecker, das lohnt sich“, sagt die Frau am aktuellen Ende der Schlange. Zu Fleisch transformiertes Gras und Heu von umliegenden Wiesen und Weiden biete viele gute Omega-3-Fettsäuren, heißt es.

Eher süß kommt die Pfarrerin der Talkirche daher. Als „Ungarischer Baumstriezel“ im maßgeschneiderten Teigkleid. Heike Schuffenhauer kann auch Marktschreierin. „Baumstriezel, superlecker, schmeckt wie ich aussehe.“ Mit dem Erlös aus dem Verkauf der rundgerollten süßen Teigfladen werden Projekte des Familienzentrums finanziert. „Eine Art Fundraising“, sagt die freundliche Pfarrerin.

Die den Ortskern dominierende Burg hoch über der Altstadt ist am Samstag leider geschlossen. Wird aber am Sonntag eingebunden mit kostenfreiem Museumsbesuch und Besteigung des Bergfrieds, am Abend mit bengalischer Beleuchtung durch die Eppsteiner Stadtwache als Höhepunkt, der im gesamten Talkessel und von den umliegenden Hügeln zu sehen ist.

Attraktion im Streichelzoo von Hans-Jürgen Rhein aus Beerfelden: die kleinwüchsige Kuh aus dem Odenwald.

Auf halbe Höhe können die Besucher am Samstag auf dunklen Pfaden stapfen und hinunter schauen auf das bunte Gewusel und fröhliche Gewimmel in den Altstadtgassen rund um Burg und Kirche. „So muss Weihnachtsmarkt sein“, murmelt ein älterer Herr vor sich hin. Ganz hinten, am Ende des Prospekts, fährt gerade die S-Bahn im Bahnhof Eppstein ein. Sie komplettiert das Bild der Eisenbahn-Landschaft zur Weihnachtszeit aus Kindertagen.

Im von jungen Künstlern aus dem Ort gestalteten doppelten Adventsfenster an der Westwand der Burgmauern leuchten ein Weihnachtsmann und eine Weihnachtsmaus, unten in der Wooganlage tummeln sich Ochs und Esel, Ziegen und Schafe auf Holzschnitzel-Belag hinter Gattern. Pfadfinder und –innen haben sich in einem Zelt zur „Lebenden Krippe“ formiert, nur das Christkind ist eine Puppe.

Der Bürgermeister am Stand daneben mit dem frisch gebackenen Raclette-Brot in der Hand ist echt und Pfarrerin Heike Schuffenhauer geht am frühen Abend bei der Werbung für den Baumstriezel voll in die Offensive. „Lecker Baumstriezel, mich kann man essen, ich schmecke lecker.“

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