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Bewährungsstrafe

Brandstiftung zuTrainingszwecken

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Torsten P. steckt in Eppstein Mülltonnen in Brand. Damit der Feuerwehrnachwuchs auch einmal zu einem Einsatz kommt, wie er vor Gericht eingesteht.

Man kann Torsten P. mit Sicherheit einiges nachsagen, aber eines nicht: niedere Beweggründe. Das ehemalige Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Eppstein steht am Donnerstag vor dem Frankfurter Amtsgericht, weil er 2016 mindestens sechs Mülltonnen in Brand gesteckt hat. Menschen wurden nicht verletzt, der Schaden aber geht deutlich in den fünfstelligen Bereich.

Es sei nicht die Freude am Zündeln gewesen, beteuert P. auf der Anklagebank, sondern das Mitleid mit dem Feuerwehrnachwuchs. Der hätte immer nur die graue Theorie gebüffelt – „ich wollte, dass die das auch einmal einsetzen können“. Die Junioren hätten „immer nur von den anderen Feuerwehren gehört“, dass es in den Nachbarkommunen die tollsten Brandserien gebe – nur in Eppstein wollte partout nichts in Flammen aufgehen. „Warum haben wir so was nicht?“, hätten die Jungen gemault. Da habe er gehandelt – „so lernen die’s halt“. „Ich wollte keine Gebäude niederbrennen, Existenzen vernichten oder ein Riesen-Inferno entfachen“, versichert P., dem aber auch Selbstkritik nicht fremd ist: „Wenn mich heute einer fragen würde ,Waren Sie ein guter Feuerwehrmann?‘, dann würde ich sagen: ,Nein!‘“ Fragt aber keiner.

Man kann dem heute 34 Jahre alten P. aber auch nicht nachsagen, dass er sich besonders schlau angestellt hätte. Zu seiner letzten Brandstiftung – mehrere Mülltonnen auf einem Parkdeck und eine bei einer städtischen Kita – fuhr der damals für die Stadt hauptberuflich als Hausmeister arbeitende P. im Dienstwagen vor, auf dem gut sichtbar das Stadtwappen prangte. Zeugen hatten beobachtet, wie er vom Brandort wegfuhr, die brennenden Mülltonnen auf dem Parkdeck gelöscht– und Bauklötze gestaunt, als Mann und Auto wieder am Brandort auftauchten, noch während sie ihre Aussage bei der Polizei machten. Ob P. damals als Feuerwehrmann, Hausmeister oder Privatperson an den Tatort zurückkehrte, das kann auch am Donnerstag nicht restlos aufgeklärt werden.

Am Ende eines langen Verhandlungstages verurteilt das Amtsgericht P. zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Ihm kommt dabei sein tadelloses Nachtatverhalten zugute – einmal von der Polizei gestellt, sprudelte es förmlich aus ihm heraus und er gab Brandstiftungen zu, die ihm nur schwer nachzuweisen gewesen wären. Zudem ist er gestraft genug: Sein Hobby hat der Mann, der im Alter von zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten war, aufgeben müssen. Seinen Job als Hausmeister hat er verloren. Der Bürgermeister von Eppstein hat ihn höchstpersönlich ausgeschimpft. Er ist umgezogen und lebt heute in einem Kaff, in dem noch weniger brennt als in Eppstein. Und ein stattlicher Teil seines ohnehin kargen Gehalts als Auslieferer für einen Supermarkt wird von Versicherungen gepfändet.

Immerhin: Die Sauferei hat er aufgegeben. Denn Alkohol war immer im Spiel, wenn er auf die Schnapsidee mit den Brandstiftungen kam: „Ohne Alkohol hätte ich gar nicht den Mumm dazu gehabt.“

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