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Das Album aus dem Jahr 1936.

Fotoalbum

Bilder der Eppsteiner Burgfestspiele 1936

  • Kerstin Klamroth
    vonKerstin Klamroth
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Ein Fotoalbum wandert aus dem Familienbesitz ins Stadtmuseum. Und ergänzt dort den Bestand aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Das Eppsteiner Burgmuseum ist um einen Schatz reicher. Aus dem Familienbesitz des Frankisch-Crumbacher Pfarrers Thomas Worch stammt ein Fotoalbum mit Aufnahmen der Burgfestspiele von 1936. Dieses hat er jetzt dem Burgmuseum vermacht, teilt die Stadtverwaltung mit.

Das Büchlein enthält 15 Schwarz-weiß-Fotos, die am 13. Juni 1936 bei der Generalprobe der Grillparzer-Komödie „Weh dem, der lügt“ geschossen wurden. Das Stück führte damals die Hessen-Nassauische Volksbühne aus Wiesbaden im Burghof auf, schwärmt Museumleiterin Monika Rohde-Reith.

Ein Plakat zur Aufführung.

Den Laienschauspielern war es damals versagt, auf ihrer Burgbühne selbst zu spielen, schildert Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith. Nur Berufsensembles durften auftreten, und die Stücke waren streng zensiert. Daher griff man in Eppstein auf gängiges Repertoire zurück. Erwünscht waren heitere Unterhaltung, vom Deutschtum geprägte Volksstücke und alte Klassiker, so Rhode-Reith. Julius Theurer, der Urgroßonkel von Pfarrer Worch, hat hier wohl Regie geführt. „Er musste sich und seine Familie mit Auftragsarbeiten über Wasser halten, da sein Tourneetheater, die ‚Südwestdeutsche Theatergesellschaft“, 1933 aufgelöst worden war. Ein Teil des Ensembles war jüdisch, zudem verlangte die neue Gesetzgebung die Zahlung von regelmäßigen Gehältern, was aber bei einer Wanderbühne nicht möglich war“, schreibt Pfarrer Worch dazu.

So hat es Julius Theurer mit einem Auftrag nach Eppstein verschlagen. Die Fotos dokumentieren das Ensemble im Bahnhof Wiesbaden und beim Aufstieg zur Burg. Im Burghof stehen einfache Bierbänke. Die Bühne, auf der die Generalprobe stattfindet, lag damals noch im Mainzer Hof. Hier sind die Schauspieler in Kostümen bei der Probe festgehalten und auch einige der Probe beiwohnende Zuschauer, darunter junge Männer vom Reichsarbeitsdienst, die vielleicht zur technischen Unterstützung eingesetzt waren. Das Fotoalbum ist nach Einschätzung von Rhode-Reith eine wertvolle Ergänzung des Bestandes zur Dokumentation der Burgfestspiele in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aus dieser Zeit gibt es im Burgmuseum einige Fotos und auch ein Originalplakat mit der Ankündigung des Stückes „Weh dem, der lügt“. Die Fotos können im Stadtarchiv angesehen werden.

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