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Trauriger Anblick: die Ruine der an Weihnachten 2006 abgebrannten Diskothek.

Rödermark

Ende für die Disco-Ruine in Rödermark

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Mit verschiedenen Bauprojekten soll Ober-Roden aufgewertet werden.

Dass das letzte Stündlein für die Ruine der ehemaligen Großdisco „Paramount Park“ geschlagen habe, war in den vergangenen Jahren oft zu hören. Nun aber geht es voran mit dem Gelände an der Kapellenstraße am Ortsausgang Ober-Roden. Am Mittwoch haben die Stadtverordneten einstimmig das Aufstellungsverfahren für den dortigen Bebauungsplan beschlossen.

Auf dem Gelände der 2006 abgebrannten Diskothek sowie der benachbarten Fußballhalle will das Rödermärker Unternehmen Frank Immobilien einen mehrflügeligen Gebäudekomplex mit rund 9600 Quadratmetern Fläche und dem Schwerpunkt Wohnen errichten. Als baurechtlich „urbanes Gebiet“ wird es nun entwickelt.

Denn dass die unansehnliche Ruine weg muss, ist in der Stadt unumstritten. Was dafür dort errichtet werden sollte, wurde jedoch jahrelang kontrovers diskutiert. Wohnbebauung, Gewerbeansiedlung oder ein Mischgebiet standen zur Diskussion.

Nun soll es ein „urbanes Gebiet“ werden, eine besondere baurechtliche Entwicklungsform. Bis zuletzt wurde am Mittwoch darum gerungen, was dort welchen Anteil einmal haben soll: Die SPD legte Wert auf geförderten Wohnraum, die FDP auf einen Gewerbeanteil von gut zehn Prozent. Eigentlich habe man das Areal als Gewerbefläche gesehen, sagt FDP-Chef Tobias Kruger, doch „damit sich endlich etwas auf dem Gelände bewegt, können wir auch mit zehn Prozent Gewerbe leben“.

Geförderter Wohnraum sei zwar wünschenswert, doch gerade dieses Vorhaben eigne sich nicht für die 20-Prozent-Quote, die sich die Stadt bei Bauprojekten gegeben habe, sagte Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne). „Es geht hier nicht um den Anteil von Gewerbe oder geförderten Wohnraum, sondern darum, dass die Disco-Ruine endlich weg kommt“, sagte CDU-Vorsitzender Michael Gensert, „solange das Ding da steht, wird sich im ganzen Gebiet auf Jahrzehnte nichts ändern.“

Die Entwicklung an der Kapellenstraße ist nur eines von mehreren Planungs- und Bauvorhaben, mit denen sich die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch befasst hat. Überwiegend einstimmig konnten gleich mehrere Vorhaben und Prüfvorschläge zur Verbesserung von Wohnen, Bauen und Verkehr für Rödermark auf den Weg gebracht werden. Größter Posten ist darunter das Vorhaben im Ortskern Ober-Roden, das vom Bund-Länder-Programm „Stadtumbau in Hessen“ gefördert wird. Im November 2017 wurde der Stadtteil in das Förderprogramm aufgenommen.

In zahlreichen Planungsgruppen und unter Bürgerbeteiligung wurde seitdem ein Konzept zur Aufwertung des Ortskerns erarbeitet. Da für die Förderung jedoch bestimmte Fristen zu wahren waren, musste die Stadt noch vor der Beschlussfassung durch die Stadtverordneten am Mittwoch diese beantragen. Etwaige Änderungen durch die Stadtverordneten wären jedoch vom Land berücksichtigt worden, sagte Kern.

Für dieses Jahr sind Projekte in Höhe von knapp 1,115 Millionen Euro vorgesehen. Dazu gehören etwa ein Beleuchtungskonzept für die Ortsmitte oder ein Anreizprogramm für Hauseigentümer zur Verschönerung ihrer Immobilien. In Machbarkeitsstudien sollen die Aufwertung der Liegenschaften Jägerhaus am Rathaus oder der Feuerwehr geprüft werden. Gerade die aktuelle Platzgestaltung vor dem Rathaus und der Kulturhalle wurde bei der Bürgerbeteiligung im vergangenen Jahr heftig kritisiert.

Urberach: Ortskern und Stadtgrün

Auch für den Stadtteil Urberach will sich die Stadt um Förderung durch Bund und Land für einen Umbau und eine Verschönerung bemühen. Mehrere Gebäude im Ortskern stehen zum Verkauf, darunter auch das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude des ehemaligen Gasthauses „Schützenhof“ in der Bahnhofstraße, ebenso wie das benachbarte Gebäude einer seit vielen Jahren geschlossenen Bäckerei. Die Stadt möchte die Grundstücke erwerben, um die Gebäude zu erhalten und den Ortskern aufzuwerten und zu beleben.

Urberach nimmt bereits an dem Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ teil, für 763 000 Euro können in diesem Jahr Projekte umgesetzt werden. Streitfall war hierbei das städtische Engagement für die Kinder- und Jugendfarm: Die Stadt übernimmt eine halbe Stelle für den Verein und möchte sich auch um den Erwerb eines Grundstücks für den Verein kümmern.

Der Verein leiste eine unverzichtbare Arbeit für die Stadt, hieß es dazu vom Magistrat. Die FDP lobte ebenfalls die Arbeit des Vereins. Die Partei fürchtet aber, mit dem Grunderwerb einen Präzedenzfall für andere Vereine zu schaffen. Die Projekte für das Jahr 2019 wurden dennoch mehrheitlich genehmigt.

Wohnungen „Südlich des Alten Seewegs“

„Einen Meilenstein“ nennt Bürgermeister Kern den Beschluss der Stadtverordneten, auf dem Gelände nahe des alten Gaswerks westlich der Ricarda-Huch-Straße das Wohngebiet „Südlich des Alten Seewegs“ zu errichten. Das Gelände beherbergte vor Jahren den Deutschen Schäferhundeverein, danach wurde das dort befindliche Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt.

In den kommenden Jahren soll dort auf 1,64 Hektar Fläche ein Wohngebiet entstehen. Mit der Hessischen Landgesellschaft hatte Rödermark bereits 2013 eine sogenannte Bodenbevorratungsvereinbarung geschlossen. Das vom Büro Planungsgruppe Darmstadt erarbeitete Konzept für das Wohngebiet sieht 62 Wohneinheiten vor: 29 Wohnungen sollen in Geschosswohnungsbau entstehen, für 33 Wohnungen sind Ein- oder Zweifamilienhäuser vorgesehen. In dem Wohngebiet soll die seit 2015 geltende Regelung, dass bei Bauvorhaben ein Anteil von 20 Prozent an gefördertem Wohnungsbau entstehen soll, Anwendung finden. Eventuell könnte auch ein Einkaufsmarkt dort entstehen.

Bahnübergang: Verkürzte Schließzeiten

Die S-Bahnstrecke teilt Ober-Roden. Da die Stadt sich beim Bau der S-Bahn gegen eine Tunnellösung wie andere Kommunen im Kreis entschieden hatte, gibt es oft lange Staus an der Bahnschranke durch den Ort. Wenn der Takt der S-Bahn wie geplant auf 15 Minuten erhöht wird, bliebe die Schranke nach Berechnungen der Stadtverwaltung 26 Minuten pro Stunde geschlossen. Mit einem interfraktionellen Antrag wurde der Magistrat ermächtigt, mit der Bahn über eine Verkürzung der Schließzeiten zu verhandeln, um so den Ortskern zu entlasten und für mehr Lebensqualität bei Anwohnern zu sorgen. Bereits im Bürgermeisterwahlkampf 2017 wurde eine Verringerung der Schließzeiten diskutiert.

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