1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis

Der Eisvogel fischt wieder

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Den Eisvogel im Blick: Ein junger Besucher bei der Nabu-Ausstellung im Wasserturm.
Den Eisvogel im Blick: Ein junger Besucher bei der Nabu-Ausstellung im Wasserturm. © FR/Schick

Im Wasserturm auf der Bad Sodener Wilhelmshöhe lernen Kinder den Vogel des Jahres kennen. Der Nabu eröffnet dort eine Ausstellung über den Eisvogel. Von Franziska Richter

Von FRANZISKA RICHTER

Philipp weiß Bescheid. "Das liegt an der Lichtbrechung", sagt der 12-Jährige. Er steht neben einem Modell im Bad Sodener Wasserturm. Es zeigt, wie der Eisvogel Fische jagt: Ein Rohr ist schräg über einem Wasserbottich mit Kieselsteinen und zwei Plastikfischen so aufgehängt, dass Philipp einen Fisch durch das Rohr sehen kann. Dann lässt er einen langen Stab durch das Rohr ins Wasser gleiten - er landet hinter dem Fisch. "So bekommt er ihn nicht", sagt Werner Rogel vom Nabu Bad Soden. "Er muss die Lichtbrechung im Wasser ausgleichen."

Der Eisvogel ist der Vogel des Jahrs 2009. Aus diesem Grund widmet ihm der Nabu im Wasserturm eine kleine Ausstellung. Bei eisiger Kälte erläutern Werner Rogel und Dieter Neumann den wenigen Besuchern, die 65 Stufen erklommen haben, die Besonderheiten des Tieres. Derer gibt es viele: So baut der Eisvogel keine Nester, sondern gräbt Höhlen von bis zu einem Meter in Lehmwände . Außerdem frisst er vorzugsweise kleine Fische und Kaulquappen.

Brüten in der Höhle

Das alles ist für Philipp nichts Neues: "Wir haben mal einen ausgestopften Eisvogel geschenkt bekommen", erzählt er. Außerdem sehe er oft Tierfilme, daher wisse er schon, dass der Eisvogel in Höhlen brüte. Vor ihm hängt ein Plakat, das Dieter Neumann für die jüngeren Besucher gestaltet hat. Es muss der Unterschied zwischen "Herrn und Frau Eisvogel" gefunden werden, es wird erklärt, wo der Eisvogel am liebsten sitzt und wie die Jungen gefüttert werden. "Der Schnabel bei der Frau Eisvogel ist unten rot, bei Herrn Eisvogel aber nicht", sagt Philipp und zeigt auf das Plakat.

Dieter Neumann gibt dem jungen Bad Sodener ein Blatt Papier, das "Eisvogel-Quiz". Philipp beugt sich über den Fragebogen und kreuzt Antworten an. "Wir haben in Brandenburg mal einen Eisvogel beim Fischen gesehen", sagt seine Mutter. Hier im Main-Taunus-Kreis habe sie allerdings noch keine beobachtet. Doch es gibt sie auch hier, weiß Dieter Neumann: an der Nidda zum Beispiel.

Der Mensch als Feind

"Der Eisvogel war schon 1973 einmal Vogel des Jahres, da war seine Population fast kaputt", sagt Neumann. Inzwischen habe sich das Tier mit dem blau schillernden Gefieder, dem langen Schnabel und dem orangefarbenen Bauch wieder recht gut erholt. Doch die größten Feinde seien noch immer die kanalisierten Bachläufe und der Mensch. "Der Eisvogel braucht saubere und naturnahe Gewässer", sagt Neumann. Daher hoffe der Nabu, dass wieder mehr Biotope geschaffen werden.

Seitdem der Wasserturm auf der Wilhelmshöhe in Bad Soden Mitte der Neunziger Jahre vom Nabu gepachtet wurde und von seinen Mitgliedern sowie mit Hilfe von Spendengeldern saniert wurde, wird der jeweilige Vogel des Jahres in einer Ausstellung vorgestellt. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Wasserturm zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet - mit Ausnahme der Monate April bis Juli. "Dann brüten die Turmfalken, für die wie hier auch einen Brutkasten haben", sagt Werner Rogel.

Philipp ist inzwischen an einem weiteren Modell stehengeblieben. Es zeigt, nach welchem Prinzip der Wasserturm funktioniert hat. Dieter Neumann ist zufrieden: "Es sind zwar wenige Besuche gekommen, aber alle, die da waren, waren sehr interessiert." Nicht nur Philipp.

Auch interessant

Kommentare