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Eingekreist von Einkaufszentren

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Das Laden-Sterben in Eddersheim ist exemplarisch für die Situation nicht nur im im Main-Taunus-Kreis. Und die Folgen für weniger mobile Menschen sind fatal.

Zumindest ist Eddersheim nicht allein. Was hier passiert,passiert auf diese Weise in zahlreichen Orten in Deutschland. Das ist zumindest die Erfahrung von Heiner Dippel vom Hessischen Einzelhändlerverband, der die Situation in dem Hattersheimer Stadtteil untersucht hat.

Eddersheim ist eingekreist von großen Einkaufszentren an den Rändern von Okriftel und in Weilbach. Genau in solchen Zentren decken sich die Menschen nach Dippels Erfahrung einmal pro Woche mit einem großen Versorgungseinkauf ein. Dadurch wird den kleineren Einzelhändlern vor Ort das Wasser abgegraben.

Die Folgen für die Bevölkerung sind fatal. "Wenn der letzte Laden schließt, sinkt der Wert der Immobilien um 20 Prozent", sagt Dippel. In besonderer Weise betroffen sind ältere Menschen und solche, die kein Auto haben. Sie sind auf die Nahversorgung in Eddersheim angewiesen. Mit der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Betroffenen steigen.

Entsprechend emotionsgeladen ist die Stimmung in dem Ort mit 5000 Einwohnern. Eine davon, Sigrid Weiss, hat rund 250 Unterschriften für einen neuen Lebensmittelmarkt gesammelt. Sie gehört zu den Mitgliedern eines neuen Arbeitskreises, der Möglichkeiten zu Ansiedelung von Einzelhändlern vor Ort ausloten soll.

Der Arbeitskreis ist ein Ergebnis aus einer Bürgerversammlung im September. Bürger und Stadt wollen sich Anfang November das erste Mal an einen Tisch setzen. "Wir suchen nach Ideen", sagt Marion Uhle-Fassing von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hattersheim. Einen Wochenmarkt hält sie für kurzfristig realisierbar. Eine Idee, die Weiss begrüßt.

Mittelfristig sucht die Stadt nach einem Gebäude oder Grundstück, auf dem ein neues Nahversorgungszentrum entstehen könnte. Hier könnten beispielsweise ein kleiner Frische-Markt, ein Café und Dienstleister angesiedelt werden. Für Sigrid Weiss ist das keine Lösung. "Ich wünsche mir einen Aldi, Penny oder Norma mit günstigen Preisen und guter Qualität nach Eddersheim". Heiner Dippel hält das für eine Illusion. "Die Strategie dieser Einzelhändler schließt aus, dass sie nach Eddersheim kommen", sagt er.

Ein Nahversorgungszentrum ist nach seiner Einschätzung der einzige realistische Weg für Eddersheim. Auch dass könne nur funktionieren, wenn die Bürger eine emotionale Bindung zu ihm aufnähmen. Hier müssten sie all das kaufen, was sie beim wöchentlichen Großeinkauf nicht nach Hause bringen. "Das müssen ihre Läden sein", sagt Dippel. (gf)

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