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Schinderhannes-Geschichten

Eine Freundin aus Langenhain

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Experte Mark Scheibe hält die meisten lokalen Schinderhannes-Geschichten für Räuberpistolen. Immerhin: Das Auftreten des Schinderhannes im Taunus ist für einige Wochen zwischen April 1800 und Mai 1802 belegt.

Ab sofort können Wanderer sich zwischen Kelkheim und dem Weiltal auf den Schinderhannes-Steig begeben. Doch was hat diese Strecke mit dem historischen Johannes Bückler zu tun, der 1803 im Alter von gerade einmal 24 Jahren als Räuber und Mörder in Mainz hingerichtet worden ist?

Was den Main-Taunus-Kreis angeht hat Mark Scheibe, Autor des Standardwerks „Schinderhannes – Räuberhauptmann, Pferdedieb, Nichtsnutz“, nur wenig Belastbares herausgefunden. Dabei gibt es auch in der hiesigen Gegend zahlreiche Erzählungen, in denen der Schinderhannes eine wichtige Rolle spielt.

Eine geht so: Ein Gastwirt beschwert sich bei dem Räuber, über den Fischbacher Pfarrer Backhaus, der den Ruppertshainer Bauern noch mehr Abgaben als den obligatorischen Zehnten abpresse. Der Schinderhannes reitet daraufhin nach Fischbach, zwingt den Pfarrer zur Herausgabe des Geldes und gibt es den Ruppertshainern zurück. Die sollen daraufhin aus Dankbarkeit eine Marienstatue gestiftet haben.

Die Statue steht immer noch in einer Nische der Gaststätte „Grüner Wald“, der Rest der Story jedoch dürfte frei erfunden sein – wie so viele andere auch, in denen der Schinderhannes als eine Art deutscher Robin Hood erscheint. „Überspitzt ausgedrückt, gab es damals den Erzählungen nach in fast jedem Ort im Taunus eine Scheune, in der Schinderhannes geschlafen und eine Wirtschaft, in der er gezecht hat“, schreibt Mark Scheibe in einem Beitrag für das aktuelle Main-Taunus-Jahrbuch.

Immerhin: Das Auftreten des Schinderhannes im Taunus ist für einige Wochen zwischen April 1800 und Mai 1802 belegt. Dabei hat er zumindest einmal den Weg von Flörsheim nach Schloßborn zurückgelegt, ist also aller Wahrscheinlichkeit an Kelkheim und Eppstein vorbeigekommen, wo der neue Schinderhannes-Steig beginnt. Und es kommt noch besser: Eine Weile war Johannes Bückler mit Catharina Pfeiffer liiert, einer jungen Frau aus Langenhain, mit der er unter dem Pseudonym Jakob Ofenloch per Kramwaren-Wagen und Esel, später mit einem Pferd, umherzog.

Es ist also anzunehmen, dass die beiden der Heimat Pfeiffers die ein oder andere Stippvisite abgestattet haben. Bekannt ist, dass er im November 1800 gemeinsam mit seiner Gefährtin in der Hasenmühle zwischen Schlossborn und Heftrich , einem damals beliebten Unterschlupf der Halbwelt, sein Winterquartier aufgeschlagen hatte. Dort versuchte er erfolglos, Mitglied in der Bande des damals weitaus bekannteren Abraham Picard, des „Königs der Mitternacht“, zu werden.

Allerdings: „Trotz der umfassenden Quellenlage ist kein Aufenthaltsort im heutigen Main-Taunus-Kreis belegt“, schreibt Scheibe. Übrigens: Den Namen „Schinderhannes“ verdankte Johannes Bückler dem Beruf seines Vaters, der Abdecker war.

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