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Eindrücke aus Auschwitz

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Irene Krell, Helga Kischlat  und Achim Lürtzener (v.l.)
Irene Krell, Helga Kischlat und Achim Lürtzener (v.l.) © rolf oeser

Neunzehn Schwalbacher aus drei Generationen haben die Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz besucht. Ihre Eindrücke sind jetzt in einer Ausstellung im Rat- und Bürgerhaus zu sehen.

Von Barbara Helfrich

"Wie gut, dass es meinen Fotoapparat gab. Hinter ihm konnte ich mich verstecken, wenn die Emotionen mich zu überwältigen drohten“, sagte ein Besucher nach dem ersten Tag im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz. Von „Hilflosigkeit“ und „spontaner Übelkeit“ berichteten andere, die im vorigen Herbst bei einer Gedenkstättenfahrt dabei waren, die das städtische Jugendbildungswerk und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis (cjz) organisiert haben. Beide Organisationen engagieren sich im „Arbeitskreis Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus“, den es seit 2000 gibt.

Neunzehn Menschen aus drei Generationen, zwischen 15 und 80 Jahre alt, fuhren mit nach Polen. Nach der Reise stellten sie eine Ausstellung zusammen, die unter dem Titel „Fragmente von Auschwitz“ noch bis zum 4.?Februar im Schwalbacher Rat- und Bürgerhaus zu sehen ist.

Viele Tränen vergossen

Neben ihren persönlichen Eindrücken werden Fakten präsentiert, die sie im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz recherchierten. Ein Thema sind Josef Mengeles Menschenversuche. Die vierjährigen Zwillinge Guido und Nina etwa nähte er am Rücken zusammen: „Ihre Wunden eiterten, sie schrien fast Tag und Nacht“, heißt es in einem Augenzeugenbericht, der in der Ausstellung nachzulesen ist.

„Es sind sehr viele Tränen geflossen“, berichtet Helga Kischlat, die zu den ältesten Teilnehmern der Fahrt gehörte und bei Kriegsende neun Jahre alt war. „Ich hatte auch so eine Haarschleife“, sagt sie beim Gang durch die Ausstellung mit Blick auf ein Schwarz-weiß-Foto, das niedlich ausstaffierte Zwillingsmädchen im Kleinkindalter zeigt. Auch sie fielen Mengele in die Hände.

Häftlingskunst und die Aufgaben der Sonderkommandos im Lager gehören zu den weiteren Themen, mit denen sich die Schwalbacher Gruppe beschäftigte. Schon beim Vorbereitungstreffen sei „eine große Zusammengehörigkeit“ entstanden, sagt Jugendbildungsreferent Achim Lürtzener, der das Projekt zusammen mit Irene Krell von der cjz begleitete. „Einer in der Gruppe hatte Holocaust-Opfer in der eigenen Familie. Das hat wie ein Türöffner gewirkt.“

Ergänzung zur Schule

Die jugendlichen Teilnehmer der Fahrt sind Schüler der Friedrich-Ebert- und der Albert-Einstein-Schule. Einige hätten sich zur Auschwitz-Fahrt vor allem entschlossen „weil das Thema nächstes Jahr in Geschichte dran kommt“, andere hätten sich schon vor der Reise für den Holocaust interessiert und Dokumentationen gesehen, so Lürtzener.

Eine Schülerin hat nach der Fahrt ein Bild gemalt, das drei Männer auf den Schienen zum Lager zeigt. Die Konturen der Figuren sind mit kleinen Perlen beklebt. „Vielleicht ist das Bild auch etwas fröhlicher geworden, als es sein sollte“, schreibt die Jugendliche dazu.

Fröhliche Momente gab es trotz aller Betroffenheit aber auch auf der Reise. Am letzten Abend hätten Jung und Alt zusammen gefeiert, gemeinsam Musik gehört, berichtet Helga Kischlat: „Das war ein Gefühl, als ob man den ganzen Tag nichts getrunken hat und dann endlich Wasser bekommt.“

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