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Eigentum verpflichtet

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Wohnhaus eines ehemaligen Hakenhofes in Liederbach
Wohnhaus eines ehemaligen Hakenhofes in Liederbach © Büro der Kreisorgane

Historische Gebäude stehen im Main-Taunus-Kreis manchmal Jahre lang leer - obwohl der Kreis für die Sanierung Zuschüsse zahlt.

Von Claudia Horkheimer

Ohne Verputz und innen total entkernt steht das Fachwerkhaus in der Propsteistraße 18 in Hattersheim nackt da. Das mehrgeschossige Gebäude mit Blick auf den Main und einem Grundstück von 832 Quadratmetern steht schon seit eineinhalb Jahren zum Verkauf. Doch obwohl es einige Interessenten gab, will es einfach niemand haben, denn es gilt als Kulturdenkmal und genießt einen besonderen Schutz. Inzwischen wurde sogar der Verkaufspreis auf 255000 Euro gesenkt. „Die Krux an der Sache sind die Auflagen des Denkmalamtes“, sagt Immobilienmaklerin Renate M. Amrhein, die das Objekt vermarktet, der Frankfurter Rundschau. Das ortsansässige Unternehmen hat hin und wieder denkmalgeschützte Objekte im Angebot. Je nach Anlage sei es für den Eigentümer leichter oder schwieriger, die Auflagen zu erfüllen.

„Auf irgendwelche Überraschungen stößt man immer“, sagt Regina Dörhöfer. Sie und ihr Mann kamen 2009 in den Genuss einer Förderung durch den Kreis, um eine 300 Jahre alte Hofreite im Zentrum von Flörsheim-Weilbach zu sanieren.

Denn damit solche Gebäude auf Dauer nicht verfallen, fördert der Main-Taunus-Kreis ihre Sanierung mit Zuschüssen und zwar mit zehn Prozent des denkmalpflegerischen Mehraufwands. Voraussetzung für die Beantragung des Zuschusses ist laut Teamleiterin Denkmalschutz, Astrid Heuschen, dass das Vorhaben mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt ist. In den vergangenen 30 Jahren hat der Kreis so mehr als 1000 Objekte mit rund 3,3 Millionen Euro gefördert. 2010 wurden zwölf sehr unterschiedliche Projekte mit insgesamt 29000 Euro im Kreis gefördert.

So wurde beispielsweise der um 1800 erbaute Weingutshof in der Hochheimer Kirchstraße 38 vom neuen Eigentümer saniert und im rückwärtigen Teil ein Restaurant eingerichtet.

In ein wahres Schmuckstück wurde das 1594 erbaute Wohnhaus des ehemaligen Hakenhofes in Liederbach-Niederhofheim verwandelt. Bis vor kurzem war die Fassade durch Platten verkleidet, die Fenster waren in der Vergangenheit unpassend vergrößert worden.

Ein gutes Beispiel für den „behutsamen Umgang mit einer Fassade“ findet sich nach Einschätzung des Landratsamts in der Frankfurter Straße 6 in Hochheim. Dort wurde ein aus den 1960er oder 1970er Jahren stammendes Schaufenster durch ein solches ersetzt, das den Bestimmungen des Denkmalschutzes entspricht.

Der Kreis unterstützte außerdem die Sanierung von Dächern einer 1770 errichteten Hofanlage in der Schlossstraße 9 in Flörsheim-Weilbach. Die Arbeiten am Wohnhaus seien abgeschlossen. „Solche Gebäude gehören zum historischen Erbe und verpflichten die Eigentümer dazu, sich um ihren Erhalt zu kümmern“, sagt Landrat Berthold Gall (CDU). Wer dort wohne, trage viel Verantwortung.

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