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Die dunkle Seite des Internets

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Beim Fachtag im Landratsamt werden Eltern und Lehrer sensibilisiert

Von Oliver Heil

„Wir zeigen Ihnen heute die dunkle Seite des Internets.“ Wolfgang Gores, im Polizeipräsidium Wiesbaden für Prävention zuständig, war bester Laune, als er die Menschen begrüßte, die der Einladung des Präventionsrats und des Vereins Bürger und Polizei gefolgt waren. Das lag nicht am Thema des Abends – „Internet – Fluch oder Segen für unsere Kinder?“ – sondern daran, dass er sich über einen randvollen Plenarsaal im Landratsamt freute und über vier hochmotivierte Referenten. Denen gelang das Kunststück, zu erschrecken, ohne dabei die Angst um die surfenden Kinder allzu groß werden zu lassen.

Die Frage nach Fluch oder Segen beantworteten alle vier Referenten mit einem klaren sowohl als auch. Die Geschichten und Bilder, die der Lehrer Günter Steppich und die Polizistin Petra Kain mitgebracht hatten, ließen aber keinen Zweifel daran, dass Eltern und Lehrer sich mit den dunklen Seiten beschäftigen müssen. Petra Kain zeigte Bildschirm-Ausdrucke von Pornoseiten und von Homepages mit Snuff-Videos – einem Genre, das authentische Ermordungen zum Thema hat. Oder von einer Seite, auf der sich junge Menschen – „die sind so fünfte, sechste Klasse“ – Tipps zum Ritzen ihrer Haut holen können. Kapitelüberschriften heißen da „Blutschrift“ oder „tiefer hinein“.

Welche Konsequenzen Cyber-Mobbing haben kann, machte Kain an einem realen Fall klar. Eine 13-Jährige habe ein Foto von sich, leicht bekleidet, ihrem Freund geschickt. „Und der hatte nichts besseres zu tun, als das ins Internet zu stellen.“ Das Mädchen habe daraufhin einen Selbstmordversuch begangen.

Solche Fälle seien inzwischen Alltag für die Polizei, erzählte Hofheims Polizeidirektor Jürgen Moog am Rande der Veranstaltung. „Wir hatten einen ähnlichen Fall vor Kurzem erst .“ Weder Eltern noch die Jugendlichen wüssten, dass die Weiterverbreitung solcher Fotos strafrechtlich verfolgt werde.

Konsequenzen haben auch die Tricks der sogenannten Underground Economy im Internet. Da würden unter anderem gehackte Kreditkarten-Nummern gehandelt, berichtete der Frankfurter Oberstaatsanwalt Rainer Franosch. Er sagte aber zur allgemeinen Überraschung: „Hier sind Jugendliche häufig auch Täter.“

Die Lösung für die Eltern könne nicht sein, dem Nachwuchs technisch voraus zu sein, befand Lehrer Günter Steppich kategorisch. „Das schaffen Sie nie.“ Und niemals solle man glauben, das eigene Kind würde sowas schon nicht machen. Er empfahl aber, nicht mit Verboten zu arbeiten. „Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder dann eben woanders ins Internet gehen.“ Stattdessen solle man sich informieren und mit den Kindern über die rechtlichen wie moralischen Konsequenzen, zum Beispiel von Cyber-Mobbing, sprechen. „Wenn die kapiert haben, was sie da machen, dann hören die damit ganz schnell wieder auf.“ Die beste Vorbeugung, insbesondere gegen Suchtgefahren, sagte der Kinder- und Jugendpsychiater Nawid Peseschkian, seien nicht Verbote, sondern eine starke Persönlichkeit und Eltern, die ein gutes Vorbild abgeben.

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