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"Dieses Rennen darf nicht sterben"

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Eschborn will das Nachfolge-Rennen von "Rund um den Henninger-Turm" mitfinanzieren.
Eschborn will das Nachfolge-Rennen von "Rund um den Henninger-Turm" mitfinanzieren. © ap

Aus seinem Gewerbesteuer-Füllhorn will Eschborn etwas an die Region abgeben. Warum ausgerechnet der umstrittene Radsport profitieren soll, erläutert Bürgermeister Speckhardt im FR-Interview.

Herr Speckhardt, fahren Sie eigentlich Fahrrad?

Ach Gott. Ich fahre kein Rennrad oder so. Ab und zu mal in der Freizeit.

Die Stadt Eschborn hat sich mit 150.000 Euro an dem ehemaligen Radrennen Rund um den Henninger Turm, das in diesem Jahr Eschborn-Frankfurt City Loop heißen wird, engagiert. Warum?

Weil wir der Meinung waren, dass speziell dieses Rennen nicht sterben sollte. Das ist eine sportliche Großveranstaltung, die wie keine zweite die Region mit der Stadt Frankfurt verbindet.

Aber es ist doch keine kommunale Aufgabe, ein Radrennen, an dem bislang auch Profis teilgenommen haben, zu veranstalten.

Es ist sicherlich keine kommunale Aufgabe, ein Radrennen zu organisieren - das ist richtig. Wenn man eine über die Region hinausgehende Wirkung erzielen will, muss eine Veranstaltung eine gewisse sportliche Qualität haben. Und dieses Rennen hat diese Qualität. Es ist eines der wichtigsten Radrennen in Deutschland. Der Schwerpunkt des künftigen Rennens wird auf dem Jugend- und Nachwuchsbereich liegen.

Jetzt ist aber gerade der Radsport wegen Dopings verrufen.

Die Dopingdiskussion ist da. Aber es ist doch die Frage, ob man deshalb überhaupt keinen Radsport mehr unterstützen soll. Aber dann habe ich auch Probleme mit anderen Sportarten oder den Olympischen Spielen. Wenn in Peking so kontrolliert worden wäre, wie heutzutage im Radsport, dann, das behaupte ich, hätten wir einiges Überraschendes erlebt. Der Radsport kontrolliert viel intensiver - und das ist auch richtig. Nur so hat er eine Chance. Die schwarzen Schafe müssen aussortiert werden. Es müssen doch die, die wirklich sauberen Sport machen wollen, die Chance bekommen, das beweisen zu können.

Die SPD hat in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung kritisiert, das Geld werde ohne jegliches Konzept ausgegeben.

Da steckt natürlich schon ein Konzept dahinter. Wichtigstes Ziel ist es, das Rennen zu erhalten. Zum anderen ist es wichtig, dass wir mit der Stadt Frankfurt gemeinsam ein Großereignis für die Region erhalten - das könnte man vielleicht auch noch weiter ausbauen, in anderen Bereichen. Was die Konzeption des Radrennens angeht, das ist nun wirklich nicht unsere Aufgabe. Dafür ist der Veranstalter Bernd Moss-Achenbach zuständig. Und ich finde, er hat eine gute Konzeption. Er bietet ein breites Angebot für die sportbegeisterten Menschen hier in der Region.

Jetzt hat die Linke kritisiert, dass das Geld besser für die Verbesserung des ganz normalen Radverkehrs in Eschborn angelegt wäre.

Das ist alles sehr populistisch. Klar, wenn ich Opposition bin, muss ich dagegen sein. Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die das gut finden. Und es ist ja nicht so, dass deswegen irgendwas in Eschborn fehlt am Radwegebau. Das Geld ist vernünftig ausgegeben für die Region, und in unserer Stadt muss trotzdem niemand leiden.

Versprechen Sie sich denn von dem Engagement einen Imagegewinn für Eschborn?

Dass das bei uns im Hintergrund auch eine Rolle gespielt hat, will ich ja gar nicht verhehlen. Wir können damit die Marke Eschborn damit transportieren und unseren Bekanntheitsgrad verbessern. Das ist wichtig, stand aber nicht im Vordergrund.

Bleiben wir beim Thema Sport. Die Stadt will mit dem Sportpark Arboretum ein neues Sportzentrum bauen. In Schwalbach gibt es eine Initiative, die dagegen ist. Wie geht es da weiter?

Das Verfahren läuft. Ich hatte ein Gespräch mit einem der Hauptinitiatoren, der mir gesagt hat, dass sie es nicht verhindern wollen, sondern dass ihnen nur einige Dinge nicht gefallen. Dann sage ich: okay, dass ist bei uns angekommen. Ich möchte nicht, dass der Sportpark insgesamt scheitert. Wir werden in den nächsten Tagen versuchen, wieder mit den Kritikern in Kontakt zu treten, um zu sehen, wie wir das gemeinsam hinbekommen können.

In Ihrer Ansprache beim Neujahrsempfang sagten Sie, dass Sie für Engagement in und für die Region - besonders mit Frankfurt - seien. Welche weiteren Projekte außer einem Radrennen könnte es geben?

Es gibt da schon Ideen. Für mich ist klar, dass sich Eschborn in der Region beteiligen muss. Hier geht es in erster Linie um den kulturellen Bereich. Es gibt schon Gespräche mit verschiedenen Institutionen in Frankfurt. Es wäre jetzt jedoch verfrüht, etwas Konkretes sagen zu wollen.

Hat das etwas mit dem stark kritisierten Umzug der Börse von Frankfurt nach Eschborn zu tun?

Nein. Dieses Thema habe ich schon länger im Kopf. Die Region profitiert schon sehr stark von Frankfurt. Es ist nur fair, wenn man als Stadt einen Teil zurückgibt. Darüber werden wir in den nächsten Monaten sehr ernsthaft diskutieren.

Interview: Ralf Munser

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