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Windräder würden den Ausblick vom Kaisertempel verschandeln, findet Alexander Simon (Mitte).

Windenergieanlagen in Eppstein

Widerstand gegen Windräder im Wald

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Bürger und Politiker protestieren in Eppstein gegen die Pläne des Regionalverbands, mitten im Wald bei Bremthal ein Vorranggebiet für Windenergieanlagen auszuweisen.

Vor wenigen Wochen hat es die Eppsteiner eiskalt erwischt. Bislang sei nie davon die Rede gewesen, dass auf städtischer Gemarkung Windräder gebaut werden sollten, sagte Bürgermeister Alexander Simon (CDU) gestern bei einer Pressekonferenz am Kaisertempel. Jetzt sei plötzlich eine Fläche mitten im Wald bei Bremthal im Teilplan erneuerbare Energien zum regionalen Flächennutzungsplan als Vorranggebiet für Windenergieanlagen gekennzeichnet. Der Entwurf, den das Regierungspräsidium Darmstadt für den Regionalverband ausgearbeitet hat, liegt zurzeit offen aus, Einwendungen können bis Anfang Juni eingereicht werden.

Die Stadt habe bereits eine Stellungsnahme ausgearbeitet, in der Windräder im Wald abgelehnt würden, sagte Simon. Der Magistrat habe sie beschlossen. „Aus unserer Sicht sind bei der Prüfung der Flächen grobe Fehler passiert.“ So gebe es weder Gutachten zur Windgeschwindigkeit im Wald bei Bremthal noch zum Artenschutz. Die Fläche, auf der die Windräder stehen sollten, grenze an ein Natura-2000-Gebiet, in dem unter anderem Rotmilane, Fledermäuse und Luchse lebten. „Dass die Windräder da nicht stören, kann ich mir nicht vorstellen.“

Nicht überall sei der Mindestabstand von einem Kilometer zur Wohnbebauung eingehalten. Außerdem stünden die Windanlagen in Bremthal keine 15 Kilometer von Flugsicherungsanlagen entfernt, wie vorgeschrieben.

Was die Eppsteiner aber ganz besonders umtreibt, ist die Zerstörung des Landschaftsbilds durch die Windkraftanlagen. „Es gibt historische Blickachsen in Eppstein – von der Burg und vom Kaisertempel zum Bergpark Villa Anna und in die nassauische Schweiz. Wenn 15 bis zu 300 Meter hohe Windräder aus dem Wald aufragen, wären sie unwiederbringlich verloren“, befürchtet der Vorsitzende des Burgvereins, Peter Arnold. Dass um die Burg der Herren von Eppstein kein Vier-Kilometer-Schutzradius gezogen worden sei, kann Arnold  nicht verstehen. „Bei den Burgen in Königstein, Kronberg oder in Wächtersbach ist das der Fall. Die Burg Eppstein ist ebenfalls ein Bauwerk von überregionaler Bedeutung.“

Um zu demonstrieren, wie sich der Ausblick vom 1894 erbauten Kaisertempel durch Windräder verändern würde, brachte Simon einen selbst gezimmerten Rahmen mit, den er vor das Panorama hielt. Mitten im Bild würden künftig die Rotoren aufragen, erläuterte er. „Wir wollen keine Windräder im Wald“, war auf den Holzleisten zu lesen. „Sie würden die großartige Aussicht fürchterlich verschandeln“, meint auch die Vorsitzende des Eppsteiner Verschönerungsvereins, Claudia Piontke.

Neben der Stadt haben auch Burgverein und Verschönerungsverein bereits negative Stellungnahmen gegen ein Windenergie-Vorranggebiet im Wald bei Bremthal abgegeben. Gleiches sollten möglichst viele Bürger tun, sagte Simon. Ein Muster, wie der Widerspruch formuliert werden könne, sei auf der städtischen Homepage abzurufen. Parallel sammelt die vor kurzem gegründete Initiative Pro Eppstein Unterschriften gegen die Pläne.

„Wenn es nach uns geht, werden an dieser Stelle nie Windräder stehen“, bekräftigte Simon. Er machte aber auch deutlich, dass die Stadt Eppstein dies nicht aus eigener Kraft verhindern könne. Denn die Eppsteiner Fläche gehört zur 40 Hektar großen Vorrangfläche 3003, zu der auch Areale in den Hofheimer Stadtteilen Lorsbach, Langenhain und Wildsachsen zählen. Mit Interesse wartet Eppstein deshalb auf die Stellungnahme der Stadt Hofheim zum Nutzungsplan. Ein Entwurf dazu soll am kommenden Montag Ortsbeiräten und Ausschussmitgliedern vorgestellt werden.

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