Adnan Shaikh feiert seinen Wahlsieg mit Parteifreunden. Links neben ihm seine Frau Susanne und Tochter Laura. Foto: Michael Schick

Eschborn

Brügermeisterwahl: Ein Skandal zuviel: CDU-Mann Shaikh siegt gegen Geiger

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Der Wahlabend im Eschborner Rathaus war spannend bis zuletzt. Am Ende stand fest: Amtsinhaber Mathias Geiger ist nach zahlreichen Skandalen abgewählt.

Die Spannung ist groß gestern Abend im Stadtverordnetensaal des Eschborner Rathauses. Und die Überraschung kündigt sich schon kurz nach 18 Uhr an, als das erste Ergebnis aus einem Wahllokal in Niederhöchstadt auf der großen Leinwand erscheint. Viele können es kaum glauben, dass Adnan Shaikh, der Herausforderer von der CDU mit 55 Prozent deutlich vor Amtsinhaber Mathias Geiger liegt.

Der Applaus kommt nur zögernd und bricht ab, als im zweiten Wahllokal, in dem die Stimmen ausgezählt sind, Geiger weit über 60 Prozent der Stimmen bekommt. Der Wahlkrimi dauert bis kurz vor 19 Uhr. Balken fahren in die Höhe, das Tortendiagramm verschiebt sich mal zugunsten von Shaikh, mal hat Geiger das größere Stück vom Kuchen. Als die Ergebnisse aus der Hälfte der Wahllokale vorliegen, sieht es so aus, als müsste der Kampf um den Chefsessel im Eschborner Rathaus in einer Stichwahl entschieden werden. „Ein Wahnsinn“, entfährt es einem Bürger.

Eschborn: Denkbar knapper Sieg über Geiger

Erst als das letzte Wahllokal und alle Briefwahlbezirke ausgezählt sind, bricht der Sturm los. Das Endergebnis steht fest. Adnan Shaikh hat es geschafft. Der 46 Jahre alte Gesamtschulleiter ist neuer Bürgermeister von Eschborn und löst Mathias Geiger ab, in dessen Amtszeit die Stadt durch Skandale, Affären und seine Verteilung wegen Geheimnisverrats mehrfach in die Schlagzeilen geriet.

Denkbar knapp ist der Sieg des Christdemokraten, den im Wahlkampf SPD und Grüne unterstützt hatten. Gerade einmal 0,22 Prozent liegt Adnan Shaikh über der magischen 50-Prozent-Marke. Der Abstand zu Mathias Geiger beträgt 4,5 Prozentpunkte. Linken-Kandidat Fritz-Walter Hornung bekommt 4,1 Prozent der Stimmen.

Wahl in Eschborn: Shaikh „überwältigt“, Geiger ganz still

Während der Saal tobt, steht Mathias Geiger still neben seiner Frau Angela. „Es hat net sollen sein“, ist sein erster Kommentar zu den wartenden Journalisten. Bürger kommen, schütteln ihm die Hand, klopfen ihm auf die Schulter. „Schade“, sagt ein Mann. Der Wahlkampf sei gut und fair verlaufen, sagt Geiger. „Ich hab meine Leute halt net so motivieren können“, glaubt er den Grund für die knappe Niederlage gefunden zu haben.

Am anderen Ende des Saales kommt Adnan Shaikh mit seiner Frau Susanne und seinen beiden Kindern durch die Türe. Er ist umringt von CDU-Politikern und Fotografen. Viele Parteifreunde fallen ihm um den Hals, haben Tränen in den Augen. Einer der ersten Gratulanten ist der ehemalige Hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Die Eschborner CDU habe einen idealen Wahlkampf geführt, lobt er. Dass sich auch SPD und Grüne hinter den christdemokratischen Kandidaten gestellt hätten, sei ungewöhnlich. „Aber dadurch ist der Wechsel möglich geworden.“

Wahl in Eschborn: Shaikh „überwältigt“

Adnan Shaikh ist die Erleichterung deutlich anzumerken. „Ich bin überwältigt“, sagt er, während er Hände schüttelt und für Fotos lächelt. Insgeheim habe er gehofft, im ersten Wahlgang zu gewinnen. „Dass es am Ende geklappt hat, ist ein Teamerfolg.“ Alle, die ihn unterstützt hätten – mit und ohne Parteibuch – hätten persönliche Befindlichkeiten hintangestellt und für die gemeinsame Sache gekämpft. Fairness sei dabei im Vordergrund gestanden. „Das hat sich bezahlt gemacht.“ Nun hoffe er auf eine gute Übergabe der Amtsgeschäfte zum Wohle der Stadt. „Nach einem ersten Händeschütteln mit Mathias Geiger bin ich da zuversichtlich.“

Zuversicht strahlen gestern Abend auch SPD- und Grünen-Politiker aus. „Das Wahlergebnis bietet die Chance, dass in Eschborn Bürgermeister und Parlamentsmehrheit an einem Strang ziehen und nicht mehr gegeneinander arbeiten“, sagt Erster Stadtrat Thomas Ebert (Grüne). „Wir freuen uns auf die Zukunft“, kommentiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Eva Sauter.

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