Hofheim

Demenz-WG als Alternative zum Heim

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41 Wohneinheiten für Senioren entstehen in Hofheim (Main-Taunus) auf dem 3300 Quadratmeter großen Grundstück Am Klingenborn, das die Stadt als Schenkung erhalten hat.

Noch ist es zu früh für verbindliche Anmeldungen. Das Gebäude, in dem im Erdgeschoss die Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen entstehen soll, wird gerade im Norden der Kreisstadt errichtet. Es ist Teil eines alternativen Wohnprojektes, das die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) zusammen mit dem Verein „NAHbarschaft“ entwickelt hat. Neben der Demenz-WG wird es seniorengerechte Wohnungen geben sowie generationsübergreifendes Wohnen. Gemeinschaftsräume und ein Garten für alle sind eingeplant.

Interesse an den insgesamt neun Zimmern  für Menschen mit Demenz gibt es schon. Etwa ein Dutzend Angehöriger kamen zu einem Informationsabend, zu dem die HWB in die Stadthalle eingeladen hatte. Das Besondere an der Demenz-WG im Projekt „WIR am Klingenborn“: Anders als in einem Pflegeheim werden die Bewohner ambulant betreut. Gemeinsam mit ihren Angehörigen beziehungsweise rechtlichen Vertretern sollen sie die Lebens- und Haushaltsführung und den Alltag in der WG selbst gestalten. Die Wohnräume werden von der HWB vermietet. Damit die Wohngemeinschaft reibungslos beginnen kann, übernimmt im ersten Jahr der Caritasverband Main-Taunus die 24-Stunden-Versorgung der Mieter. Um die Koordination der Versorgung innerhalb der Demenz-Wohngemeinschaft kümmert sich die Case Management Pflege GmbH aus Ahaus.

Deren Leiter Matthias Mört erläuterte beim Informationsabend das Konzept, nach dem am Klingenborn gearbeitet werden soll: „Wir wollen die Biografie der Bewohner bei der Betreuung berücksichtigen, und uns an deren Fähigkeiten und Bedürfnissen orientieren“. So sollen beispielsweise Menschen, die früher gerne gekocht haben, in der Gemeinschaftsküche mitarbeiten können. Auch der Einkauf werde gemeinsam erledigt. „Wie in einer Familie.“

Jeder Bewohner kann seinen eigenen Pflegedienst wählen

Jeder Bewohner könne seinen eigenen Pflegedienst wählen. „Wir machen da keine Vorschriften“, sagte Mört. Dass zwei beziehungsweise drei Bewohner sich jeweils ein Bad mitsamt Toilette teilen müssten, sei den baulichen Gegebenheiten geschuldet, rechtlichen Vorschriften und der Wirtschaftlichkeit. Erst ab einer Mindestzahl von neun Bewohnern rechne sich das Projekt.

Die Kosten, die in der ambulant betreuten Demenz-WG anfallen, entsprächen denen in einem Pflegeheim. Die Pflegekasse übernähme einen dem jeweiligen Pflegegrad entsprechenden Anteil. „Wenn Angehörige Arbeiten in der Versorgung übernehmen, reduziert sich der Betrag, der am Ende gezahlt werden muss“, erläuterte Matthias Mört.

Mit der Fertigstellung der Demenz-WG Am Klingenborn wird Anfang 2020 gerechnet. Ein Vierteljahr vorher können sich Interessenten verbindlich für das Projekt anmelden. Der Grad der Erkrankung sei dabei unerheblich. „Niemand muss ausziehen, auch wenn sich sein Zustand verschlechtert“, versprach Matthias Mört.

Das Projekt: 41 Wohneinheiten entstehen auf dem 3300 Quadratmeter großen Grundstück Am Klingenborn, das die Stadt als Schenkung erhalten hat.

Der Verein „NAHbarschaft“ bekommt für 14 Wohnungen im Mehrgenerationenhaus die Belegungsrechte. Seniorengerecht ausgestattet werden 18 Wohnungen, dazu kommt die Demenz-WG mit neun Wohnungen.

7,2 Millionen Euro will die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft für das Pilotprojekt aus. Fördermittel kommen vom Bundesfamilienministerium.

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