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Bürgerprotest gegen Nadelöhr

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Eine Bürgerinitiative wendet sich gegen die aktuellen Pläne der Hofheimer Wohnungsbau-Gesellschaft (HWB), ein Grundstück am Bahnübergang neu zu bebauen. Sie sammelte mehr als 600 Unterschriften.

Von Jöran Harders

Enge Straßen und kleine alte Häuser prägen den Ortskern von Lorsbach. Und an manchen Stellen ist es sogar ganz besonders eng. Eine Bürgerinitiative hat sich jetzt gegen die aktuellen Pläne der Hofheimer Wohnungsbau-Gesellschaft (HWB) gewendet, ein Grundstück am Bahnübergang neu zu bebauen.

Dabei gehe es der Initiative gar nicht in erster Linie um die Bebauung an sich, sondern vor allem darum, dass durch das Neubauprojekt die Gelegenheit verschenkt werde, die Straßenführung an diesem Nadelöhr so zu verändern, dass Autofahrer und Fußgänger dort mehr Platz haben, erklärte BI-Sprecher Theo Kreß gestern bei einem Termin mit Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) im Rathaus. Vier Vertreter der Initiative haben der Rathauschefin 641 Unterschriften von Bürgern übergeben, die das Anliegen der BI unterstützen.

Es sei ohnehin unverständlich, schreibt Kreß in einem Brief, den er der Bürgermeisterin gemeinsam mit den Unterschriften überreicht hat, dass man bei der Dorferneuerung vor 20 Jahren die alte Straßenbreite, die früher für Kuhgespanne genügte, wiederhergestellt habe, obwohl seitlich genügend Platz für eine Straßenverbreiterung gewesen wäre. „Der gleiche Fehler soll jetzt nicht wiederholt werden“, meint Kreß.

Vorrang für Verkehrssicherheit

Kernpunkt der Kritik ist, dass sich die HWB, wie von der Denkmalschutzbehörde gefordert, bei den Außenmaßen des Neubaus an den ursprünglich vorhandenen Gebäuden orientiert, was bedeutet, dass das Grundstück bis an den Gehweg heran bebaut werden soll. „Verkehrssicherheit sollte wichtiger sein als solche Vorgaben“, sagte BI-Mitglied Christoph Eckerscham, der auch für die FWG im Ortsbeirat sitzt.

Weiterhin bemängelt die BI, dass durch die geplante Bebauung nicht nur bestehende Parkplätze verloren gehen, sondern auch weniger Plätze neu geschaffen werden als laut Stellplatzsatzung eigentlich vorgesehen. Für die acht Wohnungen in dem Mehrfamilienhaus soll es vier Parkplätze auf dem Grundstück geben. Mehr sei „baulich nicht möglich“, wenn man sich an die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde halten und gleichzeitig noch rentabel bauen wolle, sagte HWB-Geschäftsführer Josef Mayr, der betonte, dass für ihn die Schaffung von bezahlbahrem Wohnraum wichtiger sei als Parkplätze. „Allein auf unserer Warteliste stehen mehr als 400 Menschen, die in Hofheim eine Wohnung suchen“, so Mayr.

Weil Versorgungsleitungen an dem Baugrundstück anders verlaufen als zunächst angenommen, müsse aber die Planung ohnehin noch einmal über den Haufen geworfen werden. „Das wird dazu führen, dass sich der Abstand der Bebauung zur Grundstücksgrenze an einigen Stellen vergrößern wird.“ Ob sich das allerdings auf die Straßenführung auswirken werde, dazu konnte Mayr nichts sagen: „Das ist Sache der Stadt.“

Die wird sich nun mit den Forderungen der BI auseinandersetzen, versprach Gisela Stang. „Ich nehme diese Kritik sehr ernst“, erklärte die Bürgermeisterin – auch wenn sie selbst darüber letztlich nicht zu entscheiden habe, sondern die zuständigen politischen Gremien. „Jetzt ist die Politik am Zug“, bekräftigten daher die BI-Vertreter. „Wir hoffen, dass unsere Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen“, sagte Theo Kreß.

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