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Bürger wollen nicht reden

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Von: Andrea Rost

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Eschborn Wenige Teilnehmer bei Zukunftswerkstatt zu Rathaus- und Stadthallenneubau

Das Ergebnis ist ernüchternd: „Insgesamt 300 virtuelle Teilnehmer bei der Zukunftswerkstatt, nur 20 Teilnehmer vor Ort, kein Vertreter der oppositionellen Partei und kein Teilnehmer aus der Bürgerinitiative. Noch keine Bereitschaft zum Dialog erkennbar“, bilanziert Sabine Dalianis, die im Eschborner Rathaus zuständig für kommunale Entwicklung ist, am Sonntagmorgen in einer Mail.

Dabei ging es bei der Veranstaltung, zu der die Stadt für Freitagnachmittag und Samstag in den Plenarsaal des Rathauses eingeladen hatte, um das zentrale Thema, das Eschborn derzeit bewegt: Abriss und Neubau von Stadthalle und Rathaus sollten im Dialog mit dem Architekten diskutiert, Ideen entwickelt und den Fachleuten vorgelegt werden.

Sabine Dalianis ist auch fest davon überzeugt, dass der Bürgerdialog, den die Stadt initiiert hat, der richtige Weg ist. Warum trotzdem bei der Zukunftswerkstatt viele Stühle leer blieben und vor allem die Kritiker des 75-Millionen-Projekts zu Hause geblieben sind? „Eschborn muss erst noch lernen, in Dialog zu treten, das gilt für die Bürger gleichermaßen wie für die Politik“, sagt Dalianis. Sie bedauert, das es Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU), anders als angekündigt, nicht schaffte, sich in den Live-Blog von der Bürgerwerkstatt einzuklinken. Der Verwaltungschef war nicht der einzige, der der virtuellen Diskussion fernblieb. Es gibt kaum Kommentare zu den Blog-einträgen. Ein Bürger monierte die Zeit: „Ich hätte gerne teilgenommen, aber Freitag 15 Uhr ist mir nicht möglich, da ich noch auf der Arbeit bin.“ Die Bürger, die zur Zukunftswerkstatt kamen, hätten tolle Ergebnisse erarbeitet, sagt Sabine Dalianis und nennt als zentrale Forderungen, die der Architekt mit auf den Weg bekam: eine bewegtere Fassade für beide Gebäude, ein besseres Leitsystem und zwei voneinander getrennte Eingänge für Rathaus und Stadthalle; ein offenes Erdgeschoss im Rathaus mit Platz für digitale und analoge Kunst. Außerdem seien sich die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt einig gewesen, dass Rathaus und Stadthalle als Energie-plus-Häuser errichtet werden sollten, wünschten sich ein Restaurant und ein Lesecafé, eine analoge Rathausuhr und einen Dachgarten für junge Leute.

Falls das eingeplante Geld dafür nicht reiche, sollte die von der schwarz-grünen Koalition beschlossene Deckelung von 75 Millionen aufgehoben werden, lautete die Forderung.

Ob es so weit kommt und ob das Rathaus überhaupt abgerissen und neu gebaut wird, darüber entscheiden voraussichtlich erst mal die Eschborner Bürger. Denn mittlerweile sind die Unterschriften, die eine Initiative für ein Bürgerbegehren gegen den Rathausabriss gesammelt hat, gezählt: Es sind mehr als genug, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Voraussichtlich im Dezember wird das Stadtparlament über dessen Zulässigkeit abstimmen.

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