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„Die Bürger sollen entscheiden“

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Will das Eschborner Rathaus retten: Helmut Bauch.
Will das Eschborner Rathaus retten: Helmut Bauch. © Michael Schick

Eschborn Initiator Helmut Bauch über das Bürgerbegehren gegen den Rathaus-Neubau

Seit vier Wochen sammelt die Bürgerinitiative „Kein Rathausabriss“ in Eschborn Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Sie will das Rathaus erhalten.

Herr Bauch, wie ist die Resonanz auf Ihre Unterschriften-Sammlung?

Ungeheuer. Wir haben aktuell 1260 Unterschriften zusammen. Allein am vergangenen Wochenende sind noch einmal über 250 dazugekommen. Es unterschreiben sogar Leute, die für den Abriss sind, weil sie darüber selbst entscheiden wollen.

Sie stehen mit Ihrem Stand direkt vor dem Rathaus. Ist Bürgermeister Speckhardt schon einmal zu Ihnen herunter gekommen?

Nein. Er lässt sich leider überhaupt nicht sehen. Immerhin hat Stadtrat Mathias Geiger schon Leute von unserer Initiative angesprochen. Und da kann ich Ihnen ein Schmankerl verraten: Sogar Geigers eigene Mutter sammelt für uns Unterschriften.

Was haben Sie eigentlich dagegen, dass Eschborn ein modernes Rathaus und eine neue Stadthalle bekommt samt Bürgerbüro und Mediathek?

Da haben wir gar nichts dagegen. Wir haben nur etwas gegen die geplanten Ausmaße. Der Komplex soll nach dem Willen der Stadtspitze mehr als 26000 Quadratmeter groß werden und bis hin zu den Wohnhäusern am Stadtpfad reichen, was für die Anwohner eine zusätzliche Belastung wird. Das brauchen wir für eine Stadt mit 21000 Einwohnern nicht.

Was fordern Sie stattdessen?

Wir wollen das Bestehende erhalten und daraus etwas Vernünftiges machen. Und wir sind selbstverständlich für eine neue Stadthalle, nur muss die mitten im Ortskern stehen? Die von uns befragten Bürger wünschen sich mehrheitlich einen Standort am Wiesenbad, zwischen Eschborn und Niederhöchstadt. Eschborn hat im Gegensatz zu anderen Kommunen das Problem, dass es zu viel Geld hat. Das verleitet zu solch übermäßigen Projekten. Gleichzeitig liegt vieles andere im Argen.

Was denn?

Bei unserer Unterschriftensammlung laufen wir ja von Tür zu Tür. Und es ist erschreckend, wie viele arme Menschen in unserer reichen Stadt leben. Es fehlen Plätze für alte Menschen und Pflegebedürftige. Und auch der Ausbau des Wiesenbades ist für die Bürger viel wichtiger als ein neues Rathaus.

Die schwarz-grüne Koalition hat eine neue Studie in Auftrag gegeben, die die Rathauspläne noch einmal überprüfen und die Kosten auf 75 Millionen Euro senken soll. Warum haben Sie mit Ihrem Bürgerbegehren nicht gewartet, bis das Ergebnis vorliegt?

Weil klar ist, was dabei herauskommt. Bürgermeister Speckhardt will sich bestätigen lassen, dass ein Abriss besser ist als eine Sanierung. Und Sie können eine Studie immer so anlegen, dass das gewünschte Ergebnis dabei herauskommt. Wir wollen, dass die Bürger selbst darüber entscheiden.

Und wenn die einen Abriss wollen?

Wenn eine Mehrheit sagt: Das Rathaus soll weg, habe ich überhaupt kein Problem damit, das zu akzeptieren.

Bürgermeister Speckhardt argumentiert auch mit der Energieeffizienz. Eine Sanierung sei immer schlechter als ein Neubau. Ist das nicht einleuchtend?

Wir orientieren uns an der gültigen Energieeinsparverordnung von 2009. Die ist bis auf unbestimmte Zeit weiter gültig und soll auch nicht wesentlich verschärft werden. Nach dieser Verordnung kann auch das Eschborner Rathaus saniert werden. Frankfurt macht es Eschborn vor: Das Triton-Haus auf der Bockenheimer Landstraße ist ein prima Vorbild. Auf dem Baustellenschild steht: „Energiesparende Sanierung satt Abriss und Neubau.“

So wie es aussieht, dürften Sie bald genug Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammenhaben. Wie geht es dann weiter?

Dann muss das Parlament entscheiden, ob es einen Bürgerentscheid zulässt.

Und wenn es ablehnt?

Das müssen sie genau begründen. Und diese Begründung werden wir dann von einem Anwaltsbüro prüfen lassen. Falls sie nicht einleuchtend ist, werden wir versuchen, möglichst viele Bürger zu finden, die die Entscheidung gemeinsam vor dem Verwaltungsgericht anfechten.

Das Interview führte Torsten Weigelt

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