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Das Akademiegelände wird neben dem Campus auch ein Hotel, ein Restaurant, ein Fitnessstudio, eine Schwimmhalle, einen Proshop, zahlreiche Outdoorplätze sowie die mit 21 Plätzen größte Indoortennishalle der Welt umfassen.  

Hochheim

Boris Beckers Tennisakademie in Hochheim soll 2021 fertig sein

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Investor Khaled Ezzedine plant in Hochheim nicht nur ein Elite-Zentrum. Auch Hobbysportler sollen in der geplanten Tennishalle trainieren können.

Ein kurzes Händeschütteln, ein paar Worte zur Begrüßung – viel mehr hatte Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) mit Boris Becker nicht zu tun, als der sechsfache Grand-Slam-Sieger vor kurzem nach Mainz-Kastel kam, um seine Tennisakademie der Presse vorzustellen. Becker sei sofort von Journalisten, Fotografen und Fernsehkameras umringt gewesen, sagte Westedt der FR. „Da war keine Zeit für ein längeres Gespräch.“ Ein paar Flaschen Hochheimer Wein habe er Becker nach der Pressekonferenz aber immerhin noch überreicht. Der Tennisstar hatte zuvor bekannt, den Wein aus Hochheim noch nie probiert zu haben.

Auf dem Podium neben Becker sitzend war Westedt sichtlich stolz darauf, dass Hochheim von Moderator Rolf Töpperwien in einem Atemzug genannt wurde mit Manacor auf Mallorca und Nizza, wo Rafael Nadal und Patrick Mourtoglou ihre Tennisakademien haben. „Ich bin froh, dass wir Investor Khaled Ezzedine ein entsprechend großes Grundstück anbieten konnten, als er seine Akademiepläne im Rathaus vorgestellt hat“, sagte der Verwaltungschef.

Großes Medieninteresse herrschte bei der Pressekonferenz mit Boris Becker. 

Politisches Tauziehen um das Projekt habe es in Hochheim nicht gegeben. Das Stadtparlament habe einstimmig beschlossen, das ehemalige Tetra-Pak-Gelände an der Frankfurter Straße in ein Sondergebiet Sportakademie umzuwandeln. Der berühmte Namensgeber der Tennisakademie habe dem Investor dabei keinerlei Vorteile verschafft, auch nicht beim Kauf des städtischen Grundstücks, betonte Westedt. „Wir haben keinen Sonderpreis gemacht.“

Noch ist der Bauantrag für das 20-Millionen-Euro-Projekt nicht eingereicht. Und es sind auch noch nicht alle Verfahrensschritte für die Umwidmung des 4,8 Hektar großen Geländes erledigt. Westedt erwartet aber keine Einsprüche im Zuge der Offenlegung. Denn Kritik an dem Großprojekt ist in Hochheim bislang nicht laut geworden. Zwar gebe es Bürger, die fragten, warum die Stadt nicht Sozialwohnungen baue auf der Fläche und eine Kita, sagt Westedt. Diese Diskussion sei jedoch müßig. „An der Stelle ist so etwas gar nicht möglich, weil es sich um eine Gewerbefläche handelt.“

Das Grundstück, auf dem die Boris Becker International Tennis Academy entstehen soll, ist 48 000 Quadratmeter groß. Es liegt an der Frankfurter Straße in Hochheim. Bisher war dort der Firmensitz von Tetra Pak.

Investor Khaled Ezzedine plant neben dem Campus ein Vier-Sterne-Hotel mit 65 Zimmern, ein Restaurant, eine Schwimmhalle, ei

nen Proshop, ein Boris-Becker-Museum, Outdoorplätze sowie die größte Tennishalle der Welt.

Westedt sieht vielfältige Vorteile für die 18 000-Einwohner-Stadt, wenn die Becker-Akademie voraussichtlich im Frühjahr 2021 eröffnet wird. Als Kämmerer hofft er auf Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer und auf einen Aufschwung für den lokalen Tourismus. Ein Hotel und ein Restaurant könne die Stadt jedenfalls gut gebrauchen, sagt Westedt.

Die Lage seiner Tennisakademie mitten im Rhein-Main-Gebiet und nah am Frankfurter Flughafen sei ideal, um Schüler aus der ganzen Welt anzuziehen, sagte Boris Becker und kündigte an, künftig öfter nach Hochheim zu kommen. Er werde den Tennisnachwuchs zwar nicht selbst trainieren, aber die Philosophie der Ausbildung vorgeben.

Insofern unterscheide sich die Hochheimer Boris-Becker-Akademie auch von der in der chinesischen Stadt Shenzhen, die Teil des größten Golfresorts der Welt ist. „In China habe ich nur die Namensrechte verkauft, in Hochheim habe ich den Hut auf“, sagte Boris Becker.

Weil längst nicht jeder, der das möchte, am Ende auch als Tennisprofi erfolgreich wird, sollen die Akademieschüler einen Schulabschluss anstreben. Privatschule und Internat werden auf dem Akademiegelände gebaut. Mit Kosten von 50 000 Euro pro Jahr für die gesamte Ausbildung an der Boris-Becker-Akademie ist zu rechnen.

Am Ende könnten auch passionierte Hobbysportler von dem Großprojekt profitieren. Investor Khaled Ezzedine kündigte an, dass die gesamte Infrastruktur auf dem Akademiegelände auch von auswärtigen Besuchern genutzt werden könne, sofern die Kapazität ausreiche. „Wir wollen kein Elitetenniszentrum bauen. Jeder soll sich hier wohlfühlen“, sagte Ezzedine.

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