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Peter Kolar ist in Krummau geboren und liest die Geschichten der Heimatvertriebenen.
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Peter Kolar ist in Krummau geboren und liest die Geschichten der Heimatvertriebenen.

Peter Kolar

Vom Böhmerwald nach Hofheim

  • Kerstin Klamroth
    VonKerstin Klamroth
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Peter Kolar erzählt in der Stadtbücherei die Geschichte der Vertreibung seiner Familie

Peter Kolar erzählt in der Stadtbücherei die Geschichte der Vertreibung seiner Familie

Es hat eine Weile gedauert, bis Peter Kolar sich traute, die handschriftlichen Aufzeichnungen seines Vaters nach dessen Tod im Jahr 1989 anzuschauen. Schließlich ist er selbst in Hofheim geboren und die traurige Geschichte der Vertreibung seiner Eltern und Großeltern aus Böhmen kennt er nur aus Erzählungen von Verwandten. Aber der Wunsch, die eigenen Wurzeln zu aufzuspüren, war letztlich größer als die Sorge, an Schmerz und Verlust erinnert zu werden. Weil Kolar wusste, dass viele andere Hofheimer Familien dieses Schicksal teilen, hat der ehemalige Rathausmitarbeiter die Geschichte seiner Familie nun für eine Lesung aufbereitet. „Wie der Böhmerwald zum Taunus kam“ ist der Titel der Veranstaltung, die am 23. Januar in der Stadtbücherei stattfindet.

Die Spur führt zurück in das pittoreske Städtchen Krummau an der Moldau, auf Tschechisch Cesky Krumlov, dessen Altstadt die Unesco 1992 als Weltkulturerbe einstufen ließ. Als Peter Kolars Vater Jakob 1913 dort geboren wurde, gehörte es noch zur k.u.k Donaumonarchie. Zahlreiche Dokumente, wie etwa das Arbeitsbuch seines Großvaters oder eine Belobigung des Militärs, hat Peter Kolar für seine Lesung zusammengestellt, um einen Eindruck vom Leben in dem damaligen Vielvölkerstaat zu geben. Damit das eigene Familienschicksal in den historischen Rahmen gestellt wird, hat er Folien vorbereitet, die Geschichte der Tschechoslowakei von der Staatsgründung 1918 über die Annektierung durch Deutschland 1939 bis zur Vertreibung von Millionen von Deutschen 1945/46 schildert.

Dabei geht es dem Autor nicht allein um die geschichtliche Aufbereitung, er möchte das Andenken an die Menschen bewahren, die nach schwierigen und entbehrungsreichen Zeiten ihre Heimat in Hofheim und Umgebung fanden.

Ein Zufall stellte die Weichen

Dieses Anliegen teilt Kolar mit seinem Vater, der lange Jahre die Main-Taunus-Gruppe im Bund der Heimatvertriebenen leitete. Nie hatte er Krummau wieder besucht, er wollte seine Geburtsstadt so in Erinnerung behalten, wie er sie liebte. Erst sein Sohn Peter machte sich 2004 auf die Reise in die Heimat seiner Eltern, zusammen mit einem Neffen, und war jetzt schon das vierte Mal an der Moldau.

Es sind manchmal Zufälle, die im Leben die Weichen stellen. Dass die Familie Kolar nach ihrer Vertreibung nach Hofheim kam, ist auf den Rat einer Rotkreuz-Schwester zurückzuführen, die 1946 in dem Höchster Bunker Dienst tat, in dem die Vertriebenen nach tagelanger Fahrt in Viehwaggons untergebracht worden waren. „Aus Krummau kommen Sie, dann sollten Sie nach Hofheim gehen, dort gibt es auch viel Wald“ – soll die Schwester den Aufzeichnungen des Vaters zufolge gesagt haben.

Die Familie registrierte sich im damaligen Frankfurter Hof. Die Eltern, zwei Kinder, Schwiegereltern und eine Schwägerin fanden in zwei Zimmern eine Bleibe im Burggrabengässchen. Der Großvater sollte die Vertreibung nicht lange überleben, er starb noch im selben Jahr. Kolars Vater fand eine Anstellung als Polsterer und schuf sich in Hofheim eine neue Heimat, später in der Hauptstraße 4. 1956 wurde dort der dritte Sohn Peter geboren. Die Mutter Annie Kolar lebt heute, 97 Jahre alt, in einem Hofheimer Altersheim.

„Er war verletzt, aber er sann nicht auf Rache“, so beschreibt Peter Kolar die Gefühle seines Vaters. Auf seine Spurensuche bekam der Hofheimer Autor bereits so viel Resonanz, dass er als nächstes plant, ein Buch über die Geschichte seiner Familie zu schreiben. Tochter und Neffen finden die Idee gut.

Die Lesung „Wie der Böhmerwald zum Taunus kam“ beginnt am 23. Januar um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei, Elisabethenstraße 3. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter der Telefonnummer 06192/966860 wird gebeten.

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