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Blick in die Tiefe

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Richard Vogt bei einer geomagnetischen Bodenuntersuchung mit einem Magnetometer auf einem Feld bei Weilbach.
Richard Vogt bei einer geomagnetischen Bodenuntersuchung mit einem Magnetometer auf einem Feld bei Weilbach. © Michael Schick

Von keltischen Gräbern und augustinischen Tempeln: Der Geophysiker Richard Vogt sucht im Main-Taunus-Kreis in der Erde nach Bodendenkmälern und Bomben.

Von Claudia Horkheimer

Wenn Richard Vogt mit seinem Magnetometer die Felder abgeht, piepst es ohne Unterlass. Anders als vermutet, ist das kein Zeichen für eine Fundstelle, sondern dient nur der Taktgebung, damit er sein Tempo hält. Denn während die vier Sonden die Bodenstruktur bis in fünf Meter Tiefe erfassen, werden permanent Aufnahmen der unterirdischen Struktur abgespeichert. Später können metallische Objekte, Kontraste im Bodenaufbau oder auch Bodeneingriffe aus der Vergangenheit Zentimeter genau dargestellt werden. Metallische Funde kann der Geophysiker direkt an seinem Gerät ablesen.

Archäologische Funde indes sind nur als schwache Anomalien im Boden zu erkennen und müssen deshalb zuerst kartiert und interpretiert werden. Die Ergebnisse fast Vogt in einem Bericht zusammen. „Wir geben die Verdachtsstellen an, an denen gegraben werde kann“, sagt Vogt. Ob dann weitere archäologische Untersuchungen erforderlich sind oder eine Freigabe für den Bau erteilt wird, wird aufgrund dieses Berichtes vom Landesamt für Denkmalpflege entschieden.

Der Geophysiker ist regelmäßig auf Arealen in der Region unterwegs, die bebaut werden sollen und auf denen Bodendenkmäler oder Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden.

Im Main-Taunus-Kreis vermaß er im Herbst in Eschborn das Gelände, auf dem das neue Notfallzentrum gebaut werden soll. Jetzt war Vogt am Parkplatz Flörsheim-Weilbach an der A3 zu Gange, um ein etwa ein zwei Hektar großes Gelände zu checken. Dort vermutetet der Denkmalschutz Bodendenkmäler und der Kampfmittelräumdienst wollte sicher stellen lassen, dass in der Erde keine Blindgänger mehr herumliegen.

Ob er etwas fand, darf Vogt nicht sagen, denn die Daten müssen jetzt erst ausgewertet werden. Der Parkplatz soll auf beiden Seiten der Autobahn um insgesamt zusätzliche 50 Stellplätze für Lastwagen erweitert werden. „Für uns ist das hier keine standardmäßige Untersuchung“, sagt Projektleiter Samuel Freund vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt. Der Baubeginn des 3,2 Millionen Euro teuren Bundesprojektes ist für das erste Quartal 2013 geplant. Falls etwas gefunden werde, würde sich das Projekt verzögern, so Freund.

Der Parkplatz bei Weilbach ist nur eine von Vogts momentanen Baustellen. Außerdem ist er in Frankfurt Riedberg aktiv, wo ein Sportplatz entstehen soll.

Derzeit kann sich der Geophysiker, der mit einem Team von Archäologen und Kampfmittelräumern die Geophysik Rhein-Main GmbH in Frankfurt Höchst betreibt, kaum vor Aufträgen retten. Das liege an der Jahreszeit, denn jetzt seien die Äcker frei. „Am Abend weiß man, was man den Tag über gemacht hat“, sagt Vogt mit Blick auf die mehrere Kilogramm schwere Apparatur, die er sich über die Schulter hängt. Wenn er einen Hektar untersucht habe, sei er zehn Kilometer gelaufen.

Trotz der Anstrengung ist der Beruf für ihn auch spannend. Besonders wenn er archäologische Funde macht. So war es auch etwas ganz besonderes, als er 2004 im Hattersheimer Baugebiet Südwest Keltengräber entdeckte. Bei den folgenden archäologischen Grabungen wurden 27 Skelette gefunden und 20 Brandgräber. Außerdem wurden zwei Gräber von Männern mit Schwert entdeckt. Auch stieß er 1992 auf einen Augustinischen Tempel in Waldgirmes im Lahntal.

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