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Blick in die Steinzeit

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Hofheim Archäologen graben am Kapellenberg einen 6000 Jahre alten Ringwall aus

Wenn sich unsere Vermutungen bestätigen, wäre das so etwas wie das steinzeitliche Pompeji des Rhein-Main-Gebietes." Udo Recker vom Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden gerät ins Schwärmen, wenn er von den archäologischen Ausgrabungen spricht, die derzeit am Hofheimer Kapellenberg laufen.

Erledigt wird die diffizile wissenschaftliche Arbeit von zehn Studenten der Uni Mainz und von Nadine Richter, die an einer Doktorarbeit in Vor- und Frühgeschichte schreibt. Die junge Frau hat dafür tausende Keramikscherben und Steinartefakte ausgewertet, die der Hofheimer Rolf Kubon, ehemals Restaurator und Grabungstechniker des Frankfurter Denkmalamtes, seit den 70er Jahren auf dem Kapellenberg aufgelesen hat. Sie ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Die so genannten Keltenwälle im Wald rund um den Meisterturm stammen vermutlich aus der Jungsteinzeit - sie sind Relikte der Michelsberger Kultur, die Archäologen in die Zeit von 4400 bis 3500 vor Christus datieren.

Seit Mitte Juli haben die Studenten Überreste von Backtellern und Schöpflöffeln aus grober steinzeitlicher Keramik im Waldboden nördlich des Meisterturms gefunden, dazu Feuerstein aus Belgien und Spuren von Holzkohle. Auf eine keltische oder mittelalterliche Siedlung deute überhaupt nichts hin, sagt Nadine Richter. "Wir haben kein einziges Stück Metall gefunden und auch keine Scherben aus dem Mittelalter."

Je tiefer die Studenten in den letzten Tagen gegraben haben, umso härter wurde der Waldboden. Als Mitte vergangener Woche die ersten Spitzhacken zu Bruch gingen, schickte die Stadt Hofheim einen 25-Tonnen-Bagger, der innerhalb von wenigen Stunden einen kompletten Grabungsschnitt des Walls anlegte. An dem dreieinhalb Meter tiefen Profil lässt sich ablesen, dass die Siedler vor rund 6000 Jahren an dieser Stelle zunächst eine Holzpalisade errichteten, danach die Pfosten entfernten und einen Erdwall aufschütteten. 46 Hektar groß sei das Gelände, das der Wall einschließe, sagt Nadine Richter.

Bis Ende des Jahres werden Wissenschaftler in Mainz und Wiesbaden Boden- und Botanikproben vom Kapellenberg auswerten. Sollte sich herausstellen, dass auch sie der Jungsteinzeit zuzuordnen sind, wäre die Sensation perfekt. "Hofheim ist eine von ganz wenigen Stellen in Deutschland, wo steinzeitliche Funde oberirdisch erhalten sind", sagt Professor Detlef Gronenborn von der Universität Mainz. Normalerweise sei das Bodenniveau der Steinzeit längst durch Erosion abgetragen oder weggepflügt. "Im Taunus ist der Boden so hart, dass das Material nicht abfließen konnte", erklärt Gronenborn.

Bis Ende der Woche werden die Studenten den Wallaufbau noch dokumentieren, danach wird die Grabungsstelle zugeschüttet. "Gut möglich, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder geöffnet und der Öffentlichkeit präsentiert wird", sagt Denkmalpfleger Udo Recker.

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