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Bistum korrigiert Fusions-Pläne

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Von: Torsten Weigelt

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Die Kirche Sankt Peter und Paul in Hochheim. Die Gemeinde soll sich mit St. Gallus in Flörsheim zusammentun.
Die Kirche Sankt Peter und Paul in Hochheim. Die Gemeinde soll sich mit St. Gallus in Flörsheim zusammentun. © Rolf Oeser

Das Bistum hat der Forderung aus dem Main-Taunus nachgegeben und seine Fusions-Pläne korrigiert. St. Martinus bleibt eigenständig. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, heißt es.

Der Protest hat gewirkt. Im vergangenen Herbst hatten die Pfarrgemeinderäte der katholischen Gemeinden Sankt Peter und Paul, Sankt Gallus und Sankt Martinus heftig gegen die Pläne des Bistums Limburg protestiert, sie zu einem Pastoralen Raum zusammenzufassen oder gar zu einer „Pfarrei neuen Typs“ zu fusionieren.

Nun hat das Bistum dieser Forderung nachgegeben. So wird die Hattersheimer Gemeinde St. Martinus vorerst eigenständig bleiben, während St. Peter und Paul (Hochheim) sowie St. Gallus (Flörsheim) sich bis 2020 zu einem Pastoralen Raum weiterentwickeln sollen.

„Das Bistum hat sich darauf eingelassen, den Gemeinden mehr Zeit zu gewähren“, erläuterte Gerhard Buballa von der Stabsstelle Pastorale Planung und Entwicklung gestern vor der Presse. Es habe keinen Sinn, die Gemeinden zu etwas zu zwingen, was sie nicht wollten, ergänzte Bezirksdekan Klaus Waldeck: „Unter Druck wird es meistens nicht gut.“ Mit mehr als 20 000 Katholiken wäre eine fusionierte Gemeinde an der Mainschiene eine der zahlenstärksten Einheiten im gesamten Bistum gewesen. Außerdem seien die Menschen in Hochheim und Flörsheim traditionell stärker nach Mainz orientiert als die Hattersheimer.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Das Thema Zusammenschluss bleibe auch in den Maingemeinden weiter auf der Tagesordnung, kündigte Gerhard Buballa an. Dabei soll es nun zunächst um Inhalte gehen und weniger um Strukturen. Allerdings übt das Bistum durchaus sanften Druck aus. Denn im Gegensatz zu den Pastoralen Räumen wird die Gemeinde St. Martinus keinen eigenen Verwaltungsleiter und auch keinen Koordinator für ihre Kindertagesstätten erhalten. Das sei nur in Kooperation mit Flörsheim und Hochheim möglich.

Verschieden schnell zum Ziel

Darüber hinaus ist die Eigenständigkeit der Hattersheimer Katholiken davon abhängig, wie schnell der Priestermangel im Bistum voranschreitet. Sollte Limburg einmal nicht mehr genug Personal haben, um alle vorhandenen Stellen zu besetzen, werde sich St. Martinus einer Vereinigung mit St. Gallus und St. Peter und Paul nicht mehr widersetzen können, kündigte Bistums-Vertreter Buballa.

Diskussionen über die künftige Struktur gibt es aber nicht nur unter den Katholiken am Main. Auch die Entwicklung zwischen den katholischen Gemeinden in Hofheim, Kriftel und Eppstein verläuft nicht konfliktfrei. So votierten die Mitglieder der Gemeinden in Hofheim und Kriftel dafür, sich erst einmal untereinander zusammenzuschließen und erst danach den Prozess mit den Eppsteiner Katholiken zu beginnen, während die Eppsteiner von Anfang an mit dabei sein wollen. Eine Lösung soll nun an einem Runden Tisch gefunden werden. Das Bistum werde dabei eine Moderatorenrolle übernehmen, kündigte Gerhard Buballa an.

Alles in allem führt das zu einer Strukturreform mit erheblich unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während St. Martinus quasi im Startblock verharrt, haben die katholischen Gemeinden in Kelkheim und Liederbach bereits das Ziel erreicht. Seit Anfang dieses Jahres gibt es dort nur noch eine gemeinsame Pfarrei mit dem Namen St. Franziskus. Andere Gemeinden wie in Schwalbach und Eschborn befinden sich in der Zwischenetappe Pastoraler Raum, in der die Gemeinden noch eine größere Eigenständigkeit besitzen.

Um ein wenig Ordnung in das Begriffs-Wirrwarr zu bringen, sprechen die Verantwortlichen nun von „Pastoralen Einheiten“. Davon gibt es nun insgesamt fünf im Main-Taunus-Kreis (siehe Info-Box). Ziel ist, aus allen Einheiten, die aus mehr als einer Pfarrei bestehen, bis spätestens 2020 einen Pastoralen Raum zu schmieden, aus dem dann wiederum bis 2023 eine „Pfarrei neuen Typs“ werden soll. Diese hat dann nur noch jeweils einen Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat und wird von einem einzigen Pfarrer geleitet.

Gleichzeitig sollen aber auch die einzelnen Ortsgemeinden weiter aktiv bleiben, betont Bezirksreferent Günter Adam. Das gelte vor allem für die ehrenamtlich Aktiven. Deswegen werden in den einst selbständigen Gemeinden Ortsausschüsse eingerichtet. Für das einfache Gemeindemitglied sei die Veränderung ohnehin kaum spürbar, betont Gerhard Buballa. Veränderungen gebe es vor allem auf der Funktionärsebene und bei den Mitarbeitern. Für die könne eine größere Einheit sogar Vorteile haben, etwa wenn es um Vertretungsregelungen geht.

Grund für die Strukturreform, die das gesamte Bistum betrifft, ist denn auch vor allem der Nachwuchsmangel bei den Priestern sowie den Pastoral- und Gemeindereferenten. In Zukunft werde es nicht mehr möglich sein, jeder jetzigen Pfarrei einen Hauptamtlichen vor Ort zur Verfügung zu stellen, erläuterte Buballa. Aktuell gibt es im katholischen Bezirk Main-Taunus noch sieben Pfarrer und einen Pfarrverwalter. Insgesamt arbeiten in den hiesigen Gemeinden 44 Hauptamtliche.

Hinzu kommt ein starker Rückgang bei den Gläubigen. So ist die Zahl der Katholiken im Main-Taunus-Kreis in den vergangenen zehn Jahren bereits von 75 000 auf unter 70 000 gesunken.

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