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Besser schrauben als schieben

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Achim (17) beim Reparieren eines Rades.
Achim (17) beim Reparieren eines Rades. © FR/Surrey

In der Fahrradwerkstatt der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule werden ein Mal pro Woche Drahtesel flott gemacht. Von Jöran Harders

Von Jöran Harders

Felix Linnenschmidt hat es selbst schon oft genug erlebt: "Ich weiß, wie das ist, wenn ich aus dem Unterricht komme und sehe, dass irgendjemand etwas an meinem Fahrrad kaputt gemacht hat", erzählt der Gymnasiast. Dann bleibt meist nichts anderes übrig, als das Rad nach Hause zu schieben. Für die Schüler der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule in Schwalbach gibt es in solchen Situationen Hilfe. Ein Mal pro Woche öffnet in einem Nebenraum der Sporthalle die Fahrradwerkstatt, wo ein Team von fünf Jugendlichen, zu dem auch Felix gehört, sich um die kleineren und größeren Probleme kümmert, die ihre Mitschüler mit ihren Drahteseln haben.

Leiter der Fahrradwerkstatt-AG ist Jörg Fischer. Der begeisterte Hobby-Fahrradbastler gibt Ratschläge, wenn die AG-Mitglieder nicht weiter wissen, und redet Schülern ins Gewissen, deren Räder allzu abenteuerliche Mängel haben. "Auch die Eltern sollten ein Auge darauf haben, womit sie ihre Kinder auf die Straße schicken", mahnt Fischer. Als er ein Fahrrad mit völlig eingerosteten Bremszügen in die Hände bekam, hat er persönlich bei den Eltern des Besitzers vorgesprochen. "Da hätte sehr leicht etwas passieren können." Meistens sind es aber nur kleinere Reparaturen, die in der Fahrradwerkstatt vorgenommen werden.

So verpasst Felix einem Fahrrad, das zuvor eine neue Kette bekommen hat, noch frische Bremsbeläge. Sein AG-Kollege Achim hat ausnahmsweise einmal sein eigenes Rad mitgebracht, dem er eine neue Felge spendiert. Die alte ist zwar noch tadellos, aber "viel zu schwer", findet der 17-Jährige

Bei den Albert-Einstein-Schülern kommt das kostenlose Angebot gut an: Nur Ersatzteile müssen bezahlt werden, Kleinigkeiten wie Bremszüge, Glühbirnen oder Schrauben und natürlich die Arbeitszeit sind umsonst. Schon mehrmals haben Miriam und Katrin bei den freundlichen Bastlern in der Sporthalle vorbeigeschaut. Die beiden Neuntklässlerinnen fahren jeden Tag mit dem Rad zur Schule und wissen die kompetente Hilfe zu schätzen.

Benedict ist dagegen zum ersten Mal da und steht zunächst etwas unschlüssig am Eingang der Werkstatt. "Komm ruhig rein", ermuntert Jörg Fischer den 15-Jährigen, an dessen Fahrrad ein Bremszug gerissen ist - eine Routinereparatur, die schnell erledigt wird.

Jede Woche ein neuer Kniff

Seit vier Monaten gibt es die Fahrradwerkstatt an der Albert-Einstein-Schule. "Die Idee dazu kam vom Elternbeirat, dem es vor allem darum ging, dass die Schüler sicher unterwegs sind", erklärt Fischer. Aber nicht nur die "Kunden" der Werkstatt sind von der AG begeistert. Auch die freiwilligen Bastelhelfer kommen gern und lernen fast jede Woche wieder irgendeinen Kniff dazu. "So oft es geht" schrauben Felix und Achim daher unter der kundigen Führung von Jörg Fischer an den verschiedenen Fahrradmodellen.

Da überrascht es nicht, dass die beiden sich mittlerweile so gut auskennen, dass manchmal auch die Schüler dem AG-Leiter helfen können, wenn der mal nicht weiter weiß.

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