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Der berühmteste Sohn der Stadt

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Eine Ausstellung zeigt Anton Flettner privat und als genialen Erfinder.

Von Oliver Heil

Die Aufnahme zeigt einen jungen Mann im Anzug auf einem größeren Bootchen, in der Hand eine filigrane Steuer-Konstruktion. Selbst auf dem alten Schwarz-Weiß-Foto erkennt man, dass der Mann blond gewesen sein muss und dass er in dem Moment, als der Fotograf abdrückte, stolz und entspannt war. Es ist Anton Flettners erste Probefahrt mit dem von ihm erfundenen Ruder.

„Zu Frankfurt am Main“ steht im Bildtext des historischen Fotos. Es könnte aber ebenso gut unten in Eddersheim gewesen sein. Dort, wo der Pionier der modernen Luft- und Schifffahrt geboren wurde und aufwuchs.

Oben in Hattersheim, in der Galerie im Nassauer Hof, war am Sonntag zum ersten Mal eine Ausstellung über den berühmtesten Sohn der Stadt zu sehen. Es ist die Hattersheimer Weihnachtsausstellung, die sich aus Anlass von Flettners 50. Todestag am 29. Dezember dem bekanntesten Sohn der Stadt widmet.

Zwischen der Aufnahme im Bootchen unten am Main und der Beerdigung Flettners auf dem Eddersheimer Friedhof 1961 liegt eine Reihe von bahnbrechenden Erfindungen. Das Flettner-Ruder zum Beispiel sieht man heute noch, vor allem an kleineren Flugzeugen. Die kleine Klappe am Heck bewegt sich genau entgegengesetzt zum eigentlichen Ruder und reduziert so den Energieaufwand beim Lenken. „Das war immer Flettners Leitmotiv, Energie einzusparen“, erzählt Stadtarchivar Wilfried Schwarz, der die Ausstellung mit Hilfe des Geschichtsvereins gestaltet hat. Viele der Fotos, die in den Vitrinen liegen oder für die Gestaltung der großen Infotafeln genutzt wurden, verdankt Schwarz Flettners Enkelin Viola Diofzeghy-Kraus, die sie der Stadt vor fünf Jahren überlassen hat.

Energiesparen ist auch der entscheidende Punkt beim Flettner-Rotor. Der war fast in Vergessenheit geraten, könnte aber in Zeiten steigender Kraftstoff-Preise den Schiffsbau revolutionieren. 2008 lief ein Schiff vom Stapel, das mit wuchtigen, 25 Meter hohen Zylindern ausgestattet ist, in denen die Antriebskraft aus Windenergie entsteht. Viel bekannter ist jedoch Flettners darauffolgende Erfindung: der Hubschrauber. Diese Entwicklung ist es aber auch, die ein schlechtes Licht auf den großen Sohn der Stadt wirft. Flettner entwickelte den Hubschrauber als Waffe für die Nazis. „Er hat immer nur die Technik hochgehalten und sich nie Gedanken gemacht, wofür die eigentlich eingesetzt wurde“, erzählt Archivar Schwarz.

Später, der Bericht über seine Entnazifizierung ist Bestandteil der Ausstellung, behauptete Flettner, wegen seiner halbjüdischen Frau Probleme mit den Nazis gehabt zu haben. Das glaubten ihm die Amerikaner wohl nur, weil sie den Erfinder in die USA locken wollten. In New York gründete er die Flettner Aircraft Corporation, erst 1960 kehrte er für einen Besuch nach Eddersheim zurück.

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