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Der Bauzaun ist schon da – bald wird das ehemalige Werkstattgebäude umgestaltet.

Hattersheim

Baubeginn beim Stadtmuseum

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Neue Investoren planen den Umbau des Sarotti-Werkstattgebäudes in Hattersheim. Die Gastronomie soll kleiner werden.

Fast ein Jahr Verzögerung hat es beim Bau des Stadtmuseums gegeben. Nun soll es endlich weitergehen: In der kommenden Woche starten die Umbauarbeiten am historischen Sarotti-Werkstattgebäude.

Möglich geworden ist das durch einen Wechsel der Investoren. Mit dem SPD-Stadtverordneten Selim Balcioglu hat ein neuer Geschäftsführer das Ruder übernommen. Balcioglu baut auch das „House of Finance“, das gegenüber dem Werkstattgebäude steht. Mit einem stillen Partner hat er den spanischen Investoren die Firma „Nai Apollo“ abgekauft, die das hundert Jahre alte Werkstattgebäude ursprünglich umbauen wollte, und in „Rio negro“ (mit Bezug auf den nahe gelegenen Schwarzbach) umgetauft. Balcioglu wohnt selbst im Schokoladenviertel und kann die Sorgen der Anwohner deshalb gut verstehen.

Zu viel Lärm, zu viel Verkehr und eine unangenehme Spiegelung durch die Glasfassade hatten einige von ihnen befürchtet und Widerspruch gegen die Baugenehmigung beim Main-Taunus-Kreis eingelegt. Diese Bedenken hofft Balcioglu nun ausgeräumt zu haben. War im ursprünglichen Entwurf noch ein großes Restaurant neben dem Museum vorgesehen, so findet man in den neuen Plänen nur noch ein 60 Quadratmeter großes Café, und dies ist zur Westseite auf den Spielplatz ausgerichtet. Auch bei der Fassade wollen die neuen Bauherren teilweise anderes Material als Glas einsetzen. Der Nachteil: Es muss ein völlig neuer Bauantrag beim Main-Taunus-Kreis gestellt werden, das ist mit Zeitaufwand und höheren Kosten verbunden. Dennoch rechnet Balcioglu mit der Eröffnung des neuen Stadtmuseums im Herbst nächsten Jahres.

Für den Hattersheimer Geschichtsverein, der schon seit 2010 auf die Einrichtung eines Stadtmuseums hofft, heißt dies erneut warten. Von dem Fördergeld in Höhe von 60 000 Euro, das das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst für das Jahr 2019 zugesagt hatte, konnten bisher nur 20 000 Euro für Planung und Konzept abgerufen werden. Der Rest verfällt, weil die Ausstellung in diesem Jahr nicht eingerichtet werden kann. „Einen erneuten Antrag können wir erst im Herbst 2020 stellen“, befürchtet die stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, Ulrike Milas-Quirin.

Sorgen bereitet dem Verein auch die Verkleinerung der Gastronomie, denn er muss laut Vertrag die Nebenkosten des Museums (Strom, Heizung, Reinigung) tragen und braucht dafür eine Einnahmequelle. Im ursprünglichen Konzept war ein Veranstaltungsraum neben dem Restaurant vorgesehen, der auch vermietet werden konnte. Dieser Raum fällt nun weg. Auch die Kosten, die der Verein für die Lagerung der Exponate in drei verschiedenen Lagern aufwenden muss, laufen somit weiter: Es sind rund 4000 Euro im Jahr.

Investor Balcioglu, der die Gesamtkosten grob auf 3,8 Millionen Euro schätzt, plant anstelle des großen Restaurants nun mehr Büroräume, die er vermieten will. Einen Betreiber für das Museumscafé hat er noch nicht gefunden.

Obwohl der Vorbesitzer Nestlé seinerzeit einen Zuschuss in Höhe von einer Million Euro zugesagt hat, rechnet Balcioglu derzeit nicht mit Gewinn. 800 000 Euro davon stünden noch zur Verfügung. 200 000 Euro wurden nach seinen Angaben bereits für Planung, Restaurierung der Fenster und Reinigung ausgegeben. Bei einem Altbau wie dem hundert Jahre alten Werkstattgebäude müsse man aber ständig mit Überraschungen rechnen, so Balcioglu.

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