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„Wir müssen uns auf neue Wege begeben“

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Pfarrerin Marlene Hering vor dem frisch renovierten Gemeindehaus in der Straße Zum Quellenpark 54. kramer
Pfarrerin Marlene Hering vor dem frisch renovierten Gemeindehaus in der Straße Zum Quellenpark 54. kramer © Brigitte Kramer

Marlene Hering ist die erste Pfarrerin in der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde

Bad Soden - Diese Woche ist so dicht gefüllt“, verrät Marlene Hering, „mit Emotionen, mit Anfängen und Loslassen.“ Trotzdem hat die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Zeit für ein Gespräch gefunden. In einem der neuen Räume des Gemeindehauses sitzt die 37-Jährige der Reporterin dieser Zeitung gegenüber.

Kurz vorher noch hat sie ihre Tochter Dorothea zum Unterricht in die erste Klasse der Otfried-Preußler-Schule gebracht. Um 7.45 Uhr beginnt die Schule, um 11.20 Uhr ist Unterrichtsende. Dann muss die Tochter abgeholt werden. Einen Betreuungsplatz für die Schulanfängerin wird es erst im Oktober geben. Und da ist noch die knapp vierjährige Tochter Lucia. Auch sie kann erst ab November in einer Kita in Bad Soden betreut werden.

Hört sich ziemlich stressig an, für die erste Pfarrerin in der Geschichte der evangelischen Gemeinde in der Kernstadt Bad Soden. Denn die Familie wohnt aktuell noch in Hattersheim, wo Marlene Hering sechs Jahre lang Pfarrerin „mit ganzem Herzen“ war. Und das Pfarrhaus in Bad Soden, das zukünftig die Familie beherbergen soll, muss erst noch saniert werden.

Doch Marlene Hering klagt nicht. Im Gegenteil, sie strahlt Gelassenheit aus, dass sich das alles regeln lässt und ist neugierig auf ihre Aufgabe „als neue Pfarrerin“ in Soden. Die gebürtige Kölnerin folgt Pfarrer Achim Reis nach, der 25 Jahre in der Gemeinde tätig war. 20 Jahre davon hat er die 4500 Mitglieder zählende Gemeinde mit Pfarrer Andreas Heidrich betreut. Jetzt wird es einen gewaltigen Einschnitt geben. Denn heute zählt die Gemeinde nur noch 3700 Mitglieder. Mit der Konsequenz, dass Hering die Pfarrstelle II zu 50 Prozent ausfüllen wird und Heidrich die Pfarrstelle I als volle Stelle besetzt.

Die Gemeinde habe sich jemanden gewünscht, sagt Marlene Hering, der neue Formen auch in der Ästhetik der Liturgie anstoße. Jemanden, der die Projektarbeit vorantreibe, die Netzwerkarbeit pflege sowie sich, etwa in Form der Minigottesdienste, der religions-pädagogischen Begleitung in den Kitas widme und insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen kann. Was sie nie vermutet hätte und in Bad Soden spannend finde, verrät Marlene Hering, „dass hier ein experimentelles Milieu so stark wächst“. Den Vorstellungen dieser offenen und kommunikationsfreudigen Frau kommt das entgegen. Veränderungen haben auf ihrem bisherigen Lebensweg immer eine Rolle gespielt. So ist sie im Alter von sechs Jahren in Washington D.C. auf die Deutsche Schule gegangen. Hat auf der Fichtenberg Oberschule in Berlin ihr Abitur gemacht. In Wien hat sie evangelische Theologie studiert. Für ihre Vikarsausbildung ging sie nach Erkner in Brandenburg.

„Wir müssen uns auf neue Wege begeben und dabei unsere christliche Identität bewahren. Denn die Kirche, so wie wir sie kennen“, ist Hering überzeugt, „wird sich immer wieder verändern. Das ist nichts, was uns Angst machen sollte. Im Gegenteil. Das gehört zu ihr dazu, das macht sie inzwischen seit knapp 2000 Jahren“. Wie die Aufgaben zwischen ihr und ihrem Amtskollegen Heidrich aufgeteilt werden, darüber werde in der Sitzung des Kirchenvorstandes in der dieser Woche debattiert: Dabei werde es auch darum gehen, „die wirklichen Herzensthemen für die Gemeinde herauszufiltern“.

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