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„Wir haben uns einen Lebenstraum erfüllt“

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Javier Lozano und Irene Bräuninger. Czichowski
Javier Lozano und Irene Bräuninger. Czichowski © Carolin-Christin Czichowski

Die Betreiber des „Casablanca Arthouse“-Kinos blicken auf ihr erstes Programmjahr zurück

Bad Soden - Einhundertsiebzehn Spielfilme, 37 Dokumentationen, 40 Kinderfilme, 15 Lesungen, fünf Konzerte, vier Sonntagstalks, vier Kindertheateraufführungen, drei Inszenierungen aus dem Royal Opera House und einmal Kabarett: Das ist die Bilanz des ersten kompletten Kinojahrs im Bad Sodener „Casablanca Arthouse“. Und die Betreiber, Irene Bräuninger und Javier Lozano, sind damit durchaus zufrieden: „Diese Zahlen können sich doch sehen lassen“, sagen sie.

Die beiden leidenschaftlichen Cineasten haben das kleine Kino im Juni 2021 übernommen, nachdem ihren Vorgängern die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. „Wir dachten: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, wo sonst? Und wenn nicht wir, wer dann?“, sagt Geschäftsführer Lozano. „Wir haben uns damit einen Lebenstraum erfüllt.“ Nun, gut anderthalb Jahre und ein komplettes Programmjahr später, ziehen Lozano und Irene Bräuninger eine erste positive Bilanz. Auch wenn die Auswirkungen der Pandemie bis weit in das Jahr 2022 spürbar gewesen seien. „Und auch jetzt gibt es noch viele, die immer noch nicht ins Kino gehen“, sagt Lozano.

Doch etwa seit dem Sommer werde es stetig besser. Finanziert wird das Kino, das zunächst aus dem Verein Kinokultur Bad Soden hervorging, hauptsächlich durch Spenden und mit Preisgeldern dotierte Auszeichnungen. So hat das „Casablanca Arthouse“ im vergangenen Jahr den Deutschen Kinoprogrammpreis und den Hessischen Kinopreis erhalten. Außerdem wurde das kleine Kino an der Straße „Zum Quellenpark“ in das Netzwerk Europa Cinemas aufgenommen. „Kleine Kinos wie unseres brauchen solche Preise, um überleben zu können“, sagt Irene Bräuninger.

Aber auch das Stammpublikum unterstützt „sein“ Kino mit voller Kraft: Um die in die Jahre gekommenen roten Samtsessel neu aufpolstern lassen zu können, haben die beiden Betreiber die Aktion „Stuhlpaten“ gestartet. Die Kosten von 350 Euro je Sessel hat ein Pate getragen - und der wird nun auf einer Tafel im Eingangsbereich zum Kinosaal namentlich erwähnt. So konnten alle 80 Stühle aufgepolstert und neu bezogen werden. „Natürlich bindet so eine Aktion auch das Publikum an unser Kino“, sagt Irene Bräuninger.

Sie und Geschäftsführer Lozano experimentieren gern, sehen das „Casablanca“ nicht nur als Kino, sondern auch als Kulturstätte für die Stadt . So finden regelmäßig sonntags Talkrunden zu aktuellen, gesellschaftlichen und politischen Themen statt. Auch für Flüchtlinge aus der Ukraine hatten die beiden Betreiber ein Angebot: „Drei Monate lang haben wir regelmäßig Kinderfilme auf ukrainischer Sprache gezeigt“, sagt Lozano. So hätten sich die Gäste, vorwiegend Mütter mit ihren Kindern, zumindest für ein paar Stunden ablenken können.

Filme in der jeweiligen Originalfassung mit deutschen Untertiteln sind ohnehin Renner im „Casablanca Arthouse“: Die italienischen, spanischen, französischen oder amerikanischen Abende werden oft begleitet von Muttersprachlern, die dem Publikum eine Einführung in den jeweiligen Film geben.

Doch nicht alles, was Bräuninger und Lozano ausprobieren, kommt auch gut beim Publikum an: „Wir haben zum Beispiel einen japanischen Film gezeigt“, erklärt Lozano. Inspiriert wurde die Filmauswahl durch das japanische Film-Festival „Nippon Connection“, das jedes Jahr tausende Filmfans nach Frankfurt zieht. Doch im „Casablanca Arthouse“ hätten sich dafür nur eine handvoll Menschen interessiert. Doch das sei nicht schlimm. „Wenn man experimentiert, gehört das einfach dazu“, so Bräuninger.

Wenn die Betreiber an die Zukunft ihres Kinos denken, wünschen sie sich vor allem eines: „Dass wir in Bad Soden weiterhin für kulturelle Vielfalt sorgen und unser Publikum glücklich machen.“ Und Irene Bräunger hat noch einen speziellen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir auch jüngere Menschen für unser Programmkino begeistern könnten.“

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