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Die Diplompsychologin Claudia Vormann leitet seit Anfang 2020 das Projekt „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus.
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Die Diplompsychologin Claudia Vormann leitet seit Anfang 2020 das Projekt „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus.

Main-Taunus

Trotz Trauer ins Leben gehen

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Seit zehn Jahren hilft das Projekt „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus Kindern und Familien dabei, den Tod naher Angehöriger zu verkraften. Die Arbeit in den Trauergruppen ist auf Spenden angewiesen.

Claudia Vormann und ihr Team haben eine Menge zu tun in diesen Tagen. „Es gibt viele Akut-Anfragen“, sagt die Leiterin des Projektes „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus. Mit einer ehrenamtlichen Kollegin oder einem Kollegen geht die Psychologin dann zu den Familien nach Hause, die sie um Hilfe gebeten haben, weil Vater, Mutter oder ein naher Angehöriger verstorben sind und die Kinder Unterstützung brauchen. Der Kriseninterventionsdienst von „Sternenzelt“ läuft auch während des zweiten Corona-Lockdowns. „Wir helfen allen, die sich bei uns melden“, sagt Claudia Vormann. Zumindest ein persönliches Erstgespräch sei möglich, danach könne in Zeiten der Pandemie auch am Telefon weiterberaten werden.

Bereits vor dem Lockdown hat Claudia Vormann ein Sicherheitskonzept für das Projekt „Sternenzelt“ ausgearbeitet. Es lebt davon, dass Kinder, Jugendliche und Familien, die um einen Angehörigen trauern, im geschützten Rahmen miteinander in Kontakt kommen, sich gegenseitig unterstützen und, von Expertinnen und Experten begleitet, die Vielfalt der Gefühle und den Trauerschmerz durcharbeiten. Nun, da Kindergärten und Schulen geschlossen sind, könnten auch die Trauergruppen nicht wie gewohnt stattfinden, berichtet Vormann. „Wir haben deshalb teilweise auf Videokonferenzen umgestellt, beraten online und haben den Kindern vor Weihnachten speziell für sie zusammengestellte Päckchen geschickt.“

Sternenzelt

Das Projekt „Sternenzelt“ für trauernde Kinder, Jugendliche und deren Angehörige wird getragen von der evangelischen Familienbildung Main-Taunus im Dekanat Kronberg. Gegründet wurde es im Jahr 2010. Es ist offen für Menschen aller Konfessionen.

Das Angebot umfasst Trauergruppen für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren und eine Trauergruppe für die Eltern der betroffenen Kinder. Seit kurzem gibt es auch eine Trauergruppe für Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren, die einen nahen Angehörigen durch Tod verloren haben.

Leiterin des Projektes ist die Diplompsychologin, systemische Beraterin und Trauerbegleiterin Claudia Vormann. Ehrenamtliche unterstützen sie.

Finanziert wird die Arbeit des interdisziplinären Teams von „Sternenzelt“ vor allem durch Spenden. Für die betroffenen Familien ist die Teilnahme kostenlos. Mit den Krankenkassen kann Trauerbegleitung nicht abgerechnet werden.

Weitere Informationen und Angaben zur Spendenmöglichkeit unter www.evangelische-familienbildung.de/projekte/trauergruppe-sternenzelt.

Sobald persönliche Treffen möglich sind, sollen die Gruppen erneut zusammenkommen. Viele Aktivitäten seien im Freien geplant, erzählt Claudia Vormann. Die Jugendlichen treffen sich dann am Lagerfeuer. Es gibt Spaziergänge, bei denen sich die Eltern austauschen können. Die „Sternenzelt“-Gruppe der Fünf - bis Zwölfjährigen spielt, bastelt oder macht kleine Ausflüge.

Gegründet wurden die Trauergruppen für Kinder, Jugendliche und deren Familien vor zehn Jahren von Susanne von Reden. In der Rhein-Main-Region war das Angebot der evangelischen Familienbildung Main-Taunus im Dekanat Kronberg damals einzigartig. Deutschlandweit gibt es mehrere vergleichbare Projekte. 

Als Diplompsychologin arbeitete die 44-Jährige zunächst in der Personal- und Organisationsentwicklung, ehe sie eine Ausbildung zur systemischen Beraterin und Trauerbegleiterin machte, sich ehrenamtliche bei „Sternenzelt“ engagierte und Anfang 2020 die Leitung des Projektes übernahm. Sie hält es für enorm wichtig, Kindern und Jugendlichen in der Trauer um Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister zu unterstützen und auch Eltern Halt in dieser schwierigen Zeit zu geben. „Das gesamte Familiengefüge gerät nach einem solchen Schicksalsschlag ins Wanken“, weiß Vormann. „Manchmal nehmen sich die Kinder zu Hause sehr zurück aus Angst, ihre Eltern mit ihren Gefühlen und Sorgen zusätzlich zu belasten. Und es gibt Familien, die durch den Verlust eines nahen Angehörigen auseinander driften. Durch die Gespräche mit allen Beteiligten können wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Familiensituation nicht verhärtet, sondern wieder in den Fluss kommt. Alles kann sich Stück für Stück sortieren.“ Dabei gebe es ruhigere und anstrengendere Phasen. Vormann vergleicht den Trauerweg in Anlehnung an die Gründerin der Familientrauerbegleitung in Deutschland, Mechthild Schröter-Rupieper, mit einem Labyrinth. „Es gibt keine starre Abfolge, wie man zu gehen hat, jeder macht das auf seine Weise.“

Damit alle Familien, die Hilfe benötigen, teilnehmen können, ist das Angebot von „Sternenzelt“ kostenlos. Das Projekt ist deshalb auf Spenden angewiesen. Rund 40 000 Euro würden pro Jahr benötigt, berichtet Claudia Vormann. Sie ist ständig auf Sponsorensuche. Im kommenden Jahr, erzählt sie, werde der Main-Taunus-Kreis das Projekt der evangelischen Familienbildung durch einen Zuschuss unterstützen. Vormann hofft außerdem auf die Hilfe der 30 Kommunen aus den beiden Landkreisen Main-Taunus und Hochtaunus, die dem Dekanat Kronberg zugerechnet werden.

Besonders gefreut haben sich die Sternenzelt-Leiterin und ihr ehrenamtliches Team vor kurzem über ein Schreiben des Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, der das Projekt Sternenzelt mit seinem Förderpreis 2020 ausgezeichnet hat. 4000 Euro wurden als Preisgeld überwiesen. „Für uns ist das ein schönes Zeichen, dass unsere Arbeit und vor allem der präventive Ansatz anerkannt und gewürdigt werden“, sagt Claudia Vormann.

Für die 44-Jährige, die mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Bad Soden lebt, ist die Trauerbegleitung von Kindern und deren Familien eine Herzensangelegenheit. „Manche Leute sagen zwar: „Da hast du dir aber ein schweres Thema ausgesucht“, so Claudia Vormann. Durch eine persönliche Trauererfahrung in jungen Jahren habe sie jedoch ein anderes Verständnis und keine Hemmschwellen. Die Arbeit erfülle sie. „Ich kann das Thema gut aushalten, selbst wenn es mich berührt. Und ich denke nicht, dass es schnell wieder gut werden muss. Weil ich weiß, dass jeder in der Trauer seinen eigenen Weg geht und findet“, sagt Claudia Vormann.

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